
Übergewicht, oder präziser: ein stressbedingt erhöhter Körperfettanteil, entsteht nicht durch zu viel Essen, davon ist Andreas Winter überzeugt. Sein neuer Ratgeber „Annehmen durch Abnehmen“ bietet einen Perspektivwechsel. Der tiefenpsychologische Ansatz und ein zehntägiges Programm verhelfen zur Lösung unbewusster emotionaler Belastungen und fördern so die innere Heilung und ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper. Erhältlich als Buch und Hörbuch.
Die Diätindustrie boomt: Appetitzügler und Abnehmspritzen, Ernährungsberater und Fitnessinfluencer, Keto oder Paleo, Low Carb oder High Protein – jedes Jahr kommen neue Wundermittel und -programme auf den Markt, doch steigt die Zahl der Übergewichtigen kontinuierlich weiter. Das zeigt, dass Diäten kein Heilmittel sind, sondern ein Geschäftsmodell, das vom Scheitern der Betroffenen lebt.
Nicht erst seit seinem Bestseller „Abnehmen ist leichter als Zunehmen“ geht Andreas Winter einen radikal anderen Weg. Der studierte Diplom-Pädagoge und Leiter eines der ältesten Coaching-Institute Deutschlands hat einen tiefenpsychologischen Ansatz entwickelt, bei dem es um das Verständnis der emotionalen Mechanismen geht. Sein neues Buch „Abnehmen durch Annehmen“ ist deshalb kein Ratgeber für eine Bikinifigur, sondern eine Einladung zur Selbstbefreiung: „Sie finden in diesem Buch Fallgeschichten aus meiner über 30-jährigen Praxiserfahrung, fundierte psychologische Erklärungen, einen humorvollen Blick auf scheinbar ernste Themen – und ein alltagstaugliches Begleitprogramm für zehn Tage, das tiefgreifender wirkt als jede Kalorientabelle.“
Die „Winter-Diät“ verlangt nicht Disziplin oder Genussverzicht; vielmehr unterstützt sie dabei, die unbewussten Ursachen des Essverhaltens zu erkennen und zu ändern. Andreas Winter geht es um nichts weniger als Selbstannahme und den Weg zu Heilung, Freiheit und Leichtigkeit.
Interview mit dem Diplom-Pädagogen und Bestseller-Autor Andreas Winter

Ihr neues Buch ist die Weiterentwicklung all dessen, was sich in Ihrer tiefenpsychologischen Arbeit bewährt hat. Was hat sich seit dem Erscheinen Ihres Bestsellers „Abnehmen ist leichter als Zunehmen“ getan?
Winter:
Eine Menge! Seit 2007 haben mich unzählige Zuschriften erreicht von Leuten, die sagten: „Ich habe abgenommen, ohne Diät, ohne Sport, ohne Quälerei – einfach nur durch Verstehen!“ Das fand ich wunderbar. Ich hatte das Gefühl, mit meinem Ansatz einen wichtigen Beitrag zum Verstehen und Behandeln von Adipositas geleistet zu haben. Viele Abnehm-Coaches, Trainer und Berater haben seitdem meinen Ansatz mit in ihre Angebote einfließen lassen. Es spricht sich langsam herum, dass Zunehmen nichts mit übermäßigem Essen zu tun hat. Doch gab es auch leider immer mal Menschen, die sagten: „Ich verstehe alles, aber ich kriege die Umsetzung nicht hin.“ Also habe ich nachgelegt: ein Praxisbuch, eine Audiocoaching-CD, DVDs, Vorträge und Hunderte Forenbeiträge. Und dennoch gab es einige, die trotz aller Werkzeuge scheiterten. Das brachte mich auf die entscheidende Entdeckung: Es fehlte nicht an Motivation, sondern an Relevanz. Zu groß war die Verlockung, in der Komfortzone zu bleiben, in der man sich seit Jahren eingerichtet hatte. Das neue Buch ist keine „Optimierungsneuauflage“, sondern eine Weiterentwicklung. Es ist tatsächlich anders als meine bisherigen Bücher. Zwar wie gewohnt tiefenpsychologisch fundiert, praxisnah, humorvoll, angereichert mit all den Fallbeispielen, Erfahrungen und Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte – aber es ist vor allem eines: ein Botschafter für den Frieden mit dem eigenen Körper.
