Von Autos in Streichholzschachteln, verborgenen Dimensionen und zwitschernden Tonvögeln

Luxemburgs ungewöhnlichste Museen



Spielkarten, Tonpfeifen, Pferdestärken und Schieferplatten: Luxemburgs Museen sind alles andere als Standard. Sie beschäftigen sich mit Strom aus dem Akku, Matchbox-Autos oder mit skurrilen Phänomenen der Physik. 

Manche sind landesweit bekannt, manche nur für Kenner und nach vorheriger Anmeldung geöffnet, und wieder andere sind das Lebenswerk passionierter Sammler. Was sie verbindet: Besucher schauen nicht nur zu, sondern dürfen drucken, töpfern, schrauben und experimentieren. Zehn Museen, zehnmal Spaß für Groß und Klein – von der Hauptstadt über den Süden bis an die Mosel und zu den Ardennen.

Luxembourg Science Center, Differdingen

Ein Auto mit einer Hand anheben, mit einem Roboter Tischfußball spielen oder zusehen, wie Stahl in Sekunden schmilzt: Im Luxembourg Science Center im Süden Luxemburgs ist Anfassen ausdrücklich erwünscht. Das Entdeckungszentrum widmet sich der Physik sowie den Naturwissenschaften und richtet sich an alle Altersgruppen. Mehr als 100 interaktive Stationen laden zum Ausprobieren ein. Die Themen reichen von Mechanik, Elektrizität und Optik über Chemie und Mathematik bis hin zum planetaren System. Dazu kommen spektakuläre Science-Shows und tägliche Workshops, darunter ein Küchenlabor, in dem man sich die Wissenschaft quasi auf der Zunge zergehen lässt. Der Besuch lohnt sich für Familien genauso wie für Erwachsene. Verblüffende Entdeckungen und Aha-Erlebnisse garantiert!

Tramsmusée, Luxemburg-Stadt

Luxemburgs moderne Tram ist der ganze Stolz des Großherzogtums. Und sie blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn bereits 1875 transportierte die erste Straßenbahn – damals noch mit Pferdestärken betrieben – ihre Passagiere durch die Stadt. Das „Tramsmusée“ hält die Geschichte der Luxemburger Tram bis heute lebendig. Zu sehen sind unter anderem restaurierte Triebwagen, eine originalgetreu nachgebaute Pferdebahn, Schaffneruniformen, originale Fahrkarten und Stechuhren sowie ein historisches Ford-Fahrzeug, mit dem einst die Oberleitungen gewartet wurden. Besonders charmant sind die Modelle im Maßstab 1:8, die in den Werkstätten der Verkehrsbetriebe, anlässlich der Jahrtausendfeier der Stadt Luxemburg angefertigt wurden. Bei einer Führung lässt sich außerdem entdecken, wie das Räderwerk eines laufenden Motors funktioniert.

Matchbox-Museum, Hinkel

Rund 23.700 Modellautos in Streichholzschachtel-Größe hat Jean Birsens seit 1980 gesammelt. Seine Schätze kann man in Hinkel in seinem eigenen privaten Museum bestaunen. Die Sammlung umfasst Matchbox-Modelle aus den Jahren 1947 bis 2023, von frühen Lesney-Serien bis zu den „Models of Yesteryear“, teils noch in ihren Originalverpackungen. Birsens Frau Meg hat ebenfalls die Sammlerleidenschaft gepackt: Sie hortet knapp 2.000 Blechdosen aus den Jahren 1880 bis 1950, am liebsten Keksdosen in Figurenform bekannter Marken wie Huntley & Palmers oder Stollwerck. Außerdem stehen Vintage-Barbie-Puppen in den Vitrinen. Das Ganze ist Sammlerleidenschaft in Reinform. Wichtig zu wissen: Besichtigungen sind nur nach Anmeldung möglich.

Tudor-Museum, Rosport

Wer hat’s erfunden? Beim Tudor-Museum dreht sich alles um Strom und Akkus. Die haben wir nämlich einem Luxemburger zu verdanken, und zwar dem Ingenieur und Erfinder Henri Tudor. Im 19. Jahrhundert leistete er Pionierarbeit bei der Stromspeicherung und beschäftigte sich unter anderem mit Blei-Säure-Akkumulatoren, den Vorläufern unserer heutigen Batterien und Akkus, mit Straßenbeleuchtung und der Entwicklung landwirtschaftlicher Maschinen. Das Museum mischt klassische Ausstellung mit interaktiven Stationen und zeigt, wie sich seine Arbeit bis heute auf den Alltag auswirkt. Experimentieren ist dabei ausdrücklich erwünscht. Für Kinder gibt es eigene geführte Besichtigungen, die die Geschichte der Elektrizität spielerisch erklären.

Schengen-Museum, Schengen

Dass wir heute ohne Grenzkontrollen in Europa reisen können, geht zurück auf ein Stück Papier, das in Luxemburg seinen Ursprung hat: das Schengener Abkommen. Am 14. Juni 1985 wurde es im kleinen Winzerort Schengen unterzeichnet – genau am Dreiländereck zwischen Luxemburg, Frankreich und Deutschland. Das neu gestaltete Schengen-Museum erzählt in einer immersiven Ausstellung von der Geschichte des Abkommens und seiner Bedeutung für unser heutiges, grenzenloses Europa. Ein besonderes Highlight liegt direkt an der Mosel vor Anker: das historische Schiff „Prinzessin Marie-Astrid Europa“, an dessen Bord das Abkommen von den Vertretern Luxemburgs, Belgiens, Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande unterzeichnet wurde. Neu ist auch “The Cube” – ein Raum, in dem die Geschichte von Schengen durch Erzählungen und Zeitzeugen-Interviews erlebbar wird.

