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Prinzessin und Rebell: "Boomende Stadt"

... erscheint am 28.8.2020

Sie waren sich schon in der Kindheit ganz nah, im Speckgürtel der Boomstadt München. Doch Anna Katharina Kränzlein und Florian Kirner mussten erst eigene Wege gehen, Erfolge feiern, Ballast abwerfen, in die Ferne ziehen, um zusammenzukommen.

Jetzt endlich sind die beiden Freigeister verbunden, als Folk-Formation, sie die Prinzessin, er der Rebell. Und wie gut sie zusammenpassen, die Geigerin und der Liedermacher, zeigen sie auf ihrem ersten gemeinsamen Album. Das heißt „Boomende Stadt“, obwohl es nicht weiter weg sein könnte von derselben.

Gehört hatten sie schon lange vorher voneinander, ihre Eltern kannten sich aus der Friedenbewegung der Vorstadt Eichenau. Aber sie selbst bewegten sich als Künstler in verschiedenen Sphären. Mit 16 Jahren gründete Anna Katharina Kränzlein mit ein paar Folk-Freunden die Band Schandmaul. Aus der Sessionband für ein Lagerfeuer wurde eine von Deutschlands allergrößten Rock-Gruppen. Sie tourten durch fremde Länder, spielten mit Orchestern, in den größten Hallen und auf ihrem eigenen Festival, mit dem Album „Leuchtfeuer“ landeten sie 2016 auf Platz 1 der Charts.

Eine Wahnsinnszeit, aber all der Erfolg erfüllte Anna nicht. Sie musste raus. Anna Kränzlein war ohnehin stets mehr als „die Geigerin von Schandmaul“, sie brachte drei Solo-Alben heraus und gründete eigene Gruppen, spielte mit Wolfgang Ambros, Pippo Pollina, Martin Kälberer und dem populären Streicherensemble La Finesse. 2017 stieg sie aus bei Schandmaul – und aus ihrem alten Leben.

„Viele erklärten mich für verrückt, als ich alles in die Luft schleuderte“, sagt sie. Ihr Glück lag anderswo. Mit ihren beiden Kindern, zwei Pferden und einem Hund zieht sie in ein grünes Hexenhäuschen im Bayerischen Wald. Sie vertieft ihre Studien des Schamanismus, unter anderem in Peru und Bolivien. Weit weg von der boomenden Stadt München findet sie ihren Frieden. Das alles teilt sie in ihren „Auszeit“-Erlebnistagen mit anderen Glückssuchern: das Reiten und Wandern in der Ruhe des Waldes, das sinnliche Erleben der Natur, die Rituale und die Gemeinschaft, die Heilkraft der Musik.

Derweil ist auch Florian Kirner angekommen. Bei sich - und auf Schloss Weitersroda. Er hat zuvor in Tokio gelebt und Kunst gemacht, als Prinz Chaos II. hat er die Kabarettszene aufgemischt, sein früher Mentor Franz Josef Degenhardt hat ihn in die „Bruderschaft der Sänger“ aufgenommen. Mit seinem anderen Freund und Förderer Konstantin Wecker nahm er unter anderem das „Münchner Lied“ seines Urgroßvaters Theo Prosel auf und verfasste die vielbeachtete Streitschrift „Aufruf zur Revolte“.

Während „das königlich-chaotische Staatsunterhaupt“ Prinz Chaos in elfjähriger Plackerei sein eigenes Schloss in Thüringen vor dem Einsturz rettete und in einen autarken Lebensraum und zur Spielstätte des Liedermacherfestivals „Paradiesvogel“ verwandelte, blieb kaum noch Zeit. Jetzt, wo das Schlossprojekt aus dem Gröbsten heraus ist, hat Florian Kirner seit langem einmal wieder selbst etwas Luft. Die nutzte er, um seinen Roman „Leichter als Luft“ zu vollenden. Am 2. September 2019 wurde er im Westendverlag veröffentlicht.

Dass Florian Kirner nun auch musikalisch in die Offensive gehen kann, und zwar als „Prinzessin & Rebell“, hat mit einer Nachricht im Facebook-Chat zu tun.

