Spritpreis-Lösungen zwischen Ölkrise und politischen Debatten

AvD fordert faire Preise und bezahlbare Mobilität



Die Spritpreise bleiben für Autofahrer ein erhebliches Kostenrisiko. In der vergangenen Woche lag Deutschland beim Super E10 mit rund 2,26 Euro je Liter sowie Diesel mit durchschnittlich 2,33 Euro je Liter deutlich über dem EU-Schnitt. 

Seit dem Wochenende hat nun vor allem der Dieselpreis erneut deutlich zugelegt und lag laut Angaben der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe am Montag bundesweit schon bei 2,41 Euro je Liter. Daraufhin ist eine politische Debatte entbrannt, wie die Kosten einzudämmen wären. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) erläutert die unterschiedlichen Standpunkte und verweist auf längst geforderte Maßnahmen für eine bezahlbare Mobilität.

Wie weit die Preise noch steigen können, lässt sich derzeit kaum seriös beziffern. Entscheidend sind vor allem die geopolitische Lage, die Entwicklung des Ölangebots bzw. fehlende Kapazitäten aufgrund der kriegerischen Zerstörung von Raffinerien sowie die Transportwege. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2026 einen Rückgang des weltweiten Ölangebots um 5,7 Millionen Barrel pro Tag, während die Normalisierung der Golfproduktion erst 2027 erwartet wird. Unabhängig vom Rohöl kommt dann noch die Knappheit des fertig raffinierten Produkts wie Diesel, welcher in Deutschland vor allem importiert wird. Hierbei spielt die gegenseitige Zerstörung im Russland-Ukraine-Konflikt eine große Rolle. Insgesamt spricht das kurzfristig eher für weiteren Preisdruck, zugleich könnte eine Entspannung im Nahen Osten die Preise wieder deutlich drücken.

Politik unentschlossen

Die politischen Vorstellungen gehen teils deutlich auseinander. CSU-Chef Markus Söder nannte als mögliche Lösung das Vorgehen in Österreich, wo die staatlichen Mehreinnahmen durch die gestiegenen Preise an die Bürger zurückgegeben werden. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) setzt dagegen vor allem auf Entlastungen bestimmter Verbraucher, wie eine Anhebung der Pendlerpauschale und direkte Finanzhilfen für niedrige Einkommensgruppen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will außergewöhnliche Krisengewinne der Energiekonzerne abschöpfen und setzt sich für einen befristeten Preisdeckel nach dem Vorbild von Belgien und Luxemburg ein. Der Grünenvorsitzende Felix Banaszak fordert ebenfalls die Abschöpfung der Übergewinne der Mineralölkonzerne und will dies etwa für ein vergünstigtes Deutschlandticket einsetzen.

Warum der Preis an der deutschen Zapfsäule so hoch ist, hat allerdings nicht nur mit dem Rohölpreis zu tun. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt neben Beschaffung, Raffinerie, Transport und Vertrieb insbesondere Energiesteuer, Umsatzsteuer und CO₂-Kosten als Bestandteile des Kraftstoffpreises. Die Energiesteuer (Mineralöl- und Ökosteuer) beträgt regulär 65,5 Cent je Liter Super E10 und 47 Cent je Liter Diesel. Hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den gesamten Endpreis. Der CO₂-Preis liegt 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, was rund 16 Cent je Liter Super E10 beziehungsweise etwa 17 Cent bei Diesel ausmachen kann.

Hohe Steuern und Abgaben


Der staatliche Anteil am Spritpreis macht damit aktuell bei Super E10 mehr als die Hälfte aus (rund 1,20 Euro beim Literpreis von 2,29 Euro). Beim Diesel sind es über 40 Prozent der Kosten an der Zapfsäule (mehr als 1 Euro beim Literpreis von 2,41 Euro). Deutschland gehört damit beim Tanken zu den teureren EU-Ländern, wobei die Netto-Tankstellenpreise laut Wirtschaftsverband Fuels und Energie weit unter dem europäischen Durchschnitt liegen. Hier sollte die Politik darüber nachdenken, die gestiegenen staatlichen Einnahmen den Bürgern zurückzugeben, etwa durch eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer oder der CO2-Abgabe.

Aus Verbrauchersicht muss deshalb vor allem bezahlbare Mobilität das Ziel sein. Der AvD fordert einen Mix aus kurzfristiger Entlastung und dauerhaften strukturellen Maßnahmen. Hierzu sollten eine temporäre Senkung staatlicher Abgaben, mehr Transparenz bei der Preisbildung und eine konsequente Wettbewerbsaufsicht zählen. Bei außergewöhnlichen Krisengewinnen wie zuletzt ist auch eine Übergewinnsteuer sinnvoll, deren Einnahmen den Verbrauchern zugutekommen sollten.

AvD Präsident Lutz Leif Linden: „Bezahlbare Mobilität darf nicht zum Spielball überhöhter Gewinninteressen werden. Die Politik muss die Verbraucher jetzt spürbar entlasten und gleichzeitig für fairen Wettbewerb sorgen. Dazu gehören mehr Transparenz bei der Preisbildung, eine konsequente Wettbewerbsaufsicht, die Abschöpfung außergewöhnlicher Krisengewinne sowie die vorübergehende Senkung oder Aussetzung staatlicher Abgaben. Die Entlastung muss bei den Autofahrern ankommen!“ 

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