Der edle Akt. Porzellan und Erotik

Körper, Klischees und Konventionen



Welche Körper sind es wert, verewigt zu werden? Und wer entscheidet das? Die aktuelle Sonderausstellung "Der edle Akt. Porzellan und Erotik" im Museum Schloss Fürstenberg zeigt, wie europäisches Porzellan seit 300 Jahren widerspiegelt, was die Gesellschaft bewegt: Schönheitsideale, Machtverhältnisse, Geschlechtercodes, Rollenerwartungen.



Aktdarstellungen aus der frühen Zeit der europäischen Porzellanproduktion zeigen nackte Körper meist eingebettet in mythologische oder allegorische Erzählungen. Dabei dominieren normschöne, weiße Menschen und binäre Geschlechterrollen. Nicht-weiße und andersartig markierte Körper werden dagegen als „Exoten" oder „Grotesken“ oft herabwürdigend inszeniert. Das Museum Schloss Fürstenberg zeigt solche diskriminierenden Darstellungen bewusst kritisch. 



Porzellan war lange ein seriell gefertigtes Produkt von Manufakturen für einen breiten Markt und bediente daher gesellschaftliche Erwartungen. Dank technischer Entwicklungen kann Porzellan seit dem späten 20. Jahrhundert im Atelier in kleinen Serien und unikativ verwendet werden. Dadurch gibt es neue Möglichkeiten: Künstler*innen erkunden nun Queerness, Camp-Ästhetik und Diversität. Die Ausstellung "Der edle Akt. Porzellan und Erotik" lädt dazu ein, den Reiz der Körperdarstellungen zu entdecken und zugleich zu hinterfragen.



Die Sonderausstellung ist bis zum 20. Dezember 2026 zu sehen. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Aufführungen, Lesungen, Konzerten, einem queeren Poetry Slam am 5. September und weiteren Formaten. Damit steht die gesamte Museumssaison 2026 im Zeichen der Ausstellung und eröffnet immer wieder neue, spannende Perspektiven auf das Thema.     

Fotos: Maria Athens, Claudia Warneke

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