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Noch immer Platzhirsch

... ist für Jens Meiners, Auto-Medienportal.Net, der Porsche 911 Turbo

Einen Turbomotor hat inzwischen jeder Porsche 911 - mit Ausnahme des GT3. Doch nur einer heißt so: Der 580 PS (427 kW) starke 911 Turbo, der in der Traditionslinie des brutalen 930 steht und mit dem die Zuffenhausener Manufaktur Mitte der 70er-Jahre ihren Dominanzanspruch im Sportwagen-Sektor eindrucksvoll dokumentierte.

Der Urahn leistete erst 260, dann 300 PS und zeichnete sich durch seinen ungestümen, fast wüsten Antritt aus. Und genau das ist auch die Domäne der jetzt vorgestellten Turbo-Variante auf Basis der Baureihe 992. Kaum ein Fahrzeug lässt sich mit derartiger Vehemenz in Richtung Horizont katapultieren. Der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert ganze 2,8 Sekunden, die Spitze liegt bei glatten 320 km/h. Verantwortungsvolle Fahrer werden sich darauf beschränken, dieses Tempo nur unter günstigen Umständen auszufahren.

Die Fahrer eines 930 Turbo hätten über ein Automatikgetriebe noch müde gelächelt, heute sind die Automaten von völlig anderem Charakter. Die Performance des im 992 Turbo verbauten ZF-Achtgang-Aggregats mit Doppelkupplung ist so überzeugend, dass Porsche die Handschaltung längst gestrichen hat. Wer Spaß am direkten Durchgriff per manueller Schaltung hat, wird in dieser Preisklasse auf den GT3 verwiesen.

Wählhebel erinnert an Braun-Rasierer



Einen Kompromiss würden wir Porsche aber trotzdem gerne ans Herz legen: Es wäre schön, wenn der 911 Turbo über eine manuelle Schaltgasse verfügte, mit der man – alternativ zu den Lenkradpaddeln – die Übersetzung einlegen kann. Der an einen Braun-Elektrorasierer erinnernde Wählhebel auf der Mittelkonsole passt vielleicht zu einem VW Golf, nicht aber zu einem Supersportwagen.

Es ist eine eindrucksvolle Leistung, welch querdynamisches Potential Porsche aus dem eigentlich nicht sonderlich günstigen Heckmotor-Konzept herausholt. Das erst im Grenzbereich herausdrängende Heck bleibt perfekt kontrollierbar, die elektronischen Fahrdynamiksysteme leisten ganze Arbeit. Dank ausgeklügelter, über die Generationen hinweg kontinuierlich verbesserter Aerodynamik ist die Bodenhaftung auch im obersten Geschwindigkeitsbereich perfekt – das war nicht immer so.

Auch auf der Langstrecke komfortabel

Der 911 Turbo ist jedoch nicht nur extrem schnell, sondern auch auf Langstrecken komfortabel genug. Dafür sorgen die durchaus geräumige Kabine, das aufgeräumte Cockpit und eine Fahrwerksabstimmung, die sich durch Ausgewogenheit auszeichnet. Zudem ist der 911 Turbo übersichtlich. Es gibt keinen anderen Sportwagen dieser Leistungsklasse, der sich auch im Stadtverkehr so angenehm bewegen lässt, wenngleich die Radhäuser einigermaßen füllig geraten sind.

Derartige Perfektion lassen sich die Zuffenhausener entsprechend vergüten: Für einen 911 Turbo müssen mindestens 185.487 Euro den Besitzer wechseln. Und dabei ist noch reichlich Raum nach oben: Die Aufpreisliste hält unzählige Zusatzpositionen feil, und es gibt auch noch eine Turbo-S-Variante mit weiteren 70 Pferdestärken. Viel Geld, das für den Enthusiasten dennoch sehr gut angelegt ist. Und zwar nicht nur wegen seiner sachlichen Qualitäten: Auch dieser Turbo wird - wie bislang alle seiner Vorgänger - irgendwann zum gesuchten Sammlerobjekt avancieren.

Fotos: Auto-Medienportal.Net/Porsche

 


Veröffentlicht am: 19.01.2021

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