Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit sorgen bei vielen Deutschen für finanzielle Engpässe. Um die monatlichen Ausgaben zu senken, kündigen viele Menschen ihre Lebens- oder Rentenversicherung. Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft werden pro Jahr rund 3,7 Millionen Lebensversicherungsverträge storniert - ein schlechtes Geschäft für den Kunden, warnt die Gothaer Versicherung und informiert aktuell über bessere Alternativen.
"Die Kündigung einer Lebensversicherung sollte immer der allerletzte Schritt sein, weil man sofort seinen Versicherungsschutz verliert", rät die Gothaer-Vorsorgeexpertin Antje Knoop. Und: Wer nach der Überwindung des finanziellen Engpasses wieder eine Versicherung abschließt, muss für den gleichen Schutz höhere Beiträge zahlen. Außerdem steht in aller Regel bei einer Lebensversicherung eine erneute Gesundheitsprüfung an, die mit steigendem Alter meist ungünstiger ausfällt.
Kunden, die sich nur für eine bestimmte Zeit keine Beiträge leisten können, sollten nach Rücksprache mit ihrer Versicherung die monatlichen Zahlungen senken oder aussetzen. Dies geht in der Regel für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. Hierbei bleibt der bisherige Versicherungsschutz erhalten und es ist keine neue Gesundheitsprüfung notwendig. Nach Ablauf des Stundungszeitraums gibt es die Möglichkeiten, die gestundeten Beiträge nachzuzahlen oder durch eine Herabsetzung der Versicherungssumme zu verrechnen.
Wer dauerhaft keine Einzahlungen leisten kann, sollte die Versicherung beitragsfrei stellen. Dabei werden bis zum Ende der Vertragslaufzeit keine Beiträge mehr fällig, das bis dahin angesammelte Guthaben wird jedoch weiter verzinst. Zudem besteht weiterhin ein verminderter Versicherungsschutz.
Policendarlehen als Alternative zum Kredit
Viele Lebens- oder Rentenversicherungen werden gekündigt, weil die Anleger das Geld aus der Rückkaufsumme brauchen. Der Nachteil: Weil Abschlusskosten für die Verträge am Anfang der Ansparphase eingerechnet werden, fällt die Rendite bei einer vorzeitigen Kündigung eher mager aus. "In solchen Fällen ist ein Policendarlehen die bessere Lösung", empfiehlt Antje Knoop. Dabei gewährt die Versicherung einen Kredit in Höhe von bis zu 90 Prozent des Rückkaufwertes. Das Darlehen kann entweder in Teilbeträgen zurückgezahlt oder am Ende der Laufzeit der Versicherung mit der Auszahlung verrechnet werden. Bei Darlehensrückzahlung ist zudem keine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich.
Vor diesem Hintergrund ist das Policendarlehen auch im Vergleich zum Verkauf der Lebensversicherung an einen spezialisierten Anbieter die bessere Option. Diese Anbieter bieten zwar meist einen etwas höheren Preis als den Rückkaufswert an, der Versicherungsschutz geht aber im Gegensatz zum Darlehen mit dem Verkauf verloren.
Besondere Regeln gelten für Risikolebensversicherungen. Hier können die Beiträge bis zum Ablauf der Versicherung gesenkt werden, wobei gleichzeitig die Todesfallsumme sinkt. Da hier im Unterschied zur Kapitallebensversicherung jedoch nichts angespart wird, ist ein Policendarlehen oder eine Beitragsfreistellung nicht möglich.
















