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GEFÜHLTE WAHRHEITEN. ZEPPELINE UND NATIONALSOZIALISMUS

... im Zeppelin Museum



2026 feiert das Zeppelin Museum sein 30jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass stellt sich das Museum in der Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ seiner eigenen Geschichte und arbeitet die Verstrickungen zwischen Luftschiffbau und NS-Staat erstmals umfassend auf. 


Leitend sind dabei Gefühlte Wahrheiten, ein Phänomen, das auf subjektiven, emotionalisierten Annahmen beruht: Aussagen, die wir irgendwo mal gehört und nie hinterfragt, die sich im Laufe der Zeit verstetigt haben und belegbare Fakten konsequent verdrängen. Sie ziehen sich als Leitfaden durch die Ausstellung und das Museum; sie dienen als Gerüst, um verklärende Erzählungen der Zeppelingeschichte zu dekonstruieren.

Gefühlte Wahrheiten bestimmen bis heute auch das Bild der Zeppeline als nostalgisch verklärte, positive Technik. So hält sich etwa der Glaube, Zeppeline und die Konzerne, die sie bauten, seien unpolitisch gewesen. Doch ob in der Kaiserzeit oder der Weimarer Republik – Zeppeline waren bereits vor der NS-Zeit ideologisch und politisch stark aufgeladen.

Ab 1933 waren die Zeppeline und die Menschen, die sie bauten und betrieben, direkt in den NS-Staat und seine propagandistische Selbstdarstellung eingebunden. Dass dies ausschließlich unfreiwillig und ohne Begeisterung geschah, ist ein Beispiel verklärender Erzählungen, die in der Zeit nach 1945 entstanden und bis heute wirksam sind. Auch für die Selbstwahrnehmung und die Außendarstellung des Industrie- und Rüstungsstandorts Friedrichshafen spielen sie nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Um diesem komplexen Thema gerecht zu werden, sucht die Ausstellung einen multiperspektivischen und interdisziplinären Ansatz: Sie eröffnet den Blick mit Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus 1933–1945 im Kontext historischer Kontinuitäten und erschließt das Verhältnis der Luftschiffbau Zeppelin GmbH zum Nationalsozialismus sowohl über „Schlüsselpersonen“ als auch über symbolische „Schlüsselereignisse“. So wird den graduellen politischen Verschiebungen und Verschärfungen in der Gesellschaft nachgespürt, die, ähnlich unserer Gegenwart, gefühlt überall sind. Diese Mechanismen aufzuzeigen und sich beschönigenden Narrativen und Leerstellen bewusst dekonstruktiv entgegenzustellen, ist das erklärte Ziel der Ausstellung. 

Dies geschieht auch durch die künstlerische Position von Jonas Englert, dessen Arbeit durch RE-SEARCH. Das ZF-Forschungsstipendium der ZF Kunststiftung gefördert wird. Im Mittelpunkt seines Werks steht das Luftschiff als visuelles und imaginäres Phänomen: Englert formuliert eine kritische Reflexion seiner Bildlichkeit und legt jene affektiven Strukturen und Funktionen offen, die unter der Oberfläche seiner Darstellungen wirken. 

Dieser medienkritische Ansatz wird in der Vermittlungsarbeit aufgegriffen, die Besuchenden notwendige (Medien-) Kompetenzen vermittelt, wie quellenkritische, erinnerungskulturelle Annäherung an die Vergangenheit gestaltet werden kann. Gerade hier zielt die Ausstellung auf die Verknüpfung historischer Forschungsergebnisse mit aktuellen kulturpolitischen Diskursen.

Zur Eröffnung der Ausstellung erscheint ein umfangreicher Begleitband, der auch neue Forschungsergebnisse dokumentiert und weitere Forschung anstoßen soll. 

Im Zuge der Ausstellung wurde Friedrichshafen als Austragungsort für die 5. Historische Fachtagung „Historisches Wissen und gesellschaftlicher Bildungsauftrag am Beispiel des Nationalsozialismus in Südwürttemberg“ ausgewählt, die am 17. und 18. Juni 2026 stattfinden wird. Organisiert wird die Tagung vom Forschungsbereich für Geschichte der Medizin am Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm in Ravensburg-Weissenau und dem Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben in Zusammenarbeit mit dem Zeppelin Museum Friedrichshafen. Schirmherr ist die Stadt Friedrichshafen.

Kurator*innen: Jürgen Bleibler (Leiter Abteilung Zeppelin), Felix Banzhaf (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Abteilung Zeppelin), Kathrin Wurzer (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Abteilung Zeppelin), Dominik Busch (Leiter Abteilung Diskurs & Kommunikation), Dr. Tabea Widmann (Referentin für Digitale Vermittlung und Formatentwicklung)

Projektleitung: Felix Banzhaf (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Abteilung Zeppelin)

Förderung: Kulturstiftung der Länder, ZF Kunststiftung, Lotto Museumspreis 2024

Zeppelin Museum Friedrichshafen
Seestraße 22
88045 Friedrichshafen
Deutschland
zeppelin-museum.de

Bild: Ausstellungsbanner

 


Veröffentlicht am: 15.05.2026

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