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Elektro-Tretroller – Fluch oder Segen?

Rainer Strang, Auto-Medienportal.Net, sah sich um

Die Manager von Scooterhelden, Tier, Voi, Hawk oder Wonder Mobility haben eines gemeinsam: Ihnen leuchten die Augen.

Nachdem der Bundesrat vergangenen Freitag das innerstädtische Radwege- und Straßennetz in Deutschland für Tretroller mit Elektroantrieb freigegeben hatte, stehen Start-ups aus aller Welt bereit, um mit dem Verleih von E-Scootern per App einen weiteren wichtigen Markt zu erobern und dort gutes Geld zu verdienen.

Das wird ab Sommer so weit sein. Bis dahin will der Gesetzgeber die neue Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge verabschiedet haben. Erst dann dürfen sich Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren mit Elektrorollern ins innerstädtische Verkehrsgetümmel wagen – auf Radwegen, soweit vorhanden, ansonsten auf der Straße. Gehwege und Fußgängerzonen sind für Elektroroller tabu. Ist eine Einbahnstraße für Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung freigegeben, gilt dies auch für Elektro-Tretroller. Einen Helm muss der Fahrer nicht tragen. Die Geschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt. Das Fahrzeug muss haftpflichtversichert sein. Der Nachweis erfolgt über eine kleine Klebeplakette. Darüber hinaus gibt es Modelle, die 25 km/h schnell sind. Sie werden einem Mofa gleichgestellt, das heißt, sie benötigen ein Versicherungskennzeichen und der Fahrer einen Helm. Radwege sind hier in der Regel tabu, es sei denn, ein Zusatzschild sagt „Mofa frei“.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zählt zu den großen Verfechtern der Elektrorollermobilität. Der Politiker schwärmt: „Wir wollen neue Wege moderner, umweltfreundlicher und sauberer Mobilität in unseren Städten. E-Roller haben ein enormes Zukunftspotenzial. Zusammen mit dem ÖPNV sind sie eine echte zusätzliche Alternative zum Auto, ideal etwa für die letzte Meile von der U-, S-Bahn oder Bushaltestelle nach Hause oder zur Arbeit. Damit ebnen wir den Weg für die Mobilität der Zukunft und sorgen gleichzeitig für Sicherheit auf unseren Straßen.“

Auch für Gerhard Cromme, früherer Krupp-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender des Berliner Start-ups Flash, steht fest, dass die Mobilität in Zukunft eine andere sein wird als zurzeit und dass E-Scooter einen großen Erfolg haben werden. Flash bietet seine Roller zunächst in Herne an, ist aber ebenso wie seine Wettbewerber mit vielen anderen Städten im Gespräch. „Die Roller können über das Smartphone reserviert werden. Die Ausleihstandorte sollen für möglichst viele potenzielle Nutzer erreichbar sein“, erklärte Max Hüsch von Flash bei der Vorstellung des Projekts. Die Fahrzeuge, die Flash selbst entwickelt hat, werden über Nacht gewartet, gesäubert und aufgeladen.

Oberbürgermeister Frank Dudda ist stolz, dass Herne mit Flash ein deutsches Start-up auf höchstem Niveau gewinnen konnte. Mit der Ansiedlung zeige Herne, dass die Stadt Lust auf die Zukunft hat. Nachhaltige Mobilität solle das Stadtbild prägen.

Diesen Optimismus teilen nicht alle. Kritiker verweisen auf den schlechten Zustand des Radwegenetzes in den meisten Kommunen und darauf, dass die Trassen für Radler oft im Nichts enden. Nicht von ungefähr seien die schweren Unfälle mit Radfahrern im vergangenen Jahr dramatisch angestiegen. „Für die wachsende Zahl der Radfahrerinnen und Radfahrer ist in unseren Städten einfach zu wenig Platz“, moniert nicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC).

„Die Freude über die bevorstehende Zulassung von E-Scootern in Deutschland ist deutlich getrübt durch die fehlende Infrastruktur für diese Fahrzeuge“, stellt ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Storck fest. Aus allen Ländern, in denen Elektroroller schon unterwegs sind, wisse man, dass die Nutzer auf Gehwege ausweichen, wenn es keine Radwege gibt. Dort komme es dann zu Drängeleien mit Fußgängern und schweren Unfällen. „Deshalb brauchen wir jetzt ganz schnell doppelt so viel Platz für den Radverkehr und breite, holperfreie Radwege in den Städten“, fordert Storck.

Deutschlands Unfallchirurgen sehen die Bundesratsentscheidung ebenfalls kritisch und warnen vor den Gefahren der E-Scooter. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) rechnet mit steigenden Unfallzahlen. Christopher Spering, Leiter der DGOU-Sektion Prävention, hält E-Scooter im Stadtverkehr für hochgefährlich, auch weil sich andere Verkehrsteilnehmer nur extrem schwer darauf einstellen könnten.

Erste Praxistests im Dekra Technology Center haben gezeigt, dass der Verbraucher beim Kauf eines E-Scooters neben Zulassung und Versicherung auf Qualität achten muss, wenn er an seinem Fahrzeug Freude haben möchte. „Bei Billigprodukten sind Zweifel angebracht“, sagt Clemens Klinke, Mitglied des Dekra-Vorstands. „Auch in puncto Fahrsicherheit betreten wir Neuland. Vor allem die kleinen Räder, das Bremsverhalten und das Zusammentreffen unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf engem Verkehrsraum bergen Risiken.“

Während die E-Scooter in Deutschland noch gar nicht fahren dürfen und die Gefahren, mit denen ihr Einsatz verbunden sein könnte, heiß diskutiert werden, plagen Paris ganz andere Sorgen. Achtlos abgestellte oder zurückgelassene Mietroller sorgen in der französischen Hauptstadt für Ärger. Aktuell sind in der Seine-Metropole 12 000 Leih-Scooter unterwegs. Bis zum Jahresende werden es wohl bis zu 40 000 Stück sein. Jetzt hat die Stadt die Anbieter verpflichtet, das wilde Parken zu unterbinden und die Roller zu recyclen. Damit reagierte Paris auch auf eine Studie aus den USA, wonach die durchschnittliche Lebensdauer der Akku-Roller von Leihanbietern gerade einmal 28 Tage beträgt. Dann landen sie auf dem (Elektro-)Schrott. (ampnet/rs)

Foto: Auto-Medienportal.Net/Dekra

 


Veröffentlicht am: 22.05.2019

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