Tradition trifft Rücksichtnahme

Neue Studie untersucht das Rauchen in deutschen Fußballstadien



Am Wochenende rollt in der Bundesliga endlich wieder der Ball. Der Besuch eines Fußballspiels ist für die meisten Fans weit mehr als das bloße Geschehen auf dem Rasen. Es ist ein soziales Ritual, bei dem für 71,4 Prozent das Teilen von Emotionen mit anderen an erster Stelle steht. 

Doch auf den Tribünen kollidieren zunehmend Fantradition und das Wohlbefinden anderer: Eine aktuelle repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von Haypp beleuchtet das Thema Rauchen im Stadion und zeigt deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung der Fans.

Der blaue Dunst als Störfaktor auf den Rängen

Zwar rangiert Zigarettenrauch als Störfaktor hinter aggressivem Verhalten (56,1 %) und Pyrotechnik (48,7 %), er betrifft die Fans jedoch kontinuierlich. Insgesamt fühlen sich 27 Prozent aller Stadionbesuchenden durch den Rauch gestört – bei den Nichtrauchenden liegt dieser Anteil bei 33,5 Prozent. Besonders in engen Tribünenbereichen, wo man dicht an dicht sitzt, empfindet fast die Hälfte aller befragten Fans (49,8 %) und sogar 56,8 Prozent der Nichtrauchenden das Rauchen als Belastung. Auch der Schutz sensibler Gruppen ist den Fans ein großes Anliegen: Die Rücksichtnahme auf Kinder hat für 53,2 Prozent der Befragten oberste Priorität.

Tiefe Verwurzelung der Rauchkultur

Die Studie verdeutlicht, wie tief das Rauchen in der Fankultur verankert ist: Für 59,3 Prozent der Rauchenden gehört die Zigarette fest zum Stadionerlebnis dazu. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen betrachten sogar 86,2 Prozent das Rauchen als Teil ihrer Fan-Identität.

„Während das Rauchen aus vielen Räumen des öffentlichen Lebens verschwunden ist, gehört es beim Stadionbesuch für viele noch immer dazu“, so Janina Mütze, Geschäftsführerin und Gründerin des Umfragedienstleisters Civey. „Gleichzeitig zeigen unsere Daten eine deutliche Wahrnehmungslücke: Rauchende halten sich selbst für wesentlich rücksichtsvoller, als Nichtrauchende sie erleben. Für die Vereine ist das ein klarer Handlungsauftrag, denn wo Wahrnehmungen so weit auseinanderliegen, braucht es Vermittlung und gegenseitige Rücksichtnahme.“

Große Unterschiede in den Stadien

Wie rücksichtsvoll das Verhalten der Rauchenden tatsächlich erlebt wird, unterscheidet sich je nach Verein stark. Im Durchschnitt bewerten lediglich 35,7 Prozent der Nichtrauchenden das Verhalten der Rauchenden als rücksichtsvoll. Die Spitzengruppe unter den 20 bekanntesten deutschen Clubs der beiden Bundesligen bilden dabei in Sachen Rücksichtnahme die Stadien von Hannover 96 (53 % Zustimmung) und die alte Försterei als Heimstätte des 1. FC Union Berlin (51 %). Am unteren Ende der Tabelle stehen Clubs wie der VfB Stuttgart (26 %), Dynamo Dresden (23 %) und der Sport-Club Freiburg (22 %), deren Fans deutlich seltener als rücksichtsvoll wahrgenommen werden.

Pragmatische Lösungen statt radikaler Verbote


Die Daten zeigen jedoch auch, dass das Gros der Fans keine radikalen Maßnahmen fordert: Nur ein Viertel der Befragten (25 %) spricht sich für ein komplettes Rauchverbot im gesamten Stadion aus. Stattdessen befürworten 39,6 Prozent eine klare räumliche Trennung durch ausgewiesene Zonen. Eine solche Zonierung wird auch als die effektivste Stellschraube bewertet: Für 48,6 Prozent der Befragten sind gut erreichbare Raucherzonen die wirksamste Maßnahme, um das Rauchen in den sensiblen Tribünenbereichen einzudämmen.

Interessant ist zudem die Offenheit für Alternativen: Bereits 49,6 Prozent der 18- bis 29-jährigen Rauchenden nutzen im Stadion rauchfreie Nikotinprodukte wie Nikotinbeutel, um das Spiel ohne Unterbrechungen und emissionsfrei verfolgen zu können. Denn das Verlassen des Platzes für eine Zigarette birgt Risiken: 23,5 Prozent aller rauchenden Fans (und 56,7 % der 30- bis 39-Jährigen) haben dadurch bereits entscheidende Spielszenen verpasst.

„Rauchfreie Alternativen wie Nikotinbeutel lösen den Stadionkonflikt im wahrsten Sinne des Wortes in Luft auf. Sie schützen Nichtrauchende vor Passivrauch und sichert Fans das volle Spielerlebnis ohne störende Unterbrechungen. Statt starrer Verbote sollten Vereine diesen rücksichtsvollen Umstieg gezielt unterstützen“, so Markus Lindblad, Leiter der Rechts- und Außenangelegenheiten bei der Haypp Group.

Foto: Pixabay

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