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Wie die Pandemie den Immobilienmarkt verändert

Ein Kommentar von Jürgen Steinhauser



Immobilien sind eine sichere Bank. Auch nach der Pandemie werden sich die Preise ausgewählter Immobilien so entwickeln, dass Investoren ruhig schlafen können und Mieteinnahmen für regelmäßige Erträge sorgen.

Doch wie die aktuelle Krise zeigt, kommt es bei Immobilien-Investments auf tragfähige und krisenresistente Konzepte an. Das Argument vom Betongold hat in der Vergangenheit jedoch auch viele Anleger dazu gebracht, in Immobilienfonds zu investieren, die angesichts der momentanen Rahmenbedingungen alles andere als ein rundum solides Investment sind. Vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind seit Jahrzehnten erfolgreich darin, offene Immobilienfonds von institutsnahen Gesellschaften Investoren nahe zu bringen. Doch wie aussichtsreich sind diese Vehikel im aktuellen Marktumfeld noch?

Die Pandemie hat auch die Immobilienmärkte infiziert. Zwar entwickeln sich Preise und auch Mieten noch immer moderat positiv, doch weist die Entwicklung bei bestimmten Gewerbe- oder Büroimmobilien schon heute auf einen Strukturwandel hin. Dass es der Einzelhandel in deutschen Innenstädten schwer hat, war bereits vor der Pandemie klar. Nach einem Jahr im Zeichen von Covid-19 stehen viele analoge Geschäftsmodelle vor dem Aus. Wie Untersuchungen von Branchenverbänden zeigen, hat sich inzwischen auch die Generation 60+ an das Shoppen im Netz gewöhnt. Auch der schnelle Swipe zum Lieferdienst fällt heute vielen leichter, als noch vor der Pandemie. Die Psychologie zeigt uns, dass es nur wenige Monate dauert, bis aus Verhaltensmustern handfeste Gewohnheiten werden – für bestimmte Sparten am Immobilienmarkt ist diese Erkenntnis eine Katastrophe.
 
Neben kleineren Ladengeschäften sind auch Büroflächen vom Wandel bedroht. Keine Frage: Auch im Jahr 2022 werden Unternehmen ihren Mitarbeitern attraktive Büroflächen in Top-Innenstadtlagen bieten wollen. Aber die Situation wird trotzdem eine andere sein: Womöglich werden sich künftig mehr Menschen kleinere Büroräume teilen. Nach Monaten der Pandemie ist es schwer, Mitarbeiter noch von einer umfassenden Präsenzpflicht zu überzeugen. Hinzu kommt, dass Remote-Arbeit einen Beitrag zur Work-Life-Balance und zum Umweltschutz leistet. Nach der Pandemie wird kaum ein Chef mehr das Argument von fehlender Effizienz im Homeoffice anbringen können – schließlich klappt das Arbeiten von zu Hause für Millionen Menschen ziemlich gut.
 
Für den Immobilienmarkt bedeutet das tendenziell eine geringere Nachfrage. Gerade die großen, milliardenschweren offenen Immobilienfonds könnten in diesem Marktumfeld Probleme bekommen. Viele Produkte, die vor allem von Sparkassen und Genossenschaftsbanken vertrieben werden, sind zu mehr als achtzig Prozent in Büro- und Einzelhandelsimmobilien investiert. Hinzu kommen oft noch Immobilien aus dem Gastgewerbe. Der bevorstehende Strukturwandel in diesen drei Bereichen wird auch an den jeweiligen Fonds nicht spurlos vorübergehen.
 
Als solider gelten Wohnimmobilien. Zwar können auch Wohnimmobilien unter einer schwächeren Konjunktur leiden, doch ist Wohnen ein elementares Grundrecht. Womöglich kommt der Wohnungsmarkt im Zuge des Homeoffice-Trends sogar zusätzlich in Fahrt. Auch ist denkbar, dass Remote-Arbeit B-Lagen und kleinere Mittelzentren in der Nähe der großen Metropolen begünstigt – wer nur noch zwei oder drei Mal in der Woche pendeln muss, nimmt dafür womöglich weitere Wege in Kauf und gönnt sich zum selben Preis ein Zimmer mehr. Nur eben außerhalb der großen Städte.

Die Pandemie hat den Immobilienmarkt verändert. Für Privatanleger sind die konkreten Auswirkungen noch nicht spürbar. Es macht aber trotzdem Sinn, sich mit offenen Immobilienfonds kritisch auseinanderzusetzen. Immobilien sind eben nicht unter allen Voraussetzungen eine sichere Bank.

 


Veröffentlicht am: 25.02.2021

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