Morgengruß von Helmut Harff: Das Wetter drehte sich

… für einen Mann

Gestern Abend zappte ich mich durch die Fernsehlandschaft. Beim MDR blieb ich hängen. Dort hatte wohl gerade die wöchentliche Talkshow „Riverboat“ begonnen. Ich wollte mal sehen, welche Gäste man eingeladen hatte. Dann hörte ich eine Lache und eine Stimme, die ich vor Jahren das letzte Mal gehört hatte.

Ich blieb also bei diesem Programm hängen und wollte sehen, wer das da ist. Dann sah ich ein ziemlich aufgeschwemmtes Gesicht, das mir ebenfalls – allerdings nicht so – bekannt vorkam. Dann dämmerte mir, der, den ich da sah und hörte war Jörg Kachelmann. Der wurde vor Jahren erst als Wettermann der ARD, dann durch einen Vergewaltigungsprozess bekannt.

Kachelmann, den die Jüngeren wohl gar nicht mehr kennen, war aber weit mehr als ein Wettermoderator, er war ein Unternehmer in Sachen Wettervorhersage, der auch ein Unternehmen in den USA hatte. Außerdem war er schon damals – vor seinem Prozess – als Riverboot-Talkmaster und Moderator anderer, auch eigener Formate im Fernsehen und Radio präsent. Doch eigentlich sah er sich wohl eher als Unternehmer.

Als ihn eine Ex der Vergewaltigung bezichtigte, schlugen die Medien mit aller Macht und ganz tief unter der Gürtellinie zu. Man hatte den Eindruck, hier sollte ein Mann vernichtet werden. Unter dem Strich gelang das nicht, denn Kachelmann war nicht der Täter sondern das Opfer. Doch wie so häufig in solchen Fällen, war die Existenz und der Ruf versaut. Daran änderten auch zahlreiche gewonnene Schadensersatzprozesse gegen seine Anklägerin und diverse Medien nicht.

Es blieb weitgehend still um Jörg Kachelmann. Zumindest ich hatte ihn völlig aus den Augen verloren. Die riss ich gestern Abend deshalb um so weiter auf. Warum saß Kachelmann in der „Riverboat“-Runde? Was gab es, was er verkünden oder promoten will? Hat er ein Buch geschrieben? Nein, mein erster Eindruck war falsch, er war kein Gast, sondern an der Seite seiner alten Kollegin Kim Fisher Gastgeber im „Riverboat“.

Ein Gefallener ist zurück. Das hat mich beeindruckt. Mich hat nicht nur Jörg Kachelmann beeindruckt, der massive Probleme mit seinem ehemaligen Arbeitgeber ARD hatte. Mich hat auch der MDR und seine Leitung beeindruckt. Ja, es ist keine Sensation, aber schon ziemlich mutig, einem Mann, einem völlig unschuldigen und zumindest juristisch rehabilitierten Mann, eine neue Chance zu geben. So geht man menschlich mit einem ehemaligen Mitarbeiter um.

Ich hoffe, das Beispiel Jörg Kachelmann macht Schule und Männern Mut, denen es ähnlich erging wie dem Unternehmer und Fernsehmann. Es sollte allen zeigen, die andere Menschen zu Unrecht einer Straftat beschuldigen, dass es eben nicht gelingt, einen Menschen so endgültig zu zerstören.

Schön, wenn eine Geschichte so ausgeht. Da schmeckt das Frühstück gleich nochmal so gut.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

Foto: Pixabay

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