Anna Kränzlein war auf der Suche nach neuen musikalischen Projekten auf ihn aufmerksam geworden. Auf seiner Facebookseite las sie, dass dieser alte (Un-)Bekannte gerade einem von den Vorbesitzern vernachlässigten Pferd Asyl im Schloss-Stall gewährte. Sie wollte ihn treffen.

Und so führten ihre Wege endlich zusammen. Unterschiedlichen Kreise verknüpfen sich zu einem, wie in ihrer Version des „Carpenter“-Songs von Johnny Cash und June Carter: „Wenn ich ein Metzger wär‘ und du eine Gräfin, wär‘ ich gut genug für dich oder spielt du die Chefin…“.

Beim gemeinsamen Musizieren – im Wohnzimmer wie in Clubs, Kultursälen oder beim Nürnberger Bardentreffen - entfachen sie seitdem ein ungeheures Spielfeuer. Die Lebensfreude und Wärme ist auch auf ihrem ersten Album zu spüren, das sie mit Hilfe des Produzenten und Bassisten Friedrich Störmer (Blue Man Group) in der Schlossschänke zu Weitersroda eingespielt haben. Alles handgemacht und getragen von einem großen Herz und dem Vertrauen, gemeinsam stärker zu sein – wie in der ersten Single „Der Pfahl“, einem alten auch bei den Protesten im Hambacher Forst und von Pfadfinder gesungenen Solidaritätslied aus Spanien.

Der proletarische Kampfeswille und die kabarettistische Textschärfe von Prinz Chaos II. findet sich auch im „Lied der Sammlung“, das das alte „Bürgerlied“ der liberalen Streiter von 1848 in den heutigen Kampf der Gelbwesten „gegen das stinkende System“ versetzt.

Es wird aber nicht nur gekämpft (und sei es gegen eine lästige „Mücke“), es wird vor allem viel geliebt, mit Blick auf das Firmament („Versunkene Sterne“) oder „Schenkel an Schenkel, Herz an Herz“ unter der Schmusedecke: Wofür hat Gott die Menschen gemacht? „Dass man sich wärmt“, singen sie und zitieren dabei das schöne „Abendlied“ von Matthias Claudius.

In den Texten der beiden kommt die mondsüchtige, naturliebende Romantik mit den politischen Liedermachern von der Burg Waldeck und dem Schalk eines Reinhard Mey zusammen, was – neben dem „Herumkaspern auf der Bühne“ – vor allem die Aufgabe des Rebellen mit Gitarre, Mandoline und der Thüringischen Waldzither ist.

Für den Zauber ist die Prinzessin zuständig. Die studierte, mehrfach prämierte Geigerin, Bratschistin, Drehleierspielerin Anna Kränzlein tänzelt und schlängelt sich virtuos durch Folk, Country, Arabesken und Klassik – für sie gibt es keine Grenzen mehr wie einst in der Band.

Selbst einen Pop-Song verwandelt sie in ein Freiheitslied: Elton Johns und Luciano Pavarottis großorchestriertes „Live Like Horses“, die Hymne eine Pferde-Trainer-Verbandes, auf dessen Konvent die zwei einmal auftraten.

Und endlich darf Anna Katharina auch zu Studienzeiten ausgebildete Gesangsstimme zeigen, glockenhell und betörend vor allem bei „Prinzessin“. Das Lied hatte sie einst für „Schandmaul“ geschrieben - aber schon oft am Bett ihrer Tochter gesungen. Nun dürfen es alle aus ihrem Munde hören. Es zieht die Prinzessin und den Rebell mit ihren Instrumenten dorthin, wo man feine, handgemachte Musik schätzt, also überall. Deshalb geben sie ihre Konzerte längst nicht nur in ländlicher Idylle, sondern kehren auch immer wieder gerne dorthin zurück, wo sie im Titelsong vor Bauwut und Smoothie-Sucht warnen - in die „Boomende Stadt“.

 


Veröffentlicht am: 19.06.2020

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