
Beim Gebrauchtwagenkauf galt lange eine einfache Faustregel: Wer viel fährt, kauft einen Diesel. Der günstigere Kraftstoff glich den meist höheren Kaufpreis und die höhere Kfz-Steuer aus. Doch diese Rechnung geht für viele Autofahrer nicht mehr auf – daran ändert auch der Tankrabatt nichts, der seit dem 1. Oktober gilt.
Das IT-Datenunternehmen carVertical hat untersucht, wie sich das Interesse der Gebrauchtwagenkäufer in Deutschland auf die verschiedenen Antriebsarten verteilt – und wie stark es sich innerhalb eines Jahres verschoben hat.
Benziner überholen den Diesel
Von Januar bis September 2026 entfiel gut die Hälfte (50,1 Prozent) aller Fahrzeugprüfungen, die carVertical-Nutzer in Deutschland durchführten, auf Benziner. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 39,6 Prozent. Damals lag der Diesel mit 58,3 Prozent klar vorn – inzwischen kommt er nur noch auf 46,2 Prozent.
Damit büßt der Diesel innerhalb eines Jahres 12,1 Prozentpunkte ein, der Benziner gewinnt 10,5 Prozentpunkte hinzu. Elektroautos bleiben auf dem Gebrauchtwagenmarkt eine Nische, ihr Anteil hat sich aber fast verdoppelt: von 1,3 auf 2,3 Prozent. Da Käufer ein Fahrzeug in der Regel vor dem Kauf prüfen, zeigen die Daten, wohin sich das Kaufinteresse verschiebt.
Benzin: 39,6 % (2025) → 50,1 % (2026) | +10,5 Prozentpunkte
Diesel: 58,3 % (2025) → 46,2 % (2026) | −12,1 Prozentpunkte
Elektro: 1,3 % (2025) → 2,3 % (2026) | +1,0 Prozentpunkte
Zeitraum: jeweils Januar bis September. Anteil an allen von carVertical-Nutzern in Deutschland überprüften Fahrzeugen. Differenz zu 100 Prozent: sonstige Antriebe.
An der Zapfsäule ist Diesel inzwischen teurer als Benzin
Als wesentlichen Grund für den Wandel sieht carVertical die Entwicklung der Kraftstoffpreise. Der klassische Preisvorteil des Diesels hat sich ins Gegenteil verkehrt: 2025 kostete ein Liter Diesel laut ADAC im Jahresschnitt 1,61 Euro und damit acht Cent weniger als Super E10 (1,69 Euro). Im August 2026 lag Diesel mit durchschnittlich 2,223 Euro dagegen acht Cent über E10 (2,145 Euro) – obwohl er rund 18 Cent je Liter niedriger besteuert ist.
Seit 2025 hat sich Diesel damit um rund 38 Prozent verteuert, Benzin um rund 27 Prozent. Der ADAC führt das unter anderem auf die hohe Importabhängigkeit beim Diesel zurück, die ihn anfälliger für Krisen im Nahen Osten macht.
Tankrabatt ändert nichts am Abstand
Seit dem 1. Oktober senkt der Staat befristet bis zum 31. Dezember 2026 die Energiesteuer um rund 14 Cent je Liter, inklusive Mehrwertsteuer sind das knapp 17 Cent. Weil Diesel und Benzin um denselben Betrag entlastet werden, bleibt der Preisabstand zwischen beiden Kraftstoffen bestehen. Zum Start des Tankrabatts kostete Diesel laut ADAC im Tagesdurchschnitt 2,262 Euro je Liter, Super E10 2,114 Euro. Zum Start des Tankrabatts lag der Preisabstand damit bei rund 15 Cent.
„Jahrelang galt: Wer viel fährt, kauft Diesel. Heute ist die Rechnung jedoch individueller. Die jährliche Fahrleistung, die Kfz-Steuer und die Wartungskosten spielen dabei eine Rolle. Gerade jetzt fallen auch die steigenden Kraftstoffkosten ins Gewicht, da Diesel an der Zapfsäule inzwischen teurer ist als Benzin. Genau das sehen wir in unseren Daten: Die Menschen rechnen genauer nach und entscheiden sich häufiger für einen Benziner“, sagt Sascha Paaß, Executive Automotive Expert Germany bei carVertical. „Ein Tankrabatt für drei Monate ändert daran wenig. Wer ein Auto kauft, plant für mehrere Jahre – und da zählt der Preisunterschied an der Zapfsäule, nicht die befristete Entlastung.“
Weniger junge Diesel auf dem Gebrauchtwagenmarkt
Hinzu kommt ein struktureller Effekt: Mit den verschärften Umweltanforderungen für Fahrzeughersteller ist der Dieselanteil bei den Neuzulassungen in Deutschland stark gesunken. Diese Jahrgänge kommen nun nach und nach auf den Gebrauchtwagenmarkt – junge Gebrauchte sind daher immer häufiger Benziner Höhere Kfz-Steuer und Wartungskosten, etwa für AdBlue und Partikelfilter, machen den Diesel zudem vor allem für Wenig- und Kurzstreckenfahrer unattraktiv.
„Wer heute einen gebrauchten Diesel kauft, sollte die Gesamtkosten genau durchrechnen: Kraftstoff, Steuer, Wartung und mögliche Reparaturen an Partikelfilter oder Abgasrückführung. Gerade für Fahrer, die weniger Kilometer zurücklegen, kann ein Benziner die wirtschaftlichere Wahl sein. Gleichzeitig wird der Gebrauchtmarkt für Elektroautos langsam relevant. Der Anteil ist noch klein, wächst aber spürbar“, erklärt Paaß.
Unabhängig von der Antriebsart sollten Käufer vor dem Kauf die Historie eines Fahrzeugs prüfen. Ein Fahrzeughistorienbericht zeigt anhand der Fahrgestellnummer, ob der Kilometerstand plausibel ist, ob Unfallschäden registriert wurden oder ob das Auto importiert wurde. So lassen sich mehrere Fahrzeuge miteinander vergleichen und teure Fehlkäufe vermeiden.
Quelle: carVertical
Diesel bleibt auch mit Tankrabatt teurer als Benzin
Benziner sind jetzt die meistgeprüften Gebrauchtwagen in Deutschland
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