Wenn Pornos die Sexualität bestimmen

Sexologin Beatrix Roidinger sieht Pornokonsum hinter fast jedem Sexproblem



Pornografie ist für die meisten Männer seit der Jugend das wichtigste Drehbuch für Sexualität. Fast die Hälfte der 11- bis 17-Jährigen in Deutschland hat laut einer Befragung der Landesanstalt für Medien NRW  von 2025 bereits Pornos gesehen, mehr als die Hälfte davon vor dem 14. Geburtstag. Wer heute zum ersten Mal mit einem Menschen intim wird, hat oft Jahre vor dem Bildschirm hinter sich. 

„Wegen Pornos kommt zunächst kaum jemand zu uns“, sagt die Institutsleiterin, die seit mehr als 10 Jahren mit Männern arbeitet. „Sie kommen, weil die Erektion nicht hält, weil sie zu früh ejakulieren oder weil die Lust weg ist. Oft geht es um ein Erregungssystem, das über Jahre am Bildschirm trainiert wurde. Wenn er den Bildschirm als einzige verlässliche Erregungsquelle erlebt, hat er ein Problem. Es belastet seine Sexualität und, sofern vorhanden, seine Beziehung.“

Dem Zwang ins Auge schauen

Dauerhafter Pornokonsum hat seelische und körperliche Auswirkungen: „Beim Masturbieren vor dem Bildschirm entstehen spezifische Muster aus Griffstärke, Tempo, Körperspannung und visuellen Reizen. Beim Sex mit einer Partnerin fehlen diese gewohnten Stimuli“, erläutert Roidinger aus der Praxis. Nachlassende Erektionen, Orgasmusschwierigkeiten oder vorzeitiger Samenerguss folgen, seelisch schotten die einsamen Erlebnisse von den eigenen Gefühlen ab. Ein wachsendes Schuldbewusstsein erschwert das offene Gespräch mit der Partnerin. 

Verhaltensmuster erkennen und verändern


Pornokonsum erfüllt unterschiedliche Funktionen. Er reguliert Stress, überbrückt Einsamkeit, vertreibt Langeweile und bietet schnelle Erregung. „Der gut gemeinte Ratschlag ‚Reiß dich mal zusammen!‘“ greift viel zu kurz“, gibt die klinische Sexologin zu bedenken. Im Zentrum ihrer Arbeit steht nicht der Verzicht. Sie setzt darauf zu verstehen, in welcher Situation sich das Bedürfnis regt, und gibt Übungen aus der Verhaltenstherapie. „Jedes Mal, wenn wir etwas lernen, verändert sich das Gehirn. Das gilt fürs Klavierspielen genauso wie für Pornos. Das Gehirn ist neuroplastisch und bleibt bis ins hohe Alter formbar. Deswegen kann man sein Erregungssystem neu lernen.“

Anders masturbieren ist der Schlüssel

Roidinger empfiehlt, Masturbation anders und ohne Pornos zu gestalten: langsamer, achtsamer, variantenreicher. Es geht nicht um Pornoabstinenz um ihrer selbst willen, sondern um eine Sexualität, die der Mann selbst steuert, die ihn befriedigt und die mit einem Menschen funktioniert. Wer das vor Augen hat, hält durch, wenn der Impuls kommt. Ab November überträgt Best Lover diesen Ansatz auf „Best Lover RESET“, ein dreimonatiges Programm mit Videolektionen, Übungen und einem KI-Coach, der Männer genau in dem Moment begleitet, in dem sie sonst zum Handy greifen würden. Erste Informationen liefert www.best-lover.de/reset. 

 Best Lover – Institut für männliche Sexualität

„Sex kann man lernen“ – dieses Wissen vermittelt Beatrix Roidinger (Foto)in ihrem Institut für männliche Sexualität Best Lover mit Sitz in Wien. Ein multidisziplinär aufgestelltes, 11-köpfiges Team führt Männer mit sexuellen Problemen (Erektionsprobleme, vorzeitiger Samenerguss und Orgasmushemmungen sowie Pornosucht) zu einer erfüllenden Sexualität. Ausschlag für die Firmengründung im Jahr 2020 gab die Erfahrungen aus der Paar- und Sexualberatung, dass Männer mit sexuellen Themen seltener klassische Beratungsangebote wahrnehmen. Daraus entstand ein skalierbarer Ansatz, der persönliche Beratung mit digitalen Lerninhalten, Übungen und weiteren Formaten verbindet. Im Mai 2026 veröffentlichte das Institut mit Best Lover CONTROL die erste Künstliche Intelligenz im Bereich Sexualberatung zum Thema Vorzeitiger Samenerguss im deutschsprachigen Raum.

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