Morgengruß von Helmut Harff: Mehr laufen

… weniger fahren

Schadstoffe in der innerstädtischen Luft sind ein absolutes Topthema in diesem Land. Glaubt man alles, was da so durch die Medien geistert, müsste es schon ein Massensterben in Deutschlands Städten geben. Ganz so schlimm kann es also noch nicht sein.

Und doch, wir brauchen neue Ideen für den Verkehr in den Innenstädten. Mit neuen Ideen meine ich nicht neue Autos, egal wie die zukünftig angetrieben werden. Wir brauchen auch keine neuen Leihautosysteme. Was wir brauchen sind schlicht weniger Autos. Nur so schaffen wir es, auf dem bestehenden Straßennetz den Verkehr in jeder Richtung sinnvoll zu organisieren.

Ein Dieselverbot ist da mindestens genauso sinnlos wie die Fokussierung auf das Fahrrad. Beides hat mit unserer Lebenswirklichkeit nichts zu tun. Das kann nur jemand fordern, der unsere Innenstädte veröden lassen will. Was wir brauchen ist ein wirklich gut funktionierender öffentlicher Personennahverkehr.

Dessen Aus- und Aufbau dauert lange. Und doch bleibt uns nichts weiter übrig, als hier hinein alle finanziellen und vor allem geistigen Ressourcen fließen zu lassen. Ohne den massiven Ausbau des ÖPNV verlieren wir den Kampf um wirklich gesunde Innenstädte.

Gesundheit ist aber auch ein Thema, das bei der Diskussion um gesunde Innenstädte nur im Zusammenhang mit der Luft eine Rolle spielt. Dabei gibt es einen Aspekt, der überhaupt nicht vorkommt: Wir sind Menschen, wir sind Zweibeiner, wir haben einen aufrechten Gang, der uns in die Lage versetzt zu laufen. Nur das tun wir immer weniger. Doch das ist ja kein Naturgesetz, ganz im Gegenteil.

Warum propagieren die Verkehrsplaner nicht auch, dass wir zukünftig wieder mehr laufen. Heute regen wir uns schon auf, wenn das Auto nicht direkt vor der Tür steht oder wir zu Bahn und Bus mehr als zwei, drei Minuten laufen müssen. Andererseits verbringen wir immer mehr Zeit beim Joggen und auf dem Laufband zuhause oder im Fitnessstudio.

Wenn einerseits wir mehr einen attraktiven Nahverkehr nutzten, andererseits mehr laufen, dann tun wir viel für unsere Umwelt und noch mehr für unsere Gesundheit. Dann brauchen wir weniger das Auto und in vielen Fällen kann man ganz auf das Auto verzichten.

Das hätte noch einen interessanten Aspekt: Wenn wir ohne Auto leben, dann fahren wir zumindest nicht mehr so häufig in die Supereinkaufstempel, dann wollen wir wieder fußläufig erreichbare Läden. Das würde sicherlich dazu führen, dass sich auch der kleinteilige wohnortnahe Einzelhandel bis zum Tante-Emma-Laden wieder lohnt.

Ich glaube, nein ich bin überzeugt davon, dass unsere mobile Zukunft nicht ohne Auto funktioniert, aber der Fokus vor allem in den Innenstädten gerade nicht auf dem Auto liegen kann. Hier müssen wir einerseits schnell, andererseits auch und vor allem langfristig  umdenken. Das sind wir nicht nur folgenden Generationen, sondern vor allem uns selbst schuldig.

Ich gehe jetzt mal los einkaufen. Das mache ich schon immer so, denn ich hab ja gar kein Auto.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück . Laufen Sie mal wieder – nicht nur auf dem Laufband.

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