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Vom Verlags-„Refusé“ zum Sammlerstück

Briefe von Rosa Luxemburg und Virginia Woolf werden versteigert



Ein violetter Stempel mit der Aufschrift „refusé“ prangt auf einem Brief von Rosa Luxemburg. Der französische Verlag lehnte ihr Manuskript 1906 ab – ein Text, der später zu einem der einflussreichsten Werke marxistischer Theorie werden sollte. 


Mehr als ein Jahrhundert später taucht das Schreiben wieder auf dem Sammlermarkt auf. Gemeinsam mit einem seltenen Brief von Virginia Woolf wird das Dokument in einer kuratierten Autographenauktion bei Catawiki, dem führenden Online-Marktplatz für besondere Objekte, versteigert. Die Auktion läuftbis 15. März und fällt zeitlich mit dem Internationalen Frauentag zusammen.

Beide Schreiben entstanden in entscheidenden Momenten ihrer Laufbahn und zeigen Frauen, die ihre intellektuellen Wege selbstbewusst gestalten – in einer Zeit, in der ihnen der Zugang zu Veröffentlichung, Anerkennung und Autorität häufig erschwert wurde.

Rosa Luxemburg: Ein revolutionärer Text – zunächst abgelehnt

Rosa Luxemburg gehörte zu den einflussreichsten sozialistischen Theoretikerinnen ihrer Zeit. Frauenrechte betrachtete sie vor allem im Zusammenhang mit dem Klassenkampf: Eine echte gesellschaftliche Gleichstellung, so ihre Überzeugung, sei nur durch eine grundlegende Veränderung wirtschaftlicher und politischer Strukturen möglich. Sie setzte sich für das Frauenwahlrecht ein, arbeitete eng mit Clara Zetkin zusammen und kritisierte zugleich patriarchale Strukturen innerhalb der sozialistischen Bewegung.

Der Brief vom 5. Oktober 1906 entstand kurz nach der Russischen Revolution von 1905. Luxemburg schlägt darin einem französischen Verlag die Übersetzung eines Textes vor, der später unter dem Titel „Massenstreik, Partei und Gewerkschaften" veröffentlicht werden sollte – eine ihrer wichtigsten politischen Schriften.

Der Text entwickelte die theoretische Grundlage dessen, was später als „Luxemburgismus“ bezeichnet wurde, und stellte sich gegen die zunehmende Bürokratisierung der deutschen Arbeiterbewegung. Auffällig an dem Brief ist ein violetter Stempel in der oberen Ecke: „refusé le 8 OCT 1906“. Der französische Verleger Pierre-Victor Stock lehnte das Angebot ab – und übersah damit ein Werk, das später zu einem wichtigen Text der marxistischen Theorie des 20. Jahrhunderts werden sollte.

Virginia Woolf über den Erfolg von Mrs. Dalloway



Auch Virginia Woolf prägte die Literatur des 20. Jahrhunderts nachhaltig. Mit ihren Romanen erneuerte sie die erzählerische Form der Moderne, während ihre Essays zu grundlegenden Texten feministischen Denkens wurden.

Der zweite Brief der Auktion stammt vom 14. Juli 1930 und wurde am Tavistock Square in London verfasst. Adressiert ist er an die französische Kritikerin Mademoiselle Monteil, die eine ausführliche Analyse von Woolfs Roman Mrs. Dalloway veröffentlicht hatte.

Woolf bedankt sich darin für das, was sie als „eine der subtilsten und interessantesten“ Auseinandersetzungen mit ihrem Roman bezeichnet. Sie beschreibt auch die besondere Erfahrung, für genau jene Qualitäten gelobt zu werden, die sie beim Schreiben bewusst erreichen wollte. Briefe, in denen Woolf so differenziert über Mrs. Dalloway spricht, sind auf dem Sammlermarkt selten. Gleichzeitig zeigt das Dokument, wie aufmerksam sie die internationale Rezeption ihres Werks verfolgte.

Handschriftliche Korrespondenz nimmt laut Jonathan Devaux, Experte für Autographen und Signaturen bei Catawiki, eine besondere Stellung in der Kulturgeschichte ein.

„Im Unterschied zu den veröffentlichten Werken halten Briefe Gedanken im Entstehen fest. Sie zeigen Ambitionen, Zweifel, strategische Überlegungen und intellektuellen Austausch. In beiden Fällen dokumentieren diese Schreiben, wie Frauen mit Fragen von Veröffentlichung, Kritik und Autorität umgehen. Wenn ein Brief sich auf ein bedeutendes Werk oder einen prägenden Moment im intellektuellen Leben bezieht, bietet er Sammler:innen etwas Unersetzliches“, sagt Devaux.

Mit Blick auf den Internationalen Frauentag erinnert das Wiederauftauchen dieser Briefe daran, wessen Stimmen in Archiven, Sammlungen und im kulturellen Gedächtnis erhalten bleiben. Heute werden die Dokumente mit Schätzpreisen von 10.000 bis 20.000 Euro für Luxemburgs Brief und 5.500 bis 6.500 Euro für Woolfs Schreiben bewertet – ein Zeichen ihrer Seltenheit und zugleich der wachsenden Anerkennung weiblicher Intellektueller in der Geschichte.

Neben diesen beiden Stücken umfasst die Auktion weitere signierte Dokumente, darunter ein signiertes Foto der Balletttänzerin Anna Pavlova sowie Briefe der Sozialreformerin Josephine Butler und der Schriftstellerin Penelope Fitzgerald.

 


Veröffentlicht am: 11.03.2026

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