Mit Vertragsanpassungen können Autofahrer oft auch noch nach der Kfz-Versicherungs-Wechselsaison sparen. Aber einige Tarifangaben zur Kfz-Versicherung wirken auf den ersten Blick wie ein Preisvorteil, reduzieren den Beitrag jedoch überraschend wenig.
Eine aktuelle Verivox-Auswertung zeigt: Wohneigentum, Garage oder Kinder im Haushalt führen im Schnitt nur zu ein bis zwei Prozent Rabatt. Selbst ein Fahrsicherheitstraining belohnt nur ein einziger der untersuchten Kfz-Versicherer.
Mein Haus, meine Garage, meine Kinder – mein Rabatt?
Wer eine Kfz-Versicherung neu abschließt oder wechselt, wird häufig auch nach selbstgenutztem Wohneigentum gefragt. Klingt nach einem klaren Preisvorteil, hat real aber kaum Gewicht. Im Durchschnitt liegt der Rabatt bei zwei Prozent. Für einen 45 Jahre alten Golf-Fahrer aus Berlin sind das rund 20 Euro weniger Beitrag pro Jahr. Spürbare Nachlässe entstehen meist nur, wenn mehrere Verträge beim selben Anbieter gebündelt sind, etwa Wohngebäude- und Kfz-Versicherung.
„Kombirabatte wirken attraktiv, lohnen sich aber längst nicht immer“, sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. „Oft lässt sich wesentlich mehr Geld dadurch sparen, dass man für jede Versicherung einzeln nach besonders günstigen Angeboten mit guten Leistungen sucht.“
Auch ein Garagenstellplatz bringt kaum finanzielle Vorteile. Zwar parkt das Auto witterungsgeschützt und oftmals diebstahlsicherer als auf der Straße, doch nur etwa jeder dritte Tarif berücksichtigt das. Im Schnitt bringt das einen Prozent Nachlass.
Und Familienrabatte? Auch hier gibt es keine spürbare Entlastung. Die verbreitete Vorstellung, dass Eltern mit minderjährigen Kindern weniger zahlen, weil sie vorsichtiger fahren, bestätigt sich nicht. Im Verivox-Modellfall ergibt sich kein durchschnittlicher Preisvorteil für Eltern. Nur wenige Versicherer gewährten in Ausnahmen bis zu fünf Prozent Ersparnis, umgerechnet auf den Beitrag rund 77 Euro Nachlass.
„Was viele Autofahrer als spürbare Sparfaktoren erwarten, hat für die Tarifkalkulation nur geringe Relevanz“, sagt Ziller. „Versicherer arbeiten heute mit sehr präzisen Risikomodellen. Entscheidend sind Daten wie die tatsächliche Schadenhistorie, die jährliche Fahrleistung und Schadenquoten der Region sowie des Fahrzeugs. Persönliche Lebensumstände sind für die Unfallwahrscheinlichkeit kein verlässlicher Indikator.“
Mehr Fahrpraxis und verbesserte Sicherheit punkten auch nicht
Wer beruflich oder privat einen weiteren Pkw nutzt und dadurch deutlich mehr Fahrpraxis sammelt, bekommt dafür im eigenen Kfz-Tarif keinen Preisvorteil. Der Golf-Fahrer zahlt exakt denselben Beitrag wie jemand ohne Zugriff auf ein weiteres Auto.
Ähnlich ernüchternd sieht es bei eigenem Bemühen um mehr Sicherheit aus. So verbessert etwa ein Fahrsicherheitstraining die Reaktionsfähigkeit und senkt Unfallrisiken. Trotzdem belohnt nur ein einziger der untersuchten Versicherer die Teilnahme am Training – dann immerhin mit zehn Prozent bzw. rund 159 Euro Nachlass.
Mitglieder eines Automobilclubs dürfen zwar auf einen Preisvorteil hoffen, doch einen pauschalen Nachlass auf die Kfz-Prämie gibt es nicht. Das bestätigen auch die Verivox-Modellrechnungen. Rabatte oder kostenfreie Extras wie zusätzliche Leistungsbausteine gibt es nur dann, wenn Versicherer eine konkrete Kooperation mit einem bestimmten Automobilclub haben.
„Wer wirkliche Entlastung sucht, sollte sich nicht auf kleinere Merkmale verlassen“, sagt Ziller. „Wichtiger ist, dass Angaben wie die jährliche Fahrleistung nicht zu hoch angesetzt sind, sowie ein aktueller Marktvergleich. In vielen Fällen finden Autofahrer Angebote, die weniger kosten und gleichzeitig identischen oder sogar besseren Schutz bieten. Das sorgt für die größten Ersparnisse.“
Methodik
Verivox hat die Preise für rund 400 Vollkaskotarife von 70 Kfz-Versicherern ausgewertet. Der Modellfall war ein 45-jähriger Fahrer eines ein Jahr alten VW Golf VIII 1.5 TSI in 12047 Berlin mit einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr und Schadenfreiheitsklasse 14.
Kfz-Rabatt-Illusion
Diese vermeintlichen Kostensenker bringen keinen echten Preisvorteil
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