Die Macht des Röntgenblicks in Kunst und Wissenschaft

Völklinger Hütte: Großausstellung „X-RAY“ im Welterbe der Industrialisierung



(djd). 130 Jahre ist es her, dass Wilhelm Conrad Röntgen am 8. November 1895 in seinem Würzburger Labor erstmals das bisher unbekannte Phänomen der „X-Strahlen“ entdeckte. Nur wenige Wochen danach verbreitete sich die bahnbrechende Entdeckung wie ein Lauffeuer um den Erdball und inspirierte nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sondern auch bildende Künstler, Musiker, Filmemacher und Karikaturisten. 

Wechselwirkungen mit Kunst und Kulturgeschichte


Dass diese Faszination bis heute ungebrochen ist, zeigt die Großausstellung „X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte bis zum 16. August, Informationen unter www.voelklinger-huette.org. Die Ausstellung widmet sich umfassend dem Phänomen der Röntgenstrahlen und den zahlreichen kulturellen und künstlerischen Aspekten des Röntgenblicks. Auf Basis des weiten Spektrums der Röntgentechnik vom ersten Röntgenbild bis hin zum aktuellsten Röntgen-Satelliten der Weltraumforschung beleuchtet die Schau insbesondere die kreativen Wechselwirkungen mit Kunst und Kulturgeschichte, Politik, Literatur und Architektur, Musik, Mode und Kino. Die Völklinger Hütte bietet mit ihrer beeindruckenden Gebläsehalle als Maschinenraum der Moderne den idealen Ort für den als Erlebnislandschaft gestalteten Ausstellungsparcours. 

Panorama der Moderne und Gegenwart in 18 Kapiteln

Der Parcours vereint eine Röntgen-Kapelle von Wim Delvoye ebenso wie ein transparentes Backstein-Labyrinth, einen Catwalk der Röntgen-Mode und ein Kino für X-Ray-Filme. Materialforschung und Sichttechnik finden sich ebenso wie Medizin und Molekularbiologie. In 18 Kapiteln entfaltet sich ein regelrechtes Panorama der Moderne und Gegenwart. 

Nach der Begrüßung durch eine eigens für die Schau realisierte Graphic-Novel-Bildfolge von Jens Harder zur Entdeckung und Frühzeit der Röntgentechnik treffen die Besucherinnen und Besucher auf eine Nachempfindung von Röntgens Forschungslabor. Der große Anteil der zweimaligen Nobelpreisträgerin Marie Curie am mobilen Einsatz der Röntgentechnik im Ersten Weltkrieg wird vorgestellt, auch Politik und Geschichte ist ein großes Kapitel gewidmet.

Folgen der Industriearbeit für den Menschen

In seinem Werk „Odem“ thematisiert der Künstler Christoph Brech die konkreten Folgen von Industriearbeit. Das eigens für die Gebläsehalle realisierte Rundbogenfenster zeigt Röntgenaufnahmen von Lungen – von Menschen, die einst in und um die Völklinger Hütte arbeiteten. Nicht wenige zeigen Anzeichen einer Staublunge oder eines Karzinoms. Das Fenster erinnert so eindringlich und exemplarisch an alle Menschen, die hier unter schwersten Bedingungen im Staub der Schornsteine und Sinteranlage gearbeitet haben.

Foto: djd/Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel

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