Zöliakie?!

Wie man die Glutenunverträglichkeit erkennt




Bei einer Zöliakie reagieren Betroffene empfindlich auf Gluten. Gluten ist ein Eiweiß, das in verschiedenen Getreiden vorkommt. Da eine Glutenunverträglichkeit sehr unterschiedliche Symptome auslösen kann, leiden Menschen mit Zöliakie oft eine lange Zeit, bevor sie die tatsächliche Diagnose erhalten.

Etwa ein Prozent der Menschen in Deutschland leidet unter der Glutenunverträglichkeit Zöliakie. Bei ihnen reagiert das Immunsystem überempfindlich auf das eigentlich harmlose Klebereiweiß Gluten. Es kann zu einer Entzündung der Schleimhaut des Dünndarms kommen, was dann Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen auslöst.

Gluten ist ein Gemisch verschiedener Eiweiße, das in den Körnern von Getreidesorten wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommt. Es ist aber auch in den Kreuzungen dieser Getreide enthalten, etwa in Dinkel, Grünkern, Emmer oder Einkorn.

Was passiert bei einer Zöliakie?

Die körperlichen Probleme bei einer Zöliakie entstehen im Dünndarm der Betroffenen. Normalerweise werden über dessen Schleimhaut Bestandteile der Nahrung in den Körper aufgenommen.

Bei Menschen, die an einer Zöliakie leiden, löst das Gluten eine Autoimmunreaktion aus, die zur Entzündung und Schädigung der Dünndarmschleimhaut führt. Die üblicherweise lang aufgefalteten Darmzotten auf der Schleimhaut sind infolgedessen verkürzt oder fehlen ganz. Dadurch kommt es zu Problemen bei der Nährstoffaufnahme, was sich auf verschiedene Art äußern kann.

Welche Symptome zeigt eine Zöliakie?

Glutenhaltige Lebensmittel lösen bei den Betroffenen sehr unterschiedliche Symptome aus, was die Diagnosestellung erschwert. Die Erscheinungsformen reichen von Durchfall, Bauchschmerzen und Blähungen über Kopf-, Muskelschmerzen und wiederkehrende Aphthen im Mund bis hin zu Gelenkbeschwerden und anhaltender Müdigkeit.

Nimmt der Körper der Erkrankten infolge der Zöliakie nicht ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente wie Eisen auf, kann es außerdem zu Blutarmut, verminderter Knochendichte (Osteoporose) und Gewichtsverlust kommen.

Wie entsteht Zöliakie?

Jeder hundertste Deutsche leidet unter Glutenunverträglichkeit, Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer. Grundsätzlich kann eine Zöliakie in jedem Lebensalter auftreten. Häufig wird sie allerdings in zwei Altersgruppen festgestellt. Das sind zum einen Kinder zwischen acht und zwölf Monaten, also die Lebensphase, in der sie auf feste Nahrung umgestellt werden, die natürlich auch Gluten enthalten kann. Zum anderen sind dies Erwachsene zwischen 40 und 60 Jahren.

Bestimmte Risikofaktoren für Zöliakie wurden identifiziert. Das Vorhandensein bestimmter Erbmerkmale erhöht das Risiko ebenso wie das Vorliegen einer Glutenunverträglichkeit bei Verwandten ersten oder zweiten Grades und auch bestimmte Krankheiten. Das betrifft Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 1 und rheumatoide Arthritis, die Schilddrüsenerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow oder genetische Syndrome wie Trisomie-21. Menschen mit einem dadurch erhöhten Risiko sollten sich unbedingt auf die Erkrankung testen lassen.

Wie wird Zöliakie diagnostiziert?

Beim Test wird Blut entnommen und auf Antikörper gegen ein bestimmtes Enzym (Gewebstransglutaminase) untersucht. Fällt der Test positiv aus, wird anschließend eine Gewebeprobe bei einer Magenspiegelung aus dem Dünndarm entnommen.

Um die Diagnose abzusichern, untersucht Ärztin oder Arzt das Vorhandensein häufiger Begleiterscheinungen von Zöliakie wie Gelenkbeschwerden, Laktoseunverträglichheit oder Unfruchtbarkeit. Dafür werden bei einer weiteren Blutentnahme die Werte von Eisen, Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin D sowie die Schilddrüsen- und Leberwerte bestimmt.

Wichtig: Um die Ergebnisse der Untersuchung nicht zu verfälschen, sollten Betroffene nicht während der Diagnose eigenmächtig eine glutenfreie Ernährung beginnen, weil sich dadurch die Antikörperwerte wieder normalisieren würden.

Folgeerkrankungen einer Zöliakie


Eine nicht diagnostizierte Glutenunverträglichkeit kann eine Reihe unangenehmer Folgen nach sich ziehen. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine unbehandelte Zöliakie sich bei Kindern und Jugendlichen ungünstig auf das Wachstum und die Qualität der Knochen auswirkt.

