
Für eine große Anzahl junger Männer und Jungen unter 18 Jahren zählen Videospiele zu den ganz normalen Bestandteilen des täglichen Lebens. Moderne Games lenken ab, vertreiben die Langeweile und bieten den Spielern Erfolgserlebnisse auf Abruf. Sie wirken sich zudem auf die persönliche Denkweise aus und prägen Verhaltensabläufe.
Sei es der heimische Gaming-PC, die Konsole oder das Smartphone, Videospiele sind schon seit langer Zeit Kult und aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die jüngere Generation von Männern ist selbstverständlich von klein auf mit ihnen aufgewachsen. Für sie ist das Gaming überall präsent und stellt mittlerweile eine Alternative zu klassischen Hobbys dar. Das Zocken von Videospielen ist mehr als bloß eine moderne Freizeitbeschäftigung, denn es dient vielen zusätzlich als sozialer Treffpunkt und Anker.
Laut Experten ist diese Entwicklung nicht per se als problematisch oder gänzlich positiv anzusehen. Der Trend bringt eine bunte Mischung aus Potenzial und Risiken mit sich und sollte deshalb differenziert betrachtet werden.
Gaming dient als sozialer Treffpunkt und vermittelt Wissen
Zahlreiche Videospiele wirken sich positiv auf Fähigkeiten aus, die über den Bildschirm hinauswirken. Games wie "Minecraft" regen etwa die Kreativität an und fördern die Entwicklung des räumlichen Denkens. Die Spieler treffen sich in großen, offenen Sandbox-Welten, planen Bauprojekte gemeinsam und tauschen sich untereinander aus.
Die Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) führte im Jahr 2024 einige Studien im Bereich Mediennutzung von Jugendlichen durch. Aus diesen geht hervor, dass Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren durchschnittlich 90 Minuten am Tag mit Videospielen verbringen. Ein großer Anteil der Spielzeit entfällt auf soziale Online Multiplayer-Games.
Games wie der beliebte Battle-Royale-Titel "Fortnite" oder das Auto-Fußball-Spiel "Rocket League" dienen vielen Jungen als ein digitaler Treffpunkt nach der Schule oder am Wochenende. In "Squads" (Teams aus 4 Spielern) entstehen echte Freundschaften und über den Voice-Chat werden Erfolge gemeinsam gefeiert.
Laut offiziellen Angaben der American Psychological Association können solche kooperativen Spiele die Kommunikationsfähigkeit und das Teamdenken nachhaltig fördern. Vor allem dann, wenn sie zusammen mit Gleichaltrigen gespielt werden.
Falls die Spielzeit zur Ersatzwelt wird ist Vorsicht geboten
Jedoch ist das Gaming nicht bloß mit positiven Effekten verbunden, denn die Forschung weist auch auf einige problematische Entwicklungen hin. Laut offiziellen Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wiesen im Jahr 2024 circa 15 % der männlichen Jugendlichen in Deutschland ein riskantes oder problematisches Spielverhalten auf. Hier ist nicht die gelegentliche, lange Gaming-Session gemeint. Es geht viel mehr um den Verlust von Interesse an sozialen Aktivitäten und weiteren Beschäftigungen.
Insbesondere Games, welche ein endloses Fortschrittssystem bieten, können diesen negativen Effekt verstärken. In Games wie "Call of Duty" oder "FIFA Ultimate Team" folgen "Season-Pässe" und "tägliche Challenges" in schneller Abfolge.
Für einige Jungen kann das Videospiel auf diese Weise zum wichtigsten Ort für Erfolgserlebnisse werden. Es besteht die Gefahr, dass Schule oder reale Freundschaften in den Hintergrund treten. Laut Experten ist es wichtig, dass Eltern ihre Kinder beim Gaming begleiten. Laut einer Erhebung des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2025 sprechen nur 41 % der Eltern regelmäßig mit ihren Söhnen über Inhalte, Mechaniken und Monetarisierung von Videospielen.
Wer Mechaniken durchschaut, kann bewusster entscheiden und Grenzen setzen, ohne den Spielspaß grundsätzlich infrage zu stellen.
Monetarisierte Spielmechaniken und Belohnungssysteme
Belohnungssysteme werden gezielt in zahlreichen modernen Videospielen eingebaut. Die umstrittenen "Lootboxen" sowie der tägliche "Login-Bonus" sind ein fester Bestandteil vieler Games. In "FIFA Ultimate Team" entscheiden zufällige Kartenpacks darüber, wie konkurrenzfähig ein Team ist. In "Genshin Impact" oder "Roblox" basieren grundlegende Spielmechaniken auf den sogenannten "Gacha"- oder Zufallssystemen.
Solche Spielmechaniken werden rechtlich nicht als Glücksspiel eingeordnet. Dieser Aspekt unterscheidet sie von den lizenzierten Online Casinos, die in Deutschland strengen Vorgaben unterliegen. Dort sind unter anderem Transparenz über Gewinnchancen, feste Einzahlungslimits und Spielerschutzsysteme verpflichtend. Gerade für Eltern und junge Spieler ist es wichtig, diese Unterschiede zu kennen. Viele informieren sich deshalb auf Informationsportalen, die erklären, wie lizenzierte Betreiber im Vergleich zum Spielen in LUGAS-freien Casinos einzuordnen sind. Solche Plattformen sind nicht an das zentrale deutsche Sperrsystem angebunden und agieren außerhalb des deutschen Regulierungsrahmens.
Die Universität Hamburg veröffentlichte im Jahr 2023 das Ergebnis einer Studie im Bereich Spielmechaniken. Aus dieser geht hervor, dass variable Belohnungen besonders stark auf das dopaminerge Belohnungssystem wirken. Jungen reagieren darauf im Durchschnitt sensibler, vor allem in der Pubertät. Das erklärt, warum das Öffnen einer Lootbox oder das Kaufen eines "In-Game-Items" emotional ähnlich erlebt wird wie ein Gewinn in einem Online Casino.
Der Wettbewerb und das Selbstwertgefühl
Das Gaming prägt auch die Vorstellung von Leistung und Männlichkeit. Viele populäre Videospiele setzen stark auf Wettbewerb. Ranglisten, "K/D-Ratios" oder "Skill-Ratings" sind zentrale Elemente in Spielen wie "League of Legends" oder "Counter-Strike 2".
Laut einer Studie der Universität Köln aus dem Jahr 2024 knüpfen viele Jungen ihren Selbstwert teilweise an ihre Gaming-Leistung. Das kann motivierend wirken, birgt aber Risiken. Wer häufig verliert, der erlebt Frustration intensiver. Gleichzeitig fehlen oft Räume, um über diese Gefühle zu sprechen, insbesondere in männlich dominierten Gaming-Communities.
Eine Generation von Jungen zwischen Potenzial und Risiko
Für viele Jungen und junge Männer sind Videospiele ein fester Bestandteil des Alltags. Sie fördern soziale Kontakte, Kreativität und Leistungsbereitschaft, können jedoch auch Risiken bergen, falls Belohnungssysteme und der ständige Wettbewerb überhandnehmen.
Ausschlaggebend ist nicht das Gaming selbst, sondern der bewusste und kontrollierte Umgang. Wenn Spiele begleitet, reflektiert und in ein ausgewogenes Lebensumfeld eingebettet werden, können sie ihre positiven Effekte optimal entfalten, ohne dabei Schule, soziale Beziehungen oder das Selbstwertgefühl zu verdrängen.
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