Zehn Fahrradtrends für das Jahr 2026

Der pressedienst-fahrrad wagt einen Ausblick auf die bestimmenden Fahrradthemen 2026



Die Fahrradsaison 2026 steht in den Startlöchern. Nachdem das Fahrradjahr 2025 von Unsicherheiten geprägt war, kündigen sich für die kommende Saison wieder spannende Neuheiten und Trends an. 


1) Graveln

Im sportlichen Segment ist das Gravelbike, also ein Allwege-Rennrad mit breiten Reifen, ein, wenn nicht gar das bestimmende Thema. „Im Frühjahr kommt niemand mehr am Gravelbike vorbei“, prognostiziert Philipp Martin, Marketingmanager Deutschland beim Fahrradhersteller Orbea. Auch der Zubehörmarkt öffnet sich mehr und mehr dem Thema. Ob spezielle Gravel-Helme (z. B. „Taipan“ von Abus), Gravel-Bekleidung (z. B. „Kuro“-Serie mit Regenjacken, Schuhen und Shirts von Vaude), leistungsstarke Akku-Lichter (z. B. „Core Highbeam“ von Busch + Müller), nachrüstbare Schutzbleche (z. B. „Speedrocker XL“ von SKS Germany) oder ergonomisch abgestimmte Komponenten (z. B. „SR Allroad“-Sattelserie von Ergon) – Gravel-Fahrer:innen können aus den Vollen schöpfen und sich sowie ihr Rad individuell ausrüsten. Für das Radpendeln lassen sich nachrüstbare Gepäckträger (z. B. von Fahrer Berlin, Ortlieb oder Aeroe) anbringen, um eine Tasche für die Alltagsdinge mitzunehmen. 

Gravelbikes eignen sich außerdem hervorragend für Radreisen, da sie über verschiedene Ösen zum Befestigen des Gepäcks verfügen. „Durch das einfache Anbringen von Taschen direkt am Rad hat sich das Gravelbike zu einem beliebten Reisebegleiter entwickelt. Mit den passenden, wasserdichten Taschen wird eine Radreise ermöglicht, welche Freiheit und Minimalismus verbindet“, erklärt Peter Wöstmann, Communication-Manager beim fränkischen Taschenhersteller Ortlieb. Eine Entwicklung, die auch Touristiker sehen: Gravelbiker:innen stellen eine wachsende Zielgruppe dar. Mit Angeboten wie mehrtägigen Gravel-Rennen, wie z. B. in der Region Schwäbische Alb, wollen die Touristregionen verstärkt diese Radgruppe ansprechen und für ihre Region begeistern.

2) 32-Zoll-Bikes

Nachdem erste Prototypen auf Messen 2025 gezeigt wurden, scheint das Laufradmaß 32 Zoll mehr und mehr anzurollen. Beim Reifenhersteller Schwalbe laufen erste Tests, wie Pressesprecher Steffen Jüngst bestätigt: „32‑Zoll‑Reifen sind nach unseren Analysen und Tests eine vielversprechende Technologie mit realen und spürbaren Vorteilen – unabhängig von einzelnen Marktsegmenten und weit über rein performanceorientierte Reifen hinaus. Vor diesem Hintergrund entwickeln wir bei Schwalbe bereits die ersten Reifen in 32 Zoll.“ Die Vorteile der größeren Laufräder liegen auf der Hand. „Bessere Traktion und ein besseres Überrollverhalten sind bereits ab der ersten Ausfahrt deutlich spürbar. Das sorgt für mehr Sicherheit und es kann gleichzeitig eine höhere Geschwindigkeit erreicht werden“, erklärt Thomas Paatz, Gründer der Online-Plattform MTB-News. 

Der Weltradsportverband UCI hat im November 2025 die Nutzung der größeren Laufräder im Weltcup erlaubt. Das Format scheint sich also zu etablieren, obwohl sich die Fahrradhersteller noch uneins sind, ob 32-Zoll-Räder im Mountainbike- oder im Gravel-Bereich mehr Sinn ergeben – vermutlich rollen bald beide Gruppen vermehrt mit größeren Reifen.

