Morgengruß von Helmut Harff: Da lag ich falsch

Gar nicht einfach – das mit eigenen Fehlern



Unser Gesundheitsminister hat es nicht leicht und wohl auch nicht sehr viele Fans. Auch ich gehöre nicht zu seinen Jüngern. Mir sind immer Politiker suspekt, die augenscheinlich viel Zeit dazu haben, nächtelang – oder zu den Aufzeichnungszeiten – in Talkshows zu sitzen. Nicht viel weniger gefällt mir, wenn sie dort Dinge mal ganz so nebenbei verkünden, die nicht einmal mit den Politik-Kollegen abgestimmt sind.


Das hat nun unser aller Gesundheits-Karl gemacht. Nicht schön, aber in diesem speziellen Fall ziehe ich den Hut. Warum? Herr Lauterbach machte, was Politiker so, so selten machen – er hat eine offensichtliche Fehlentscheidung korrigiert. Ja, er hat sich vor aller Augen korrigiert. Werter Herr Putin, kommen Sie doch auch zu Herrn Lanz und korrigieren Sie ihre Fehlentscheidung, ihre Truppen in die Ukraine einmarschieren zu lassen.

Unsinnige Forderung? Ganz sicher, oder besser, leider so aussichtslos, wie die völlige Versorgung Deutschlands mit erneuerbarer Energie in den nächsten 20 Jahren. Und doch, es stünde gerade Politikern so gut zu Gesicht, schnell und gleich nachdem man festgestellt hat, sich geirrt zu haben, seine Entscheidung zu korrigieren, sie zu kassieren. Damit wären Politiker das, was sie eben auch sein sollen – Vorbilder.

Doch wir sollten vorsichtig damit sein, den biblischen ersten Stein zu werfen. Wer von uns ist bei dem Thema schon ohne Schuld? Wer von uns ist einfach mal so bereit – ob in einer Talkshow, am heimischen Tisch oder im Büro – eine Fehlentscheidung einzuräumen und zu korrigieren? Das fällt den meisten von uns schon vor uns selber schwer. In viel zu vielen Fällen versucht Mann seine erste – eben nicht richtige – Entscheidung zu verteidigen, sie schön zu reden. Das nur, um nicht zugeben zu müssen, geirrt zu haben.

Ja, man kann wie im Fall des Bundesgesundheitsministers einen Shitstorm ernten, man kann als entscheidungsunwillig, als wankelmütig gelten. Doch das hält in den meisten Fällen nicht lange an. Dagegen muss man selber und zumeist viele andere unter einer nicht korrigierten Fehlentscheidung leiden. Das ist was bleibt. Es bleibt aber auch, dass man sich eben nicht für unfehlbar hält. Es bleibt auch, dass man für jemand gilt, der seine eigenen Entscheidungen auch nach deren Verkündung hinterfragt. Das macht glaubwürdig – in der Politik, im Geschäftsleben und auch privat.

Ich werde meine Entscheidung, jetzt mit der Besten Frau der Welt zu frühstücken, garantiert nicht korrigieren, denn eine bessere Entscheidung gibt es nicht.

Ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

Gratulation allen, die heute Namenstag haben:  Ralph, Johann Baptist

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