Bei Erwachsenen können Komplikationen wie Zahnschmelzdefekte, Kleinwuchs oder eine Leberschädigung auftreten. Auch erhöht eine unbehandelte Zöliakie das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Dazu zählt unter anderem eine bestimmte Form des Lymphdrüsenkrebs (Lymphom) und Dünndarmkrebs. Das Risiko nimmt bei glutenfreier Ernährung wieder ab, bleibt für Lymphome aber erhöht. Diese Krebserkrankungen sind jedoch selten, sodass das Risiko zu erkranken gering ist.

Eine sehr seltene Komplikation, die meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auftritt, ist die sogenannte refraktäre Zöliakie. Dabei bleiben trotz strikt glutenfreier Ernährung die Auffälligkeiten im Dünndarm bestehen. Hinweise auf das Vorliegen dieser Erkrankung liefern unter anderem Symptome wie Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß.

Wie kann man Zöliakie behandeln?

Eine Heilung von der Zöliakie gibt es leider nicht. Doch lässt sich die Krankheit mit einer strikt glutenfreien Ernährung gut behandeln. Auch wenn dabei phasenweise keine Symptome auftreten, sollten Betroffene unbedingt auf Gluten verzichten.

Es empfiehlt sich eine individuelle Ernährungsberatung, bei der Menschen mit Zöliakie lernen, Gluten zu vermeiden. Bei entsprechender ärztlicher Bescheinigung beteiligen sich oft die Krankenkassen an den Kosten dafür. Ab Beginn der glutenfreien Ernährung finden auch regelmäßige ärztliche Kontrollen statt, bei denen Beschwerden abgefragt und per Blutuntersuchung die Antikörper überprüft werden.

In welchen Lebensmitteln ist Gluten enthalten?

Gluten ist in den Getreidesorten Weizen, Roggen und Gerste enthalten sowie in den Kreuzungen und Züchtungen daraus, also: Dinkel, Einkorn, Emmer, Grünkern, Hartweizen (Durum), Khorasan-Weizen, Triticale, Tritordeum und Urkorn.

Häufig verbirgt sich Gluten aber auch in Zutaten wie Bulgur, Couscous, Emulgatoren, Geschmacksverstärkern, Getreideflocken, Graupen, Grieß, Mehl, Müsli, Paniermehl, Stabilisatoren, Stärke und Verdickungsmitteln.

Auch verarbeitete Lebensmittel wie Brotaufstriche, Chips, Eis, Fertigsoßen und -suppen, Gewürzmischungen, Ketchup, Knabberzeug, Produkte mit Malz, Puddingpulver, Schokolade, Sojasoße und Wurstwaren können Gluten enthalten. Vorsichtig sollten Menschen mit Zöliakie mit Light-Produkten sein, in diesen wird gelegentlich das Klebereiweiß Gluten als Stabilisator verwendet.

Auch Pommes frites bestehen oft nicht nur aus Kartoffeln, sondern enthalten auch Paniermehl. Und natürlich enthält auch Bier, als Produkt aus Gerste, Gluten.

Ernährung bei Glutenunverträglichkeit


Menschen mit Zöliakie sollten Gluten strikt meiden. Schon kleine Mengen können die Entzündung im Dünndarm befeuern und die Symptome auslösen. Zahlreiche Getreidearten und andere Zutaten sind glutenfrei und können problemlos konsumiert werde.

Das sind zum Beispiel:
- Hirse
- Reis und Wildreis
--- Achtung: Eine einseitige Ausrichtung auf Reis ist nicht empfehlenswert da dieser mit Schwermetallen belastet sein kann.
-  Mais
- Hafer mit der Kennzeichnung „glutenfrei“
- Amaranth
- Quinoa
- Buchweizen
- Hanf
- Kartoffeln
- Hülsenfrüchte
- Kichererbsen
- Soja
- Chiasamen
- Leinsamen
- Nussmehle

Generell sollten Betroffene auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln achten. Gluten muss auf den Verpackungen ausgewiesen sein. Allerdings gilt das zum Beispiel nicht für Glukose und Maltodextrine auf Weizenbasis oder Glukosesirup auf Gerstenbasis.

Mit „glutenfrei“ werden in der Regel Lebensmittel gekennzeichnet, die weniger als zwei Milligramm Gluten pro 100 Gramm enthalten. Diese Glutenmenge gilt als unproblematisch. Außerdem vergibt die Deutsche Zöliakiegesellschaft ein Qualitätssiegel an geprüfte Produkte, das im Logo eine durchgestrichene Ähre zeigt.

Vorsicht vor Kontamination

Da schon geringe Mengen von Gluten Symptome auslösen können, sollten Menschen mit Zöliakie auch auf Verunreinigungen eigentlich glutenfreier Nahrung achten. Das kann einerseits der Fall sein, wenn glutenfreie Lebensmittel in der Herstellung, Lagerung oder Verpackung mit Gluten kontaminiert werden.

Das andere Risiko lauert in der Zubereitung, wenn etwa Betroffene mit Menschen zusammenleben, die Gluten vertragen. Dann sollte bei gemeinsam genutzten Küchengeräten allerhöchste Hygiene gelten beziehungsweise sollten Messer, Schneidebrett, Backbleche und Co., Marmeladen, Butter und auch Streichkäse getrennt benutzt werden.

Quelle: gesundheit.de

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