Die Diätindustrie boomt, und jedes Jahr kommen neue Wundermittel und -programme auf den Markt. Warum steigt die Zahl der Übergewichtigen dennoch weltweit weiter an, und was unterscheidet die „Winter-Diät“ von den anderen Angeboten?
Winter:
Ganz einfach: Die Diätindustrie bekämpft den Körper. Neben Ess-Verboten gibt es Magen- Operationen, Abführmittel, Bandwürmer, Sättigungsmittel und Appetitzügler im Angebot. Das alles erzeugt Stress, Schamgefühle, Wut, Widerstand. Und setzt den Hebel am völlig falschen Ende an. Meine Methode hingegen bekämpft nichts, sondern hilft, den eigenen Körper und die eigenen Emotionen zu verstehen. Die meisten Schlankheits-Programme ignorieren den entscheidenden Mechanismus: Fett entsteht nicht durch Essen, sondern durch Angst – konkret durch die Angst vor Mangel. Cortisol, Insulin und viele weitere Neurotransmitter entscheiden, ob Kohlenstoff und Wasser ausgeschieden, in Energie verwandelt oder nun einmal als Fett eingelagert werden. Diäten sagen: „Iss das Richtige.“ Ich sage: „Iss aus dem richtigen Grund!“ Näheres dazu erläutere ich im Buch. Mein Ansatz, den ich manchmal „die Winter-Diät“ nenne, ist keine Diät im eigentlichen Sinn ... aber doch eine Art Sonderbehandlung, nicht für den Körper, sondern für die Emotionen. Sie wirkt wie eine psychische Sicherheitsreform: Wenn der innere Alarm ausgeschaltet wird, baut der Körper seinen schützenden Ballast ganz von selbst ab.
Sie haben nach eigenen Angaben keinen Ratgeber für eine Bikinifigur geschrieben, sondern eine Einladung zur Selbstbefreiung. Warum gelingt es damit trotzdem, überflüssige Pfunde zu verlieren und vielleicht sogar ein bisschen attraktiver zu werden?
Winter:
Weil Attraktivität nichts mit Modelmaßen oder dem Modestyle, sondern mit Selbstsicherheit zu tun hat. Wenn wir uns befreit fühlen, sieht man das – Schultern gehen hoch, Augen werden wach, Gesicht entspannt sich. Der Öffnungsgrad der Pupillen und Augenlider erhöht sich, wir wirken nicht mehr ängstlich, kontrollierend, perfektionistisch, misstrauisch, sondern souverän, anziehend. Tatsächlich nehmen viele schon beim Lesen ab, bevor sie überhaupt die erste Übung gemacht haben – einfach, weil die Erkenntnis über die Ursachen des Zunehmens Druck löst und damit weniger Stresshormone produziert werden. Und ein stressfreier Körper ist ein natürlicher Ästhet: Er reguliert sich selbst. Schönheit ist ein Nebenprodukt innerer Sicherheit. Ein Mensch, der sich mag, strahlt. Und der Körper folgt den Gedanken. Nicht Schlanksein macht glücklich, selbstsicher und attraktiv, sondern umgekehrt: Selbstsicherheit macht glücklich, attraktiv und schlank.
Bereits in Ihren früheren Büchern haben Sie die provokante These vertreten, dass Übergewicht nicht durch zu viel Essen entsteht, sondern durch Stress. Welche biologischen und psychologischen Prozesse stehen hinter diesem Notfallprogramm des Körpers?
Winter:
Ich muss immer schmunzeln, wenn meine Aussage als „provokante These“ bezeichnet wird – ich höre das oft. Wir nehmen doch alle viel mehr Kalorien zu uns, als wir verbrauchen, werden aber nicht alle dick. Das werden diejenigen von uns, die das Gefühl haben, sie hätten zu wenig. Durch diesen emotionalen Stress werden Botenstoffe ausgeschüttet – allen voran Cortisol –, die aus Wasser und Kohlenstoff Fett machen. Dieser Zusammenhang ist übrigens gar nicht so neu. Die klinische Basis über Cortisol, Emotionen und Übergewicht stammt von dem US-Neurologen Harvey Cushing aus dