
Monika Thiele eröffnet unser Ausstellungsjahr 2026 mit ihrer Einzelausstellung WHO IS THE KING. Sie begann ihr Kunststudium 1987 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Eberhard von der Erde. 1991 setzte sie das Studium an der Freien Kunsthochschule Stuttgart fort und schloss es schließlich 1994 an der Kunstakademie Karlsruhe bei Max Kaminski ab.
Die Bilder bringen ihre tiefsinnige Auseinandersetzung mit der Natur, die weltgeschichtlichen Wurzeln und einen vielschichtigen Bildaufbau zusammen. Sie schafft farbintensive und dynamische Bildwelten mit Tiefe, welche die Gedankengänge der Künstlerin in jeder Geste transportieren.
Zum Ende der Ausstellung wird es eine Buchpräsentation der Künstlerin geben. In dieser neuen Publikation werden die aktuellen Werke von Monika Thiele in Abbildungen zu finden sein.
Monika Thiele findet ihre Bildsprache, früh in ihren großformatigen Fadenzeichnungen, in denen sie das Malerische und das Textile miteinander verbindet. Lange Jahre bestimmt der Faden ihre komplexe Bildsprache, die von formaler Präzision und innerer Tiefe erzählt. Seit 2018 wird der Werkstoff Papier in ihren Arbeiten zunehmend präsenter und erstarkt in ihren jüngeren Arbeiten zum dominierenden Material. Monika Thiele schneidet, reißt, schichtet und perforiert Papier; schafft Schnittstellen statt Netzstrukturen, Flächen statt Linien.
Anfänglich bilden die Papierarbeiten mit Betonung von großer Flächigkeit und harten Konturen einen starken Kontrast zu den zarten und durchlässigen Fadenarbeiten. Im fortschreitenden Prozess lösen sich die geschlossenen Flächen jedoch mehr und mehr, oszillieren zwischen Zeigen und Verstecken, bilden filigrane Strukturen aus und reifen zu geschwungenen, fast weichen Silhouetten heran.
Die Künstlerin schöpft aus der Vielfalt und Vielgestaltigkeit des Werkstoffs Papier: von glatt bis strukturiert, von bunt bis monochrom. Die verwendeten Papiere sind größtenteils von ihr handbemalt und besprüht, aber auch mit unterschiedlichen Techniken bedruckt, bevor sie diese zerschneidet und in einer visuellen Verbindung zu einem neuen Ganzen zusammenfügt. Durch die vornehmliche Verwendung der von ihr selbst handbemalten Elemente erprobt die Künstlerin die malerische Qualität der Papierkollage gegenüber einem direkten Farbauftrag auf den Bildträger.
Der Werkstoff Papier steht in Monika Thieles Arbeiten für Tragfähigkeit. Zeichenkartons dienen ihr als Bildträger, jedoch versteht sie Papier nicht allein als Trägermaterial im Sinne einer passiven Oberfläche, sondern sie sieht es vor allem als tragendes Material, das Farbe und Form in den Bildraum transportiert und damit selbst zum Bote bedeutungsvoller Narrative avanciert.
Klang, Tiefe, Form, Resonanz sind dabei wesentliches Prinzip, das Monika Thieles künstlerische Sprache durchzieht. Erscheint die Arbeit mit Papier zu der Arbeit mit Faden als Zäsur, so kehrt sie damit doch vielmehr zum Kern ihres Schaffens – einer Mehr- und Vielschichtigkeit – im künstlerisch-poetischen Sinne zurück.
Die Arbeitsweise der Künstlerin ist zeitintensiv. Bis zur finalen Bildkomposition vergehen viele Arbeitsstunden des Iterierens, Neuarrangierens und Reevaluierens jedes einzelnen Papierfragments. Die Papierkollage ist bei Monika Thiele damit auch physische Geste, indem sich durch das Auftragen von Schicht um Schicht der Bildraum verdichtet.
In ihren Arbeiten ist Wasser nicht konkretes Motiv oder physisches Medium. Die Künstlerin greift vielmehr die in den meisten Kulturen verankerte enge Verbindung von Wasser mit Leben, Wachstum und Erneuerung auf sowie die in der spirituellen Tradition stehende Bedeutung von Wasser für Emotion und Gefühlwelt und übersetzt es in eine konzeptuelle und abstrakte Metapher von Bewegung, Fluidität und Innerlichkeit.
In einer neuen Serie der Künstlerin entstehen im Spiel aus Fragment und Vielfalt dichte pflanzenartige Strukturen, deren Grundelement die Blatt-Motivik darstellt. Blatt um Blatt entfaltet sich eine üppige Bildwelt aus phantastisch anmutenden Pflanzenarten, deren Flora zwischen exotisch und vertraut verschwimmt und dabei botanisch unbestimmt bleibt. Insbesondere das Laubblatt ist in Monikas Papierarbeiten motivisch eine Konstante, das für die Übergänge im Kreislauf des Lebens steht; sowohl Neubeginn ankündigt als auch auf Vanitas verweist.
Doch erst der Aufstieg des Wassers in den Gefäßen des Baums lässt im Frühling die ersten grünen Triebe und Blattknospen sprießen, während im Herbst der Rückzug des Wassers aus den Kronen die Blätter nach und nach zu Boden sinken lässt, nur um im Jahr darauf von Neuem zu erwachsen. Das Blatt vereint in sich schließlich den Kreislauf des Lebens selbst, indem es durch die Kraft aus nährstoffreicher Erde wachsen kann und letztendlich wieder zu nährstoffreicher Erde zerfällt. Es dient als Wasserspeicher, steht allgemein für die Tugend des Nährens im Sinne von Nahrung, Fruchtbarkeit und Wachstum.
Bei Thieles Arbeiten geht es jedoch darüber hinaus und das Blatt wird zum Sinnbild für ein Florieren des Geistes, für Schöpfung und Kreativität. Durch Schichtung und Verdichtung gesprühter und geklebter, geschlossener und durchbrochener Papierelemente entsteht eine Pflanzenlandschaft, die im Arbeitsprozess der Künstlerin im tatsächlichen Wortsinne heranwächst, aus der künstlerischen Gestaltungskraft erblüht. Auch runde Formen oder Scheiben sind im Bildraum der Künstlerin vertraute Protagonisten, werden von kleineren Fragmenten umspielt bzw. umströmt und verweisen zumeist auf die volle Silhouette des Mondes.
Neben dem Blatt ist dieser Himmelskörper zentrales Motiv im Oeuvre der Künstlerin. Er verweist dabei auf die Gezeitenströmung, teilt sie in einen steten Strom aus Ebbe und Flut. In der Mythologie und spirituellen Lehre sind Wasser und Mond auch deshalb eng miteinander verbunden bis hin zu der Vorstellung, dass beide Elemente eine transformative Kraft auf die menschliche Seele ausüben.
Monika Thiele entwickelt das kunsthistorische Sujet der mondbeschienenen Landschaft als Sehnsuchtsort weiter zu einer Seelenlandschaft als Projektionsfläche für Empfindungen. Wie kein anderes Element weist Wasser einen immanent irregulären Zustand zwischen Ordnung und Chaos auf; es changiert zwischen Kontur und Unbestimmtheit, zwischen Fläche und Tiefe, zwischen Stille und Tosen, zwischen Beständigkeit und Rastlosigkeit, zwischen Form und Gefühl. In Monika Thieles Arbeiten geht es stets um eine poetisch-künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Übergängen. Mit und durch Papierfragmente inszeniert sie Grenzgänge, provoziert Zusammentreffen, legt ein Dazwischen offen und gibt Impulse zu Transparenz, Fluss und Reflexion.
GALERIE SUPPER
Dirk Supper
Kreuzstraße 3 | Kreuzpassage
76530 Baden-Baden
Telefon +49 7221 3730450
Fax: +49 7221 3730451
mail@galerie-supper.de
Vernissage
24. Januar 2026, 18.00 – 21.30 Uhr
Bucherpräsentation
7. März 2026, 18.00 – 19.00 Uhr
Öffnungszeiten der Galerie
Mi – Fr, 12.00 – 18.00 Uhr | Sa, 12.00 – 16.00 Uhr | n. V.
Bild: Monika Thiele, Mond / Wald / Blatt XVII, 2024/ 25, Mischtechnik (geschnittener Karton, Acryl auf bedrucktem Baumwollpapier), gerahmt 65cm x 90cm
MONIKA THIELE „WHO IS THE KING“
Ausstellung in der Galerie Supper
Veröffentlicht am: 14.01.2026
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