3) Automatikschaltung

Anfänglich belächelt, aber eigentlich eine praktische Sache, die bei vielen Anwendungen Sinn ergibt: Automatikschaltungen. „Am Lastenrad bietet eine Schaltautomatik deutlich mehr Komfort. Gerade beim häufigen Anfahren an Ampeln ist man froh, wenn das System selbstständig immer den optimalen Gang einstellt“, sagt Lothar Schiffner, PR-Sprecher beim Cargobike-Anbieter Ca Go, der stufenlose Automatikschaltungen in seinen Lastenrädern verbaut. Aber auch an Stadträdern wie dem „Sinus AS“ von Winora oder bei sportlichen E‑MTBs wie dem „Allmtn CF 11 TRN/IQ“ von Haibike kommen die Schaltungen immer häufiger zum Einsatz. „Wir stellen fest, dass auch im Gravel-Bereich die Nachfrage nach Automatikschaltungen steigt, sogar bei unmotorisierten Modellen“, sagt Sabrina Weiss, Communication-Managerin bei Pinion, einem Anbieter für Getriebe- und Antriebstechnik. Und auch bei Kinderrädern ist das Thema gefragt: Hersteller Puky stattet die 16- und 18-Zoll-Einstiegsmodelle seiner „LS Pro“-Reihe optional mit einer Zwei-Gang-Automatikschaltung aus. „Kinder können sich so weiterhin auf den Verkehr konzentrieren, lernen aber zugleich die Vorteile einer Schaltung kennen“, erklärt Marc K. Thiel, Geschäftsführer von Puky.

4) Alltagstauglichkeit

Kompakträder und SUV-E-Bikes repräsentieren einige der vielfältigen Möglichkeiten, wie man im urbanen Alltag ein Fahrrad nutzen kann. Die Kompakträder mit 20-Zoll-Reifen, wie sie beispielsweise I:sy anbietet, lassen sich platzsparend im Keller oder der Wohnung verstauen. Sie punkten zudem durch ein wendiges Fahrverhalten. SUV-E-Bikes wie das „E‑Xite“ von Koga verbinden Reise- mit Alltagstauglichkeit. Eine sportliche Rahmengeometrie und breite Reifen werden kombiniert mit Licht und Schutzblech. So sind die Räder für alle täglichen Anforderungen gewappnet. Vielfältig und wandelbar sind zudem die Transportoptionen: Mit dem „Yuuna“ zeigt Anhängerhersteller Croozer ein Modell, das sich je nach Transportbedarf anpassen lässt – mit Kindersitzen, Cargo-Option oder auch zum Hundetransport. Diese neuen Möglichkeiten erweitern die Anwendungsmöglichkeiten im urbanen Raum und sind wichtige Pfeiler auf dem Weg zu mehr Radverkehr.

5) Radfahren für jeden

Der demographische Wandel in der Gesellschaft stellt auch die Fahrradbranche vor Herausforderungen. Gleichgewichtsprobleme und Krankheiten können dazu führen, dass das Rad von (nicht nur) älteren Menschen nicht mehr genutzt wird. Lösungen schaffen kippstabile, dreirädrige Fahrzeuge, wie sie HP Velotechnik mit dem „Delta tx“ oder Bernds mit dem „Cargo Gretel“ anbietet. „Die Räder mögen noch ungewohnt erscheinen und so manch einer hat noch Vorbehalte. Aber sie helfen, damit möglichst alle Menschen per Rad eigenständig mobil bleiben können“, sagt Michaela Buchholz, Geschäftsführerin beim Fahrradhersteller Bernds.

6) Preisentwicklung

In den letzten Jahren gingen die Preise für Fahrräder und E‑Bikes stetig nach oben. Eine bessere Ausstattung der Räder, technischer Fortschritt und eine starke Nachfrage waren einige der Gründe. Doch ein Fahrrad darf nicht zum Luxusgut werden. „Für dieses Jahr zeigt sich die Entwicklung, dass vermehrt qualitativ hochwertige Räder in mittleren Preissegmenten vom Handel nachgefragt werden“, sagt Thomas Goebel, Brand Manager der Marke Victoria. Zu Preispunkten zwischen 2.500 bis 3.500 Euro für ein E‑Trekkingbike, wie sie beispielsweise bei Modellen von Stevens („E‑4X Tour“) oder Victoria („Tresalo 5“) zu finden sind, sollen für mittlere Einkommen Einstiegspreise für wertige E‑Bikes entstehen. Auch interessant: Der Gebrauchtmarkt stellt durch günstige Refurbish-E-Bikes, z. B. aus Leasing-Rückläufern, eine neue Einstiegsklasse mit hochwertigen Modellen. 

