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TÜV-Report Omnibus

Fast jeder fünfte Bus fällt mit technischen Mängeln durch



Der sicherheitstechnische Zustand von Reise- und Linienbussen hat sich in Deutschland deutlich verschlechtert. In den Jahren 2024 und 2025 ist fast jeder fünfte geprüfte Bus (19,2 Prozent) mit „erheblichen“ oder „gefährlichen Mängeln“ bei der Hauptuntersuchung (HU) durchgefallen. Das ist das Ergebnis des „TÜV-Report Omnibus 2026“. 

Im Vergleich zum Bus-Report 2024 ist das ein Anstieg um 5,1 Prozentpunkte. Weitere 11 Prozent sind mit „geringen Mängeln“ beanstandet worden (plus 0,5 Punkte). Der Anteil mängelfreier Busse sinkt um 5,6 Punkte auf 69,8 Prozent. „Die Ergebnisse des aktuellen Bus-Reports sind alarmierend“, sagt Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim TÜV-Verband. „Die Mängelquoten steigen zum zweiten Mal in Folge kräftig. Insbesondere jüngere Fahrzeuge schneiden bei den Prüfungen schlechter ab. Bereits ein Jahr nach der Neuzulassung fällt jeder zehnte Bus durch die HU.“ Der Anteil liegt mehr als doppelt so hoch wie noch vor zwei Jahren. Unter den vier Jahre alten Fahrzeugen hat gut jeder fünfte Bus erhebliche Mängel. „Viele Unternehmen in der Personenbeförderung stehen unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck“, sagt Goebelt. „Das führt offenbar dazu, dass sie der Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge nicht die nötige Aufmerksamkeit widmen. Das geht über kurz oder lang zulasten der Verkehrssicherheit.“

Mängelquoten steigen mit dem Alter der Fahrzeuge

Für den TÜV-Report Omnibus 2026 sind rund 67.000 Hauptuntersuchungen der TÜV-Organisationen in den Jahren 2024/2025 ausgewertet worden. Fahrzeuge für die Personenbeförderung müssen einmal pro Jahr zur HU. Ab dem dritten Jahr nach der Neuzulassung findet alle drei Monate eine Sicherheitsprüfung statt, sofern nicht die HU ansteht. Mit dem Alter der Fahrzeuge steigen die Mängelquoten an. 21 Prozent der 5 Jahre alten Busse werden bei der HU mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln beanstandet und bei den 15-Jährigen 24,1 Prozent. Das Durchschnittsalter von Bussen liegt laut Kraftfahrt-Bundesamt aktuell mit 8,3 Jahren auf dem Niveau des Vorjahres. „Anders als bei Pkw ist das Durchschnittsalter der Bus-Flotte in Deutschland weitgehend stabil“, sagt Goebelt. Das spreche für regelmäßige Ersatzbeschaffungen der Busunternehmen. 

Zum 1. Januar 2026 ist der Bus-Bestand in Deutschland um 2,3 Prozent auf rund 87.500 Fahrzeuge gestiegen. Das ist ein historischer Höchststand. „Nach Anzahl der beförderten Personen hat der Nahverkehr mit Bussen im Jahr 2025 erstmals wieder das Vor-Corona-Niveau aus dem Jahr 2019 erreicht“, sagt Goebelt. Dagegen liege der Fernverkehr weiter um die Hälfte darunter. Laut TÜV Bus-Report 2026 liegt die durchschnittliche Laufleistung der Fahrzeuge bei 396.000 Kilometern – ein leichtes plus von 2 Prozent im Vergleich zum letzten Report.

Technische Mängel können bei Busunfällen eine Rolle spielen

Der am häufigsten auftretende technische Mangel ist mit 6,3 Prozent Ölverlust an Motor oder Antrieb, der bei Unfällen brandbeschleunigend wirken kann (plus 1,2 Punkte). Weitere Schwachstellen sind Beleuchtungsmängel, vor allem defekte Rückleuchten mit 4,2 Prozent (plus 0,4 Punkte), sowie Mängel an der Bremsanlage wie riefige Scheiben, defekte Bremsleitungen oder Störungen der Bremsfunktion (aggregiert 5,3 Prozent). „Die bei den Prüfungen entdeckten technischen Mängel sind bei regelmäßiger Wartung leicht zu entdecken und in der Regel mit geringem Aufwand zu beheben“, sagt Goebelt.

Busse gelten als sehr sichere Verkehrsmittel. Dennoch kommt es immer wieder zu schweren Bus-Unfällen, bei den Menschen zu Schaden kommen. Im Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt 6.118 Verkehrsunfälle mit Personenschaden registriert, an denen Reise- oder Linienbusse beteiligt gewesen sind (plus 3 Prozent). Dabei sind 9.917 Personen verunglückt (plus 4,5 Prozent), von denen der Großteil leicht verletzt worden ist. 61 Personen sind im Jahr 2024 bei Busunfällen getötet und 839 schwer verletzt worden. „Unfallursache ist in der Regel menschliches Fehlverhalten, aber auch technische Mängel können eine Rolle spielen“, sagt Goebelt. Daher sei es wichtig, dass die Busunternehmen verstärkt in die Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge investieren. Goebelt: „Darüber hinaus müssen die bei der Personenbeförderung vorgeschriebenen Abfahrtskontrollen gewissenhaft durchgeführt und die Einhaltung der Anschnallpflicht in Reise- und Fernbussen kontrolliert werden.“

Moderne Busse brauchen moderne Prüfverfahren

Mit Blick auf die technologische Entwicklung moderner Kraftomnibusse müssen aus Sicht des TÜV-Verbands die Prüfverfahren weiterentwickelt werden. Neben klassischen sicherheitsrelevanten Baugruppen wie Bremsen, Lenkung, Fahrwerk, Reifen und Beleuchtung gewinnen elektronische Sicherheitssysteme, Fahrerassistenzfunktionen, Sensorik, Softwarestände sowie Hochvolt- und Batteriesysteme bei Elektro- und Hybridbussen zunehmend an Bedeutung. „Moderne Busse brauchen eine moderne technische Überwachung: datenbasiert, unabhängig und nah an den sicherheitsrelevanten Systemen“, sagt Goebelt. Die periodische technische Überwachung muss künftig stärker darauf ausgerichtet werden, sicherheitsrelevante Fehlfunktionen, Manipulationen oder nicht ordnungsgemäß durchgeführte Softwareänderungen zuverlässig zu erkennen.

Eine besondere Rolle spielt die Sicherheitsprüfung für Kraftomnibusse: Sie ergänzt die jährliche Hauptuntersuchung durch engmaschige Kontrollen besonders sicherheitsrelevanter Komponenten und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit im Personenverkehr. Angesichts steigender Mängelquoten, hoher Laufleistungen und wachsender technischer Komplexität sollte dieses bewährte Prüfinstrument gezielt an neue Fahrzeugtechnologien angepasst werden.

Grafik: TÜV-Verband e.V.

 


Veröffentlicht am: 22.05.2026

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