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Der Maserati Ghibli Diesel

So ärgert man die Etablierten

(Axel F. Busse) Auch Besserverdienenden gebricht es manchmal an Mut, wenn es um die Wahl des eigenen Pkw geht. „Standesgemäß“ soll der fahrbare Untersatz sein, hochkomfortabel natürlich, aber eben nicht zu auffällig und extrovertiert.

Da zieht es sie zu tausenden in die Showrooms der deutschen Premiummarken, Hersteller wie Maserati oder Cadillac haben das Nachsehen. Das Mittel der Italiener gegen dieses Phänomen heißt „Gran Lusso“, also großer Luxus zum Inklusivpreis. Wie das beim Maserati Ghibli aussieht, klärt unser Fahrbericht.

Die deutsche Zulassungsstatistik gibt Maserati genug Grund, bei der Ausstattung draufzusatteln, gingen die Neuanmeldungen binnen eines Jahres doch um rund 15 Prozent zurück. Besonders beim SUV Levante machte sich der Einbruch bemerkbar, aber auch die Limousine Ghibli kam nicht ungeschoren davon. Sie gibt es jetzt in der Version Gran Lusso, die als Diesel seit dem Modelljahr 2016 einen zusätzlichen AdBlue-Tank für die SCR-Abgasreinigung hat. Der V6-Selbstzünder leistet 275 PS (202 kW) und wuchtet 600 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterachse.

Da das Modell Quattroporte noch eine Nummer größer ist, muss der Ghibli trotz seiner fast fünf Meter Länge der gehobenen Mittelklasse zugerechnet werden. Im Straßenbild fällt es ihm leicht, bella figura zu machen und seine auffällige Erscheinung wird allenthalben mit neugierigen Blicken quittiert. Der tiefsitzende Frontgrill mit dem Dreizack, die geschmeidige Linienführung und die vier Endrohre unter der Heckschürze sind untrügliche Zeichen für einen Sonderstatus zwischen Flensburg und Garmisch.

Einen Sonderstatus reklamiert der Ghibli für sich auch im Innenraum: Zwar ist, wie bei vielen Pkw, das konventionelle Zündschloss durch eine Startertaste ersetzt, jedoch befindet sie sich links vom Lenkrad. Zu der geheimen Bruderschaft der Linksstarter gehören zum Beispiel auch Porsche und Bentley, ebenfalls wie Maserati Marken mit einer glorreichen Rennsport-Tradition. Angeblich sollte die Platzierung des Zündschlosses winzige Zeitvorteile beim Anlassen des Motors bringen, insbesondere dann, wenn wie in Le Mans jahrzehntelang üblich, die Piloten zum Start quer über die Strecke sprinten mussten, um sich mit kühnem Schwung hinters Lenkrad zu werfen. Zu den nostalgischen Reminiszenzen kann man getrost auch die analoge Borduhr zählen, die mittig auf der Armaturenabdeckung thront und mit einer eigenen, lederbezogenen Hutze versehen ist.

Andernorts will man sich technische Nostalgie nicht mehr leisten. Wurde den ersten Exemplaren der 2013 neu aufgelegten Baureihe Ghibli noch eine gewisse Großzügigkeit im Umgang mit handwerklicher Präzision nachgesagt, so gibt es heute an der Verarbeitungsqualität nichts zu tadeln. Knistern, schmirgeln, knarzen oder was sonst auf nicht ganz passgenaues Zusammenfügen von Bauteilen hindeuten könnte, ist selbst auf Huckelpisten nicht zu vernehmen.

