Der GLS aus der Zukunft

... ist der Mercedes-Benz EQS SUV



(Matthias Knödler, Autoren-Union Mobilität) Zwei Jahre ist es her, dass die Deutsche Umwelthilfe dem Mercedes-Benz GLS ihren „Goldenen Geier“ verliehen hat. Es handele sich bei dem – in Wahrheit hocheffizienten – Siebensitzer um den „ökologisch unsinnigsten Stadtgeländewagen“, plusterte sich der Verein damals auf. Ob er nun zufrieden ist? Denn mit dem EQS SUV zeigen die Stuttgarter jetzt einen Geländewagen, der praktisch genauso groß ist, aber statt der effizienten Diesel- und Ottomotoren über einen Elektroantrieb verfügt.

Der EQS SUV ist technisch eng mit der Luxuslimousine EQS verwandt, die „Skateboard“-Plattform ist identisch. Er kommt zunächst in drei Varianten auf den Markt: Der EQS 450+ produziert 265 kW (360 PS) und 568 Newtonmeter Drehmoment aus einem hinten montierten Elektromotor, der nur die Hinterachse antreibt. Der Antrieb ist reichweitenbetont ausgelegt und will mit einer komplett vollgeladenen Batterie bis zu 660 Kilometer weit kommen.



Darüber rangieren zwei Versionen mit zusätzlichem Frontmotor und Allradantrieb: Der EQS 450 4-Matic leistet ebenfalls 265 kW PS, liefert aber stolze 800 Nm Drehmoment. Die Reichweite schrumpft ein wenig auf maximal 613 Kilometer. Und der EQS 580 4-Matic holt aus dem gleichen Antriebslayout 400 kW (544 PS) und 858 Nm Drehmoment. Bei 210 km/h wird abgeregelt, Beschleunigungswerte sind noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Und auch über die Gewichte schweigt sich die 62 Seiten dicke Pressemappe bezeichnenderweise aus. Wir haben jedoch erfahren: Schon der heckgetriebene EQS 450+ bringt leer stolze 2620 Kilogramm auf die Waage. Übrigens werden in der gleichen Mappe auch die aerodynamischen Eigenschaften über zwei Seiten gepriesen, ohne dass der tatsächliche cw-Wert kommuniziert wird. Auf eine Dachreling hat Daimler „bewusst“ verzichtet, man kann jedoch Dachträger anbauen. Und auch ein zünftiges Trittbrett lässt sich ordern.

Der EQS SUV glänzt mit vielseitigen Eigenschaften. So können bis zu sieben Personen in der rundlichen Karosse Platz nehmen, der Gepäckraum fasst je nach Variante bis zu 2100 Liter. Auch abseits befestigter Straßen kommt er weit: Dafür sorgt bei den Allradlern ein Offroad-Programm und eine Bodenfreiheit von 181 Millimetern, die sich in Europa per Knopfdruck um 25 mm vergrößern lässt, auf anderen Märkten sogar um 30 Millimeter. Und auch wenn es nach Auskunft der Entwickler nicht das Ziel war, einen waschechten Off-Roader zu entwickeln, so wurde am Unterboden eine „Opferrille“ montiert, das im Fall eines brutalen Aufsetzers schlimmeres verhindern soll. Später soll eine „transparente Fronthaube“ dazukommen, gemeint ist der Kamerablick auf das unmittelbare Vorfeld.



Immerhin 1,8 Tonnen kann der EQS SUV ziehen. Das ist zwar kaum mehr als halb so viel wie der GLS, aber für Elektroautos ein ungewöhnlich guter Wert. Und der Wendekreis liegt dank der serienmäßigen Hinterachslenkung bei nur 11,9 Metern. Er lässt sich optional auf glatte elf Meter verringern; der entsprechende Zehn-Grad-Einschlagwinkel kann auch noch nach dem Kauf freigeschaltet werden.

Überhaupt lassen sich beim EQS SUV mehr Funktionen nachträglich freischalten als je zuvor bei Daimler. Und die Liste der Features umfasst eine Reihe von Systemen, welche die Lebenswelten der Fahrer eines elektrischen SUV wohl perfekt ergänzen. So gibt es einen „Personal Trainer fürs umweltschonenderes Fahren“ namens „Eco Coach“ – und das, obwohl der CO2-Ausstoß eines Elektroautos nach Ansicht der EU-Behörden ohnehin bei Null liegt. Er gibt „hilfreiche Tipps und Erklärungen zur nachhaltigen und ressourcenschonenden Nutzung“, und wer diese auch brav befolgt, wird laut Pressetext „durch Punkte belohnt, welche zu einem späteren Zeitpunkt gegen attraktive Prämien eingelöst werden können“.



Der Wegfahr-Assistent „Drive Away Assist“ wiederum warnt den Fahrer, „falls es beim Anfahren durch eine Verwechslung von Gas- und Bremspedal oder einer falschen Fahrstufe zu einer Kollision mit erkannten Objekten kommen könnte“. Und die „Personenanwesenheitserinnerung“ soll verhindern, dass Kinder auf dem Rücksitz vergessen werden. Wenn sich die Kinder indessen bereits im fahrfähigen Alter befinden, kann man sie per „Fahranfänger“-Modus auf maximal 120 km/h einbremsen.

Gebaut wird der EQS SUV in Tuscaloosa im US-Staat Alabama, das Batteriewerk liegt gleich daneben. Die Preise sind noch nicht bekannt.

Fotos: Autoren-Union Mobilität/Matthias Knödler

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