
Bei Elektromobilität konzentriert sich die öffentliche Diskussion meist auf Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preis der Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur. Diese Sicht greift zu kurz.
Der Global Electric Mobility Readiness Index 2026 (GEMRIX) von Arthur D. Little zeigt: Für echte Marktreife entscheidet das Zusammenspiel des gesamten Ökosystems. China und Norwegen haben als erste Märkte Parität zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennern erreicht. Deutschland liegt auf Rang 6.
Die dritte GEMRIX-Ausgabe untersucht 31 Märkte anhand von fünf Dimensionen und 46 Datenpunkten je Land: makroökonomische Faktoren, EV-Markt und Wettbewerb, Kundenreife, öffentliche Ladeinfrastruktur sowie Total Cost of Ownership und Regulierung. Ein Score von 100 markiert breite Marktreife-Parität zwischen EVs und Verbrennern.
Die Studie zeigt drei zentrale Entwicklungen:
Die Spitzengruppe der Märkte bleibt klein. China (106) und Norwegen (103) liegen als einzige Märkte über 100; Singapur (96) und die Niederlande (90) folgen. Nachhaltige EV-Adoption entsteht durch das Zusammenspiel der Marktbedingungen – nicht durch einzelne Erfolgsfaktoren.
Die Transformation verläuft auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Europa gewinnt wieder an Dynamik, während Märkte wie die Türkei, Thailand, Vietnam, Indonesien und Brasilien durch erschwingliche Fahrzeuge, Infrastrukturaufbau, Industriepolitik und lokale Champions vorankommen. BEVs skalieren nicht überall gleich schnell; PHEVs und Range-Extender spielen in mehreren Märkten eine wichtige Brückenrolle.
Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich zunehmend jenseits des Fahrzeugs. China setzt Maßstäbe, weil Fahrzeugtechnologie, Produktion, Batterie- und Komponentenlieferketten, Software, Ladeinfrastruktur, Energieökonomie und Regulierung ineinandergreifen. Die Expansion chinesischer OEMs zeigt, dass Ökosystem-Kompetenz, Erschwinglichkeit und Geschwindigkeit etablierte Markenstärke überwiegen können.
Mit einem GEMRIX-Score von 87, 30 % EV Sales-Anteil im Jahr 2025 und 35 % im ersten Halbjahr 2026 scheint Deutschland die Volumendelle von 2024 hinter sich zu lassen. Treiber sind der Ausbau der Ladeinfrastruktur, insbesondere des Schnellladenetzes, neue Modelle in relevanten Volumensegmenten sowie die steuerliche Attraktivität elektrischer Dienstwagen – ein zentraler Hebel, da Firmen- und Dienstwagen knapp zwei Drittel des deutschen Pkw-Neuwagenmarkts ausmachen.
Die Länderprofile zeigen: Marktgröße allein schafft keine EV-Reife. Die USA (Platz 25) und Japan (23) bleiben trotz ihrer Größe zurück. Kleinere Märkte wie Singapur, die Niederlande, Österreich und Hongkong schneiden deutlich besser ab, weil Infrastruktur, Regulierung, Produktangebot und Kundenökonomie stärker ineinandergreifen.
Die stärkste Dynamik zeigt sich im Mittelfeld: Die Türkei, Thailand und Vietnam entwickeln sich dank erschwinglicher Fahrzeuge, wachsender Ladeabdeckung, gezielter Förderung und aktiver Industriepolitik besonders schnell.
Dr. Philipp Seidel, Principal in der Automotive & Manufacturing Goods Practice von Arthur D. Little, kommentiert: „Der Wettbewerb um Elektromobilität ist längst kein reiner Fahrzeugwettbewerb mehr. China zeigt, wie ein globaler Leitmarkt entsteht, wenn Entwicklung und Produkt, Lieferketten, Infrastruktur, Energie und Regulierung als ein System zusammenspielen.“
Alexander Krug, Partner bei Arthur D. Little, ergänzt: „Die Welt wird weder in einem einheitlichen Tempo noch über einen einzigen Pfad elektrifiziert. Erfolgreich werden die Akteure sein, die die Logik der einzelnen Märkte verstehen und handeln, bevor die Chance für alle offensichtlich wird.“
Nicola Borgo, Manager bei Arthur D. Little, sagt: „Chinesische OEMs prägen globale Märkte zunehmend nicht nur mit Fahrzeugexporten, sondern auch durch lokale Produktion, Partnerschaften und den Aufbau eigener EV-Ökosysteme.“
GEMRIX 2026: Vom Fahrzeug zum Ökosystem – China setzt den Maßstab für Elektromobilität
Deutschland erreicht Rang 6
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