Dafür spielt sich der Dieselmotor umso mehr in den Vordergrund, zumindest dann, wenn er auf dem Weg zu seiner Betriebstemperatur ist. Die lange Geschichte des Motorenherstellers VM Motori und dessen Bedeutung für Lkw-Antriebe bleibt also auch im Ghibli bis auf weiteres akustisch präsent. Technisch ist er absolut zeitgemäß, denn die Common-Rail-Einspritzung und Turbolader mit variabler Turbinengeometrie sind State auf the Art. Ab 2000 Umdrehungen gibt der Motor sein bäriges Drehmoment von 600 Newtonmetern frei, was zu einem Durchzug von 6,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 führt. Akustischen Optimierungsbedarf ließ der Testwagen noch beim Abrollkomfort der Reifen erkennen. Die montierten Pirelli P Zero Pneus blieben selbst auf erstklassigem Asphalt geräuschvoller, als man es einer Luxuslimousine zubilligen möchte.

Im Cockpit bleiben zwei Auffälligkeiten im Gedächtnis: Die hellen Ziernähte auf den schwarzen Lederflächen sehen zwar schmuck und edel aus, jedoch dann nicht, wenn sie sich bei entsprechendem Lichteinfall in der Frontscheibe spiegeln. Das stört. Nummer zwei: Maserati hält tapfer zu den fest stehenden Schaltpaddeln fürs Getriebe. Sie müssen deshalb eine gewisse Mindestgröße haben, und so ist zumindest die linke Alu-Wippe gern mal im Weg, wenn man mit den Fingern eigentlich den dahinterliegenden Lenkstockhebel erreichen will.

Das Platzangebot ist vorn reichlich bemessen, die Innenbreite auf Höhe der Fensterlinie beträgt 1,47 Meter. Hinten sind es 1,44 Meter was durchaus mit der Tatsache korrespondiert, dass auch die Beinfreiheit nicht berauschend ist. Als Pluspunkt ist die niedrige Ladekante von 66 Zentimetern zu werten, denn in 500 Liter Kofferraum geht allerhand rein und so ist es weniger anstrengend.

Das inzwischen unverzichtbare Arsenal an Assistenzsystemen steht natürlich auch für den Ghibli zur Verfügung. Nur ist leider nicht alles automatisch im Gran Lusso-Paket enthalten. Mitgeliefert wird in jedem Falle eine Seiden-/Lederausstattung von Ermenegildo Zenga, 19-Zoll-Leichtmetallfelgen, das Navigationssystem, Soft-Close-Automatik für die Türen, zwölffach einstellbare Sitze, Matrix-LED-Scheinwerfer, Keyless-Entry-System und Brembo-Bremsanlage.

Sieht man einmal von der etwas rustikalen Anlauf-Tonart des Motors ab, präsentiert er sich mit zunehmender Fahrtdauer als Vorbild an Kultiviertheit und Wirtschaftlichkeit. Bekanntlich erreichen nur wenige Testwagen in der Praxis den Verbrauchswert, der ihnen vom Hersteller zugeschrieben wird. Der Maserati Ghibli Diesel beendete den Testzyklus mit 7,4 Liter/100 km auf dem Bordcomputer (7,5 l Herstellerangabe), und das, obwohl er mit 2090 Kilogramm (bei halbvollem Tank) noch 100 kg mehr wog, als laut Zulassung vorgesehen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass im Betrieb die Zurückhaltung überwog und keine Veranlassung bestand, den sportlichen Viertürer an den Rand seiner Leistungsreserven zu bringen.

Fazit: Der Klang des Markennamens ist Gold wert und das weiß man in Modena. Also gibt es keinen Grund, in einem Preiswettbewerb mit Mercedes, BMW oder Audi zu treten. Selbstbewusst positioniert sich der Ghibli und verlangt eine stattliche Summe für ein hochwertig ausgestattetes Auto. Man appelliert so an den Rest von Nonkonformismus, der in jedem Wohlhabenden stecken könnte. Leistungs- und ausstattungsmäßig ist die Limousine auf Augenhöhe und wer das Nageln nicht leiden kann, soll halt zum Benziner greifen. Das tun auch beim Ghibli immer mehr Kunden in Deutschland. (ampnet/afb)

Foto: Auto-Medienportal.Net/Axel F. Busse

 


Veröffentlicht am: 08.08.2019

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