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Auf Tour im Rundum-Sorglos-Paket

Der Weinsberg Pepper im Praxistest

(Michael Kirchberger, Michael Kirchberger) Die meisten Camper schauen auf den Preis. Das rollende Ferienheim soll möglichst gut ausgestattet sein, oft jedoch sprengen die Extras den finanziellen Rahmen der Interessenten. Viele Hersteller versuchen deshalb, über Stückzahlen eine Vollausstattung bezahlbar zu machen.

Hobby etwa mit dem teilintegrierten Optima Edition, Forster buhlt mit den günstigen Livin’Up-Modellen um preissensible Kunden und Weinsberg legt den Caracompact Edition Pepper auf, der im Volksmund als Pepper über die Stellplätze tourt. Für wenig mehr als 50.000 Euro gibt es hier Extras, die sonst teuer zu bezahlen sind: Navigation, Markise, Satelliten-Schüssel samt Flachbildschirm sind an Bord. Dazu viele Sonderausstattungen, die für mehr Sicherheit und Komfort sorgen. Aber wie steht es bei diesen Schnäppchen mit der Qualität? Mit dem Pepper sind wir auf Tour gegangen, um das herauszufinden.

Der 6,75 Meter lange Teilintegrierte rollt auf dem Fiat Ducato und kostet in der Basisausstattung 54.999 Euro. Dafür ist beinahe alles an Bord, was das mobile Leben sicher und komfortabel macht. Zwei Grundrissversionen gibt es, wir waren mit dem 600 MF unterwegs, der anders als der 600 MEG mit seinen beiden Einzelbetten im Heck an gleicher Stelle eine französische Liege und einen seitlichen Waschraum bietet. Machen wir einen Rundgang.

Der Einrichtungsstil des Erfolgsmodells ist hell und freundlich, Brauntöne dominieren, glänzend weiß abgesetzte Möbelklappen sorgen für Kontrast. Die angenehm straffen Polster werden vom Schriftzug „Edition Pepper“ geziert, der dunkle Bodenbelag erweist sich als strapazierfähig und pflegeleicht. Fenix-Material setzt Weinsberg für die Oberflächen von Tisch und Küchenanrichte ein, das verhindert Fettflecken und schützt vor Spritzern. Die solide Eingangstür hat ein Insektenschutznetz ebenso das aufstellbare Panoramadachfenster im Bug.

Ein Brett als Hürde vor der Nachtruhe



Bis zur Pantry und der Halbdinette mit doppelter Tischplatte sind beide Grundrisse identisch, dann aber punktet der MF mit mehr Stauraum und einem größeren Sanitärabteil. Das rechts angeordnete Heckbett (201 mal 140 Zentimeter) ist von hinreichender Größe, auch der Einstieg ist für den an der Seitenwand Schlafenden komfortabel. Einzig die harte Bettumrandung will dabei überwunden werden, für kleinere Camper eine anspruchsvolle Übung. Auch liegt die Matratze nicht auf Tellerfedern, sondern auf einem Lattenrost, der zudem nicht zum darunterliegenden Stauraum geschlossen ist, irgendwo muss schließlich gespart werden. Gleich zwei Schränke schaffen Platz für umfangreiche Urlaubsgarderobe. Ein Kleider- sowie ein mit fünf Fächern unterteilter Wäscheschrank erlauben das Mitnehmen von Bekleidung für mehrere Wochen und alle Wetterlagen. Dass einer der Einlegeböden zu sparsam geschnitten war und deshalb nicht nur während der Fahrt um eine Abteilung nach unten fiel, sollte gerade der Knaus-Tochtermarke Weinsberg nicht unterkommen. Liegt die Heimat des Pepper doch im Bayerischen Wald, und dort gibt es weiß Gott genügend Holz.

