Morgengruß von Helmut Harff: Stiefeltag

… mit fast türkischen Wurzeln

In meiner Kindheit war der 5. November vor allem eines – Der Tag des Schuhputzes. An keinem anderen Tag des Jahres griff ich so gern zu Schuhwichse und Polierbürste wie an diesem. Schließlich galt es, blitze-blanke Stiefel vor die Tür zu stellen und darauf zu hoffen, dass Nikolaus auch wirklich die vier Treppen hinauf astet um die glänzenden Stiefel mit allerlei Naschwerk und vielleicht sogar mit einem kleinen Geschenk zu füllen. Damals lag die Betonung wirklich noch auf klein.

Und heute? Welches Kind hat noch Stiefel, die es putzen muss? Ich habe mal nachgesehen und auch bei mir festgestellt, dass die meisten Schuhe in meinem Schuhschrank nicht mehr auf die klassische Art und Weise gepflegt werden müssen. Dennoch kam der alte Mann zu mir. Auf einiges ist im Leben eben immer noch Verlass, auch wenn die Schuhe nicht glänzen – die Augen tun es auch noch im Alter.

Nikolaus, so fragte ich mich, wer ist das eigentlich? So ganz klar ist das nicht, aber als historische Figur gilt Nikolaus von Myra. Er ist ein Heiliger, dessen Gedenktag eben der 6. Dezember ist. Ihm wird nachgesagt, dass er viele Wunder vollbracht hat. Sein Ruf als guter und spendabler Kinderfreund erwarb er sich aber dadurch, dass er durch das Fenster eines sehr armen Mannes Goldstücke warf. So verhinderte er, dass der Vater dreier Töchter diese in die Prostitution schicken musste. So groß war das Opfer nicht, denn Nikolaus stammte aus einem sehr reichen Haus.

Nikolaus von Myra war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof seiner Heimatstadt. Die Stadt gehörte damals zum römischen, später zum byzantinischen Reich. Daraus ging die Türkei hervor. Somit hat die Türkei – mit ein wenig gutem Willen – Anteil an unserem Nikolausfest. Ob das ein Grund dafür ist, dass ich immer mehr Kopftuchträgerinnen auf den Weihnachtsmärkten und schwer bepackt beim Weihnachtseinkauf sehe?

Allerdings gilt nicht nur der Heilige aus Myra, sondern auch Nikolaus von Sion als einer der Urväter unseres heutigen Nikolauses.  Der zweite lebe wie sein Name verrät in Sion, einem Ort in der Nähe von Myra – allerdings erst im sechsten Jahrhundert. Die Legenden über das Leben der beiden Männer verwoben sich zu der mythischen Figur des Heiligen Nikolaus von Myra.

Doch egal, wer nun als Heiliger der Schuhputzer und vor allem als Spender von Süßigkeiten in frisch geputzte Stiefel oder solche aus Pappe gilt, ich finde den Nikolaustag als einen der sympathischen Tage, die wir überhaupt haben.

Zum Frühstück gibt es nichts aus dem Nikolausstiefel – na vielleicht doch eine süße Kleinigkeit.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Nikolaus-Frühstück. Übrigens: Auch Kollegen oder Nachbarn freuen sich über eine kleine Überraschung zu Nikolaus.

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