
(djd). Der Feierabend bricht an, doch die Wohnung ist still. Man möchte kurz von den Erlebnissen des Tages berichten, doch am anderen Ende der Leitung hebt niemand ab. Oder man sitzt beim Abendessen am Tisch, umringt von Bekannten, und spürt dennoch eine unsichtbare Mauer zu den anderen.
Viele kennen solche Momente. Sie zeigen: Einsamkeit ist eine universelle menschliche Erfahrung und ein sehr persönliches Gefühl. Es entsteht, wenn der Wunsch nach Verbundenheit und Zugehörigkeit unerfüllt bleibt.
Einsamkeit betrifft Menschen jeden Alters
Einsam zu sein ist aber nicht dasselbe wie allein zu sein. Es ist die schmerzhafte Lücke zwischen den sozialen Beziehungen, die wir haben, und denen, die wir uns wünschen. Das im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und vom Kompetenznetz Einsamkeit erarbeitete Einsamkeitsbarometer 2024 zeigt, dass Einsamkeit eine wachsende gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist. Mehr als elf Prozent der Befragten fühlten sich häufig einsam. Erstmals waren jüngere Erwachsene (18 bis 29 Jahre) ähnlich stark oder sogar stärker betroffen als Menschen über 75 Jahre.
Ursachen sind individuell
Besonders in Zeiten des Umbruchs ist das Risiko groß: Wenn junge Menschen fürs Studium in eine fremde Stadt ziehen, Eltern nach einer Trennung plötzlich alleinverantwortlich sind oder der Arbeitsalltag mit dem Renteneintritt endet. Armut, Arbeitslosigkeit und intensive Sorgearbeit, etwa bei der Pflege von Angehörigen, gehören auch zu den Ursachen. Dabei geht es oft um mehr als ein flüchtiges Gefühl, denn chronische Einsamkeit belastet die psychische und körperliche Gesundheit. Auch fürs gesellschaftliche Miteinander spielt das Thema eine große Rolle: Laut Einsamkeitsbarometer kann Einsamkeit sogar das Vertrauen in politische Institutionen schwächen.
Wege aus der Einsamkeit
Niemand aber muss mit diesem Gefühl allein bleiben, schon kleine Schritte können große Veränderungen bewirken. Orte und Möglichkeiten dafür sind unter www.kompetenznetz-einsamkeit.de/angebote zu finden. Die vom Bundesfamilienministerium initiierte Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ vom 22. bis 28. Juni will Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und Unterstützungsangebote sichtbar machen. Unter dem Motto „Gemeinsam was bewegen“ finden vielfältige Aktionen statt.
Ein Highlight ist ein Online-Tippspiel zur Fußball-WM, das Gemeinschaft und Austausch fördert. Im Zentrum der Auftaktkonferenz zur Aktionswoche steht der Kick-off der „Allianz gegen Einsamkeit“: ein Bündnis aus Gesellschaft und Politik, das Aktivitäten zur Bekämpfung von Einsamkeit auf breiter gesellschaftlicher Ebene verankern soll.
Foto: djd/BMBFSFJ/Getty Images/MementoJpeg
Raus aus dem Tabu: Einsamkeit verstehen – und überwinden
Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ vom 22. bis 28. Juni 2026
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