
Wenn in Deutschland die Glühweinsaison beginnt, wird auf den Kanarischen Inseln bei milden Temperaturen um die 20 Grad der neue Wein angestochen.
La Palma macht den Anfang und stößt am 10. November auf den neuen Jahrgang an. Ende des Monats folgt Teneriffa: Rund um den Tag des heiligen Andreas öffnen die Orte im Inselnorden ihre Bodegas. Getrunken wird in den Guachinches, schlichten Weinstuben, in denen die Winzer noch selbst ausschenken. Dazu gibt es Runzelkartoffeln und kanarischen Ziegenkäse.
Vulkanwein mit eigener Geschichte
Der Weinbau auf den Kanaren reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als Malvasier von den Inseln an europäischen Höfen getrunken wurde. Die Reben wachsen auf vulkanischen Böden, oft an steilen Terrassen zwischen Atlantik und Teide. Weil die Reblaus die Inseln nie erreicht hat, stehen hier viele Rebstöcke noch auf eigenen Wurzeln – eine Seltenheit in Europa.
Typisch für den jungen Wein im November sind fruchtige Rot- und Weißweine, die traditionell zu gerösteten Kastanien, Süßkartoffeln und gesalzenem Fisch getrunken werden. Kastanien gehören zum kanarischen Weinherbst wie der junge Wein selbst. Die Bäume prägen besonders die feuchten Nordhänge Teneriffas, etwa im Orotava-Tal und in der Region Acentejo. Im November werden die Früchte geröstet und auf Festen, Märkten und in den Guachinches zum neuen Wein gereicht.
„Der Weintourismus ist das bestgehütete Geheimnis der Kanaren. Wer wegen unseres Klimas, der Strände, der Vulkane und der hervorragenden Hotels zu uns kommt, entdeckt ein einzigartiges kulturelles Erbe: einen jahrhundertealten Weinbau, der die Landschaft geprägt hat, uns mit unseren Wurzeln verbindet und ein außergewöhnliches Vermächtnis bewahrt – wurzelechte Reben, die von der verheerenden Reblausplage verschont blieben, die einst Europas Weinberge zerstörte.“, sagt Borja de Mesa, Geschäftsführer der Bodegas El Lomo und Vizepräsident des Weintourismus-Clusters der Kanaren.
Guachinches: Wein direkt vom Winzer
Die Guachinches sind eine Besonderheit Teneriffas, vor allem im grünen Norden der Insel. Ursprünglich verkauften Kleinwinzer dort ihren Überschuss an Wein aus der eigenen Ernte – oft in der Garage, im Hof oder in der alten Weinpresse. Bis heute sind sie keine gewöhnlichen Restaurants: Seit 2013 regelt ein Dekret der Kanarenregierung, dass ausschließlich Wein aus eigener Ernte und Wasser ausgeschenkt werden dürfen.
Dazu gibt es eine kleine Auswahl einfacher, saisonaler Gerichte – etwa Eintopf, gegrilltes Fleisch oder Runzelkartoffeln mit Mojo. Geöffnet sind die Guachinches höchstens vier Monate im Jahr und nur so lange, bis der Wein ausgetrunken ist. Wer im Herbst und Winter anreist, hat deshalb die besten Chancen, mehrere Guachinches gleichzeitig geöffnet vorzufinden. Echte Guachinches erkennen Gäste an einem offiziellen Schild am Eingang.
La Palma: San Martín und der Wein aus dem Kiefernfass
Auf La Palma ist der Martinstag das Fest des neuen Weins. Am Vorabend, dem 10. November, werden auf der Insel die Fässer angestochen und der junge Wein zum ersten Mal probiert. In Tijarafe im Westen der Insel tragen die Bewohner am 11. November die Figur des heiligen Martin von seiner Kapelle zur Pfarrkirche; danach trifft man sich bei neuem Wein und gerösteten Kastanien.
Weinkenner finden auf La Palma zwei Raritäten. Im Norden reift der Vino de Tea in Fässern aus dem harzreichen Kernholz der Kanarischen Kiefer – ein Wein mit Noten von Harz und Kiefer, den es nur auf dieser Insel gibt. Im Süden, rund um Fuencaliente, wird aus Malvasier-Trauben der natürlich süße Malvasía de La Palma gekeltert, der die Insel ab dem 17. Jahrhundert in Europa berühmt machte.
Teneriffa: San Andrés mit Holzbrettern, Blechdosen und neuem Wein
Im Norden Teneriffas ist der 30. November der wichtigste Tag des Weinjahres: das Fest des heiligen Andreas, des Schutzpatrons der Weinkeller. In Icod de los Vinos, der Stadt des tausendjährigen Drachenbaums, rasen Einheimische am Vorabend des 30. November auf gewachsten Holzbrettern die steilen Gassen der Altstadt hinunter. Die „Tablas de San Andrés“ sind eine jahrhundertealte Tradition; 2026 finden die Abfahrten von Samstag, 28., bis Montag, 30. November, statt. Dazu werden die Bodegas geöffnet und die erste Flasche des neuen Jahrgangs entkorkt.
Im nahen Puerto de la Cruz ziehen am 29. November Jung und Alt mit scheppernden Blechdosen an Drähten durch die Straßen – „Correr el cacharro“. Einer Überlieferung nach erinnert der Lärm an die Winzer, die ihre Fässer zum Reinigen mit Meerwasser einst zur Küste hinunterrollten. Rund um die Plaza del Charco gibt es dazu Kastanien, Süßkartoffeln, Gofio und Wein.
Zwei Inseln, ein Weinherbst
Wer im November etwas mehr Zeit hat, kann beide Inseln verbinden: zum Martinstag nach La Palma, Ende November zu San Andrés nach Teneriffa, dazwischen Guachinches und Kastanien im Norden Teneriffas. Die Fähren von Baleària und Fred. Olsen Express verbinden Los Cristianos im Süden Teneriffas mehrmals täglich mit Santa Cruz de La Palma; die Überfahrt dauert rund zweieinhalb Stunden, Mietwagen können mit an Bord. Noch schneller geht es per Inselflug zwischen den Flughäfen La Palma und Tenerife Norte.
„Die Qualität unserer Weine, verbindet sich mit dem Know-how, das die Kanaren zu einem der international führenden Reiseziele gemacht hat. Daraus entsteht eine ganz eigene Art, Wein zu erleben. Im Herbst öffnen der neue Jahrgang und San Andrés den Blick auf Orte und Geschichten, die in Gesprächen über die Inseln nur selten vorkommen. Dann stellt sich der ‚Wow!‘-Effekt ein: Man entdeckt Kanaren, die man so nicht erwartet hat“, so Borja de Mesa.
Foto: Casa del Vino, Teneriffa
(c) Turismo de Islas Canarias
Der Kanaren-Herbst für Genießer
Wie Teneriffa und La Palma den neuen Jahrgang feiern

Wenn in Deutschland die Glühweinsaison beginnt, wird auf den Kanarischen Inseln bei milden Temperaturen um die 20 Grad der neue Wein angestochen.
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