WC-Fenster eines der wenigen Extras

Zum Duschen wird die an der Heckwand positionierte Kassettentoilette mit einer Trennwand abgeschottet. Das Brausevergnügen gewinnt durch das üppige Raumangebot, nur will das Wasser trotz zweier Abläufe in der Duschtasse nicht allzu zügig abfließen. Der Camping-Oscar gebührt jenem Konstrukteur, der es schafft, das gerade in dieser Klasse häufig zu erlebende Übel abzustellen. Wer das WC nutzt, muss die Beine nicht anziehen und kann alle Abstandsregeln einhalten. Aber das Ausstellfenster aus (Milch-)Plexiglas, das als eines der wenigen Extras in der Optionsliste für 251 Euro aufgeführt wird, ist überaus empfehlenswert. Der kleine Dachlüfter allein schafft keinen ausreichenden Luftaustausch im Hygieneabteil und verbessert die anrüchige Atmosphäre. Das Waschbecken ist vor der Sanitärraumtüre platziert, auch hier herrscht genügend Bewegungsfreiheit. Der dünne Vorhang, der das Bett wenigstens optisch trennt, kann nicht gegen Geräusche isolieren, abendliches Zähneputzen bleibt ebenso wenig ein Geheimnis wie das Spülen der Toilettenschüssel.

Die Zahl der 230-Volt-Steckdosen und USB-Anschlüsse ist gerade so ausreichend, an der Küche und im Schlafzimmer hätten wir uns wenigstens einen Ladepunkt mehr gewünscht. Abgesehen davon fehlt es dem Pepper an nichts. Corona-Sondersendungen oder Fußball-Geisterspiele können am 24-Zoll-Flachbildschirm verfolgt werden, der an der Vorderwand des Kleiderschranks an einer Schwenkmechanik befestigt ist. Die automatische Satellitenschüssel gehört ebenso zur Serienausstattung. Ohne Aufpreis gibt es außerdem die Vier-Meter-Markise an der rechten Aufbauwand sowie die Drehgestelle für Fahrer- und Beifahrersitz, damit sie sich als Fernsehsessel nutzten oder in die Sitzgruppe integrieren lassen. Die Truma-Gasheizung ist internetfähig (Gasvorrat zwei 11-Kilogramm-Flaschen) und der 90 Liter große Abwassertank (Frischwasservorrat 110 Liter) ist in einer beheizbaren Wanne eingebaut.

Fahrräder müssen auf den Heckträger

Der Ducato wird für die Edition Pepper ebenfalls erheblich aufgewertet. 16-Zoll-Leichtmetallräder gibt es ebenso wie in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger. Beifahrer-Airbag und Klimaanlage sind an Bord, außerdem ein DAB-Radio, das mit einem speziell für Camper konfigurierten Navigationssystem ausgerüstet ist. Leider versteht sich das Infotainment nicht mit iPods älteren Datums – ein leidiges Thema der Wegwerfgesellschaft. Das Weinsberg-Mobil dürfte jedoch längere Zeit Freude bereiten, der Hersteller gewährt immerhin zehn Jahre Garantie auf die Dichtigkeit des Aufbaus.

Eine gewisse Begeisterung weckte letztlich auch die Fahrt zur Waage, die dem mit umfangreicher Urlaubsausrüstung sowie der zweiköpfigen Crew an Bord beladenen und vollgetankten Pepper ein tatsächliches Gewicht von 3250 Kilogramm bestätigte. Bleiben 250 Kilogramm für Einkäufe, Vorräte und Souvenirs vom Urlaubsziel. Dafür bietet der Heckstauraum viel Platz. Fahrräder allerdings passen hier wegen des hinten angeordneten Waschraum nicht hinein, für sie braucht es einen Träger an der Heckwand.

Dass der Pepper dann doch etwas teurer als die Basisversion wurde, liegt an der Motorwahl. Das Grundmodell wird vom 2,3-Liter-Vierzylinderdiesel mit 140 PS angetrieben. Unsere Ausführung kam dank der stärkeren und 2915 Euro teureren Variante mit 160 PS (118 kW) und 420 Newtonmeter zügig und durchzugskräftig voran, verbrauchte dabei im Durchschnitt 10,4 Liter Treibstoff. Unterwegs klappert und knarzt nichts an Bord, die Verarbeitung macht bis auf Kleinigkeiten einen tadellosen Eindruck. So ist der Pepper für Weinsberg tatsächlich zu einem Klassenschlager geworden und eine Empfehlung wert. Konstruktiv gibt es keine Nachlässigkeiten und die wenigen Mängel wird der Händler spätestens beim ersten Inspektionstermin beseitigen können.

Fotos: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger

 


Veröffentlicht am: 15.04.2021

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