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Ein Klang, ein Star, ein Saal – für den sich jede Anreise lohnt

Das Usedomer Musikfestival lädt ein



Stahl, Beton, Geschichte – und dann dieser Klang. Das Kraftwerk des Museums Peenemünde ist einer der außergewöhnlichsten Konzertorte Europas, und am Samstag, 3. Oktober, wird es zum leuchtenden Höhepunkt des 33. Usedomer Musikfestivals: Das NDR Elbphilharmonie Orchester spielt unter der Leitung von Andris Poga das Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit. Es ist nach der ausverkauften Eröffnung des Usedomer Musikfestivals am 19. September das zweite und letzte Mal in diesem Jahr, dass die Turbinenhalle im Schwedenjahr des Musikfestivals zum Konzertsaal wird. Karten sind erhältlich.

„Wer in dieser Halle einmal gesessen hat, weiß, warum wir jedes Jahr zurückkehren"
, sagt Festivalintendant Thomas Hummel. „Kaum ein Ort verbindet uns sosehr mit unserer Vergangheit und der Verantwortung für die Zukunft – und mit Martin Fröst, Andris Poga und dem NDR Elbphilharmonie Orchester feiern wir hier auch die Deutsche Einheit."

Mozart entschied alles

Im Mittelpunkt steht der Schwede Martin Fröst, einer der bedeutendsten Klarinettisten der Welt und Artist in Residence des Festivals – ein Ausnahmemusiker, der die Grenzen seines Fachs immer wieder sprengt: Er dirigiert, er tanzt, er tritt sogar maskiert auf und sein Repertoire reicht vom gregorianischen Choral bis in die Gegenwart.

In Peenemünde aber kehrt er zu dem Werk zurück, mit dem seine beispiellose Karriere begann. Mit neun Jahren hörte er im nordschwedischen Sollefteå eine Aufnahme von Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 – und legte die Geige für immer beiseite, um Klarinettist zu werden. Damals wusste der Junge noch nicht, dass dieses Werk im Hollywoodklassiker „Out of Africa" zum Welthit werden sollte. Mit 17 spielte er damit sein erstes Solokonzert. Wer erleben will, wie ein Weltstar sein Herzensstück am geschichtsträchtigsten Ort Mecklenburg-Vorpommerns zum Klingen bringt, hat an diesem Abend die Gelegenheit dazu.

Mittsommer und dann das Schicksal

Dazu eine schwedische Sommeridylle zum Mitpfeifen: Hugo Alfvéns „Midsommarvaka", die Schwedische Rhapsodie Nr. 1, in ihrer Heimat so populär wie der Donauwalzer in Österreich. Und zum Finale Tschaikowskys Fünfte, in der das Schicksalsmotiv nach vier Sätzen ins strahlende E-Dur umschlägt – Musik, die in dieser Halle unter die Haut geht.

Die drei Abende davor

Wer früher anreist, findet in den Tagen zuvor drei sehr verschiedene Zugänge zum Musikland Schweden:

Am Mittwoch, 30. September, lädt das Liegekonzert in die Tourismusinformation Seebad Heringsdorf – hinlegen, sich fallen lassen, der Musik hingeben. Die schwedische Komponistin Annasara Lundgren (Gesang, Klavier) und die Cellistin Gerda Holmquist weben feine Klangtexturen für ein Publikum, das in Liegesesseln, auf Schlafmatten oder auch im Sitzen träumen darf. Das noch junge Format war im Vorjahr so erfolgreich, dass es zurückkehrt.

Am Donnerstag, 1. Oktober, singt Christina Nilsson in der Ev. Kirche Seebad Heringsdorf. Schwedens neue große Opernstimme debütierte 2025 bei den Bayreuther Festspielen als Elisabeth im „Tannhäuser", sang an der New Yorker Metropolitan Opera die Titelrolle der „Aida" und erhielt das schwedische Musikexportpris. Sie stammt aus Ystad – der Stadt, in die von Świnoujście die Fähre fährt. Am Klavier begleitet sie Magnus Svensson; auf dem Programm stehen romantische Lieder ihrer Heimat sowie Werke von Sibelius, Wolf und Richard Strauss.

Am Freitag, 2. Oktober, folgen in der Ev. Kirche Seebad Ahlbeck Die Pellbäcks – drei Geschwister, die 2022 in Anwesenheit von Königin Silvia die „Queen Silvia Concert Hall" in Stockholm eröffneten. Lucas (Tenor), Hansine (Violine) und Herman Pellbäck (Klavier) spielen eine Liebeserklärung an die Musik ihres Landes: barocke Pracht des „schwedischen Händel" Johan Helmich Roman, Freiluftromantik von Wilhelm Peterson-Berger – und Laura Netzel, die ihre ersten Werke noch unter dem Pseudonym „N. Lago" veröffentlichte, bevor sie sich ein Jahrzehnt später unter eigenem Namen traute.

Und eine Woche später

Wer die Anreise plant, sollte den Kalender gleich weiterblättern: Eine Woche nach Peenemünde ist Martin Fröst noch einmal zu erleben – zum Abschlusskonzert des Festivals am 10. Oktober in der Wolgaster St.-Petri-Kirche, gemeinsam mit dem Pianisten Roland Pöntinen und ihrem Programm „French Beauties & Swedish Beasts". Ein Konzerterlebnis, das man nicht nachhören kann.

Termine
Mi 30.09., 19:30 Uhr · Tourismusinformation Seebad Heringsdorf · Liegekonzert: Annasara Lundgren (Gesang, Klavier), Gerda Holmquist (Violoncello)
Do 01.10., 19:30 Uhr · Ev. Kirche Seebad Heringsdorf · Christina Nilsson (Sopran), Magnus Svensson (Klavier) · Lieder von Wolf, Sibelius, Peterson-Berger, Nystroem, Rangström, Strauss
Fr 02.10., 19:30 Uhr · Ev. Kirche Seebad Ahlbeck · Die Pellbäcks: Lucas (Tenor), Hansine (Violine), Herman Pellbäck (Klavier)
Sa 03.10., 20 Uhr · Kraftwerk des Museums Peenemünde · Festkonzert zum Tag der Deutschen Einheit: NDR Elbphilharmonie Orchester, Andris Poga (Leitung), Martin Fröst (Klarinette) · Alfvén „Midsommarvaka" · Mozart, Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 · Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64 · ab 28 €, Bus-Shuttle und Fähranreise buchbar
Sa 10.10., 19:30 Uhr · Ev. Kirche St. Petri Wolgast · Abschlusskonzert: Martin Fröst (Klarinette), Roland Pöntinen (Klavier) · „French Beauties & Swedish Beasts"

Karten: alle Kurverwaltungen, +49 (0) 38378 346-47, www.usedomer-musikfestival.de

 


Veröffentlicht am: 24.09.2026

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