7) Leasing

„Der Leasing-Markt steckt im Wandel, hat aber immer noch ein riesiges Potenzial“, sagt Sören Hirsch, Bereichsleiter Bike beim Leasing-Anbieter Linexo. Optionen wie angepasste Vertragslaufzeiten, digitale und übersichtlichere Abläufe und eine bessere Einbeziehung des Fachhandels können helfen, dass auch kleinere Unternehmen Lust bekommen, ihren Angestellten eine Leasing-Möglichkeit anzubieten. Interessant ist das Thema aktuell auch auf europäischer Ebene. Während in Deutschland seit mehr als zehn Jahren das Dienstrad-Leasing präsent ist und bereits über zwei Millionen Leasing-Verträge abgeschlossen wurden, ist in anderen europäischen Märkten Fahrrad-Leasing noch gar kein Begriff. Um das zu ändern, streben kontinentale Fahrradverbände wie die European Cycling Industrie (ECI) europaweite Lösungen an.

8) S-Pedelecs

Schnelle E‑Bikes mit einer Unterstützung bis 45 km/h, wie das „G1 Upstreet TF:CF 7.63 HS EU“ von Flyer oder das „Nevo 5 touring HS“ von Riese & Müller, werden schon seit Jahren als ein Trendthema beschrieben. Allerdings scheitert der Durchbruch an der deutschen Gesetzgebung, die das Befahren von Radwegen mit den Gefährten in den meisten Fällen noch untersagt. Aber neue Studien und eine darauf aufbauende Lobbyarbeit zeigen, dass eine Radwegebenutzung kein erhöhtes Unfallrisiko darstellt. Deshalb besteht in Deutschland mittlerweile in Baden-Württemberg, bei einem Pilotprojekt in Hessen und in Nordrhein-Westfalen für Kommunen die Option, Radwege für S‑Pedelecs freizugeben. Das wird immer mehr genutzt und könnte neuen Schwung für diese Bike-Kategorie bringen.

9) Fahrradmessen

Die Eurobike in Frankfurt Ende Juni kann auch in diesem Jahr wieder eine Trendschau der wichtigsten Fahrradneuheiten werden. Allgemein ist die Messesituation in Deutschland aber im Wandel. Regionale Messen ziehen immer mehr Menschen an. Die Cyclingworld Europe in Düsseldorf erweitert ihre Standfläche und punktet mit einem Konzept im Innenstadtbereich. Die Spezialradmesse Spezi findet erstmals in einer Großstadt, Freiburg im Breisgau, statt und will sich als Messe für neue Mobilitätsfahrzeuge etablieren. Die Velo Berlin bietet in der Hauptstadt einen Treffpunkt für Fahrradinteressierte. Die E‑Bike Days im Olympiapark in München punkten mit Herstellervielfalt und anspruchsvollen Teststrecken. Durch diese wachsenden Formate gewinnt das Thema Fahrrad auch abseits der Leitmesse Eurobike an Attraktivität.

10) Fatbikes

Mit dem Begriff Fatbikes sind in diesem Fall nicht dickbereifte Mountainbikes gemeint, mit denen man über verschneite Pisten fährt. Es handelt sich vielmehr um einen abgewandelten Trend, der aktuell in den Niederlanden gefragt ist – dort soll bereits jedes zehnte neu verkaufte Rad ein Fatbike sein – und mittlerweile nach Deutschland schwappt. Die Fahrzeuge rollen zwar auf dicken Reifen, sind aber mehr als Stadträder denn als Sportgeräte konzipiert. Sie ähneln einem kleinen Motorrad oder Moped und werden in Deutschland beispielsweise von Lieferdiensten genutzt, da sie günstig in der Anschaffung sind.
Das Problem: Die Räder lassen sich leicht manipulieren und fahren so über 25 km/h, wodurch sie ihren Status als Fahrrad verlieren. Zudem lassen sich manche Modelle nur mit Gasgriff und ohne Pedalunterstützung fahren. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Trend in Deutschland flächendeckend durchsetzt und welche Auswirkungen das haben wird.

Foto: Victoria Bikes | pd-f

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