
Wenn die Kernspintomographie übertreibt oder „Wir operieren keine Röntgenbilder.“ Für viele Patienten ist es der Gral der Weisen, also die Verbindung vom Heiligen Gral und dem Stein der Weisen. Gemeint ist damit die Magnetresonanztomographie, kurz MRT, sie wird oft auch Kernspintomographie genannt.
Der Patient glaubt oftmals, was das Bild, genauer gesagt, die Vielzahl der dabei entstandenen Bilder zeigen, sei die ganze Wahrheit. Das ist so aber nicht ganz richtig, wie Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie an der OTH Regensburg erläutert.
Prof. Dr. Joachim Grifka:
Ausschlaggebend für die Behandlung ist immer die Zusammenschau von Bildbefund, Auffälligkeit bei der Untersuchung und Beschwerden des Patienten. Ein Problem stel- len manchmal MRT-Bilder von der Lendenwirbelsäule dar. Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens Verschleißveränderungen. Wir sehen nicht mehr wie 20 aus und auch die Wirbelsäule und die Bandscheiben zeigen Verschleiß. Das bedeutet aber nicht, dass diese Veränderung auch Schmerzen verursachen muss.
Rückenschmerzen kommen häufig vor, sie sind unser Tribut an den aufrechten Gang. Die Wirbel- säule mit ihren Wirbelkörpern und den Bandscheiben hat ständig das Gewicht des Oberkörpers zu tragen. Wir haben Bewegungen, die die Bandscheiben strapazieren, z.B. weit ausfahrende Verdrehbewe- gungen oder beim Heben von Gegenständen mit nach vorne geneigtem Oberkörper. Beim Heben von Getränkekästen ist das fast die Regel.
Prof. Dr. Joachim Grifka:
Auch eine lang anhaltende, eintönige Position, wie langes Sitzen kann zu Verschleiß an den Bandscheiben führen. Das Gute: die auf den Rücken beschränkten Schmerzen dauern meist nur einige Tage. Macht man ein MRT aber genau zu dieser Zeit, in der man akut Rückenbeschwerden hat, dann sieht man natürlich die schon seit langem bestehenden Veränderungen. Das darf man nicht fehlinterpretieren und einen Band- scheibenvorfall im MRT ausmachen und dem die Schuld zuschreiben. Deswegen ist es so wichtig, immer genau zu untersuchen, um auch einen vermeintlich akuten Band- scheibenvorfall als Schmerzursache auszuschließen.
Demzufolge muss genau geprüft werden, ob es wirklich ein Bandscheibenvorfall ist und es nicht nur im MRT danach aussieht.
Prof. Dr. Joachim Grifka:
Auch wenn tatsächlich ein Bandscheibenvorfall die Ursache für den Schmerz sein sollte, kann man gut ohne Operation zur Schmerzfreiheit kommen. Verhaltensmaß- nahmen und Training der Rumpfmuskulatur sind in diesem Fall der Schlüssel zum Erfolg.
Ein MRT ist also nur ein Puzzleteil in einem Gesamtbild. Die zutreffende Schlussfolgerung muss aber immer der behandelnde Arzt treffen!
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Die aktuellen Gesundheitsnachrichten mit Michael Weyland
Thema heute: MRT / Kernspintomographie übertreibt
Veröffentlicht am: 06.09.2026
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