
Am 30. April 2026 eröffnete die Leipziger Stiftungsgalerie KK5 die Ausstellung „…aber war stets gut informiert.“ – Werkschau Neue Sorbische Kunst. Erstmals wird das kompromisslose Werk des Künstlers Bernhard Schipper in einer umfassenden Schau präsentiert. Sie führt drei Jahrzehnte seines Schaffens zusammen – von der radikalen Konzeptkunst der 1990er Jahre bis in die Gegenwart.
Im Zentrum der Ausstellung steht die von Schipper selbst so bezeichnete Praxis der „spekulativen Archäologie“: Er nutzt historische Artefakte der Ost-Moderne – etwa ein vierzig Jahre altes Schild oder hundert Jahre alte, verschimmelte Kreide – und montiert sie zu neuen Werken. Dabei entkoppelt er aufgeladene Begriffe wie „Heimat“ und „Identität“ von jeglicher „Ostalgie“. „Das Ding ist ja da. Diese ganzen Bestandteile sind da. Ich musste es tatsächlich nur ausgraben“, beschreibt Schipper seinen Arbeitsprozess.
Die Werkschau inszeniert sich als begehbare Ausgrabungsstätte jüngerer Geschichte: Mit der fiktiven Rekonstruktion einer 50 Jahre alten Künstlergruppe, der „Arbeitsgruppe Neue Sorbische Kunst“, lässt Schipper die Grenzen zwischen Dokumentation und erdachter Historie virtuos verschwimmen. Mit dieser Dekonstruktion ostdeutscher und sorbischer Mythen liefert der Künstler visuelle Codes von hoher Aktualität – anschlussfähig insbesondere für urbane Szenen und Subkulturen, nicht zuletzt im Kontext des zeitgleich in Leipzig stattfindenden Wave-Gotik Treffens.
Eine Ausstellung, die Vergangenheit nicht bewahrt, sondern neu verhandelt.
Galerie KK5
Käthe-Kollwitz-Straße 5
04109 Leipzig (Haltestelle Gottschedstraße)
Bild: Bernhard Schipper, Die Konstituierung der neuen Sorbischen Kunst, 1973
BERNHARD SCHIPPER „…ABER WAR STETS GUT INFORMIERT“
Ausstellung in der Galerie KK5
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