Luxemburger Druck- und Spielkartenmuseum, Grevenmacher

Wer atypische Museen mag, ist im Kulturhuef in Grevenmacher genau richtig. Hier stecken gleich zwei Themen unter einem Dach. Die Dieudonné-Ausstellung erzählt von der Familie Dieudonné, die seit fünf Generationen in Grevenmacher zu Hause ist und die sich von 1754 bis 1880 einen Namen in der Herstellung von Spielkarten gemacht hat. Zu sehen sind unter anderem Druckplatten, Druckbögen und natürlich Spielkarten aus der Manufaktur Dieudonné sowie aus aller Welt. Anhand dieser lassen sich die im Laufe der Zeit variierenden Techniken und Motive nachvollziehen. „Gutenberg Revisited“ spannt den Bogen der Buchdruckgeschichte vom dritten Jahrtausend vor Christus bis ins 21. Jahrhundert und zeigt eine beeindruckende Sammlung historischer Pressen. Am Ende des Rundgangs darf man sich selbst im Drucken versuchen und sogar ein Souvenir mit nach Hause nehmen. Thematische Führungen und Workshops für Erwachsene und Kinder finden wechselnd statt und sind kostenlos (z.B. Kalligrafie-Workshop oder Halloween-Führung).

Töpfereimuseum, Nospelt

Im kleinen Dorf Nospelt im Südwesten Luxemburgs hat die Töpferei Tradition. Das Töpfereimuseum im ehemaligen Wohnhaus des letzten Nospelter Töpfers gibt mit einer vielfältigen Sammlung an historischen Werkzeugen und traditionellen Töpferwaren einen authentischen Einblick in die Keramikherstellung der Region. Zum Aushängeschild des Hauses gehört das Péckvillchen. Dabei handelt es sich um eine Tonpfeife in Vogelform, die eng mit dem luxemburgischen Brauchtum und dem Éimaischen-Fest, das am Ostermontag gefeiert wird, verbunden ist. Wer die Geschichten dahinter kennenlernen möchte, ist im Museum genau richtig. In Workshops mit Hobbytöpfern kann man sein eigenes Péckvillchen gestalten und damit ein einzigartiges Stück Luxemburger Tradition mit nach Hause nehmen. Das Museum ist nur nach vorheriger Anmeldung geöffnet.

Victor Hugo-Haus, Vianden

Der Autor Victor Hugo, der vor allem für seine Romane „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Die Elenden“ berühmt ist, hat auch in Luxemburg Spuren hinterlassen. Von 1862 bis 1865 fand er hier als politischer Flüchtling Zuflucht. Das ihm gewidmete Museum in Vianden trägt Zeugnis seines Aufenthaltes und seiner Beziehung mit dem Großherzogtum. Der Höhepunkt der Ausstellung sind die Hologramme, die den Geist des Schriftstellers lebensecht auferstehen lassen. Dazu kommen Originalmöbel, Schriftstücke, Zeichnungen und rund 70 Schautafeln, die sein Leben in Luxemburg dokumentieren. Wer danach mehr von Vianden sehen möchte, steigt in den Sessellift und gleitet langsam hinauf zur beeindruckenden mittelalterlichen Burg.

The Family of Man, Clerf

503 Fotografien von 273 Fotografen aus 68 Ländern: „The Family of Man“ gilt als eine der berühmtesten Fotoausstellungen der Welt. Vom Luxemburger Edward Steichen zusammengestellt, war sie 1955 sogar im Museum of Modern Art in New York zu sehen. Gedacht war sie als Manifest für den Frieden und die grundlegende Gleichheit der Menschen, ausgedrückt in der humanistischen Fotografie der Nachkriegszeit. Über zehn Millionen Besucher haben sie seither gesehen, mehr als 150 Museen weltweit zeigten sie. Die letzte vollständige Version hängt seit 1994 als Dauerausstellung im Schloss von Clerf und gehört seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Multimedia-Guide in drei Sprachen begleitet durch die Schau.

Schiefermuseum, Obermartelingen


Mehr als 200 Jahre lang prägte der Schiefer das Leben im Nordwesten Luxemburgs. Das Schiefermuseum in Obermartelingen nahe der belgischen Grenze zeugt von der Schieferproduktion vom Abbau unter Tage bis hin zum fertigen Produkt. Neu ist der Besucherstollen „Johanna“, in dem man den Alltag der Schieferarbeiter hautnah erleben kann. Auf dem Gelände gibt es außerdem verschiedene Animationen, darunter die Fahrt mit dem Industriezug, ein Outdoor Escape-Room sowie Gravur-Workshops. Die Anlage vermittelt ein komplettes Bild der Schieferindustrie des 20. Jahrhunderts und lässt sich gut mit einem Ausflug in die luxemburgischen Ardennen verbinden.

Weitere Informationen und Empfehlungen zu Reisen nach Luxemburg gibt es unter www.visitluxembourg.com.

Fotos: Schiefermuseum Obermartelingen ©Pancake! Photographie, Visit-Guttland; Tudor Museum © Pancake! Photographie, ORT MPSL; Kulturhueff ©Pancake! Photographie, Visit Moselle Luxembourg.

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