
Kaum eine Technologie hat sich je so rasant entwickelt wie Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren. Ein Ende des Fortschritts ist auch im gerade angebrochenen Jahr nicht abzusehen – im Gegenteil.
Die Technologie wird vermutlich Einzug in noch mehr Lebens- und Arbeitsbereiche finden. Gleichzeitig antwortet der Gesetzgeber auf Rufe nach strikterer Regulierung und Europa möchte sich in Sachen Digitalisierung unabhängiger machen. Angesichts dieser Gemengelage liegt ein äußerst spannendes Jahr vor uns. Die Technologie-Experten des Softwareherstellers d.velop haben vier besonders zentrale Trends für 2026 identifiziert:
Agenten und spezialisierte Integrationen: KI wird produktiver
Einer vielzitierten MIT-Studie zufolge scheitern 95 Prozent der KI-Pilotprojekte und liefern nicht den erhofften Mehrwert. In dieser Auswertung zeigt sich unter anderem, dass es zwar hohe Adoptionsraten von Tools gibt, echte Transformation allerdings oft fehlt. So kommen beispielsweise Standard-Chatbots wie ChatGPT zum Einsatz, maßgeschneiderte Lösungen und eine echte Integration in bestehende Prozesse fehlen jedoch häufig. Dies ist einerseits aus Sicht der Workflows nicht ideal, da Mitarbeitende die Anwendung wechseln müssen. Andererseits kann diese Art der KI-Nutzung aber auch zu ernsthaften Datenschutz- und Datensicherheitsproblemen führen. Zudem sind die Ergebnisse allgemeiner Modelle nicht für alle Spezialaufgaben geeignet.
Doch auch bei KI lernt man aus Fehlern und wir nähern uns dem Tal der Desillusionierung, nach dessen Durchschreiten die Technologie das Plateau der Produktivität erreichen wird. Dazu werden im neuen Jahr native, spezialisierte KI-Integrationen für eine Reihe von Software-Lösungen beitragen, die Mitarbeitende direkt in gewohnten Workflows unterstützen.
Außerdem werden KI-Agenten Automatisierung neu definieren: Sprechen wir heute von Automatisierung, geht es dabei oft um starre Verfahren nach einer Wenn-Dann-Logik. Aus einem vordefinierten Pool von Aktionen wird eine entsprechend der gegebenen Parameter ausgewählt. KI-Agenten gehen dagegen weit über dieses starre System hinaus und können selbstständig Situationen bewerten, Optionen abwägen, Ideen entwickeln und schließlich sogar Handlungen vorbereiten – ein echter Paradigmenwechsel und Meilenstein.
Striktere Regularien und Furcht vor Abhängigkeiten: Digitale Souveränität wird geschäftskritisch
Von Cloud-Angeboten bis hin zu Office Suites – in Europa manifestiert sich immer mehr der Wunsch nach lokalen Alternativen. Und dies nicht nur im Behördenumfeld, sondern auch in der Wirtschaft. In der angespannten weltpolitischen Lage können Abhängigkeiten schnell zum Problem werden. Beispielsweise wurde im letzten Jahr der Zugriff auf Microsoft-Dienste für hochrangige Vertreterinnen und Vertreter des Internationalen Strafgerichtshofs nach Differenzen mit der US-Regierung eingeschränkt. Die Behörde will nun zukünftig auf eine europäische Alternative setzen.
Gleichzeitig gibt es immer mehr europäische Cloud-Angebote, die eine Alternative zu den großen Hyperscalern bieten und die Einhaltung europäischer Regularien sicherstellen können. 2026 werden immer mehr SaaS-Angebote auch als „Hosted-in-Europe“-Variante verfügbar sein, um dem Wunsch nach Unabhängigkeit gerecht zu werden.
Wallet für alle: Digitale Identitäten fördern eine effizientere Verwaltung
Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen ihren Bürgerinnen und Bürgern bis Ende 2026 eine kostenfreie digitale Brieftasche für elektronische Identitäten zur Verfügung stellen – so sieht es die novellierte eIDAS-Verordnung vor. Die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) bietet mit der Anbindung an die BundID großes Potenzial, um Authentifizierungsverfahren bei der Interaktion mit Behörden zu vereinfachen und Medienbrüche zu vermeiden. Auch Unternehmen in regulierten Bereichen können davon profitieren, etwa durch einfache Know-Your-Customer-(KYC)-Prozesse im Finanzwesen. Doch um die Vorteile nutzen zu können, müssen sich sowohl Behörden als auch Unternehmen auf die neue EUDI-Infrastruktur vorbereiten und Schnittstellen schaffen.
Verbindliche Regeln für KI: Der AI Act wird weiter ausgerollt
Bereits im August 2024 trat der AI Act der EU in Kraft, der erstmals ein umfassendes, europaweites Regelwerk für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz schafft, um vertrauenswürdige und menschenzentrierte KI zu fördern und Risiken wie Diskriminierung oder Intransparenz zu minimieren. Das Gesetz verfolgt dabei einen risikobasierten Ansatz mit vier Kategorien: „Unzulässiges Risiko“ (z.B. Social Scoring oder Echtzeit-Gesichtserkennung), „Hohes Risiko“ (z.B. KI in kritischen Infrastrukturen, Bildung oder Justiz), „Transparenzpflichten“ (z.B. Kennzeichnung von Deepfakes) sowie „Minimales Risiko“. Die entsprechenden Regeln treten nach gestaffelten Fristen in Kraft: Bereits seit Februar 2025 gelten Verbote für unzulässige Risiken.
Im August 2026 endet dann die zweite, 24-monatige Umsetzungsfrist für Hochrisikosysteme, die weitere Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht stellt. Dabei werden allerdings nicht nur die Anbieter von KI-Modellen, sondern auch die anwendenden Unternehmen in die Pflicht genommen. Jetzt ist es also dringend geboten, sich auf die neuen Anforderungen vorzubereiten – von Dokumentation und Compliance bis hin zu technischen Anpassungen.
Foto: Pixabay
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Veröffentlicht am: 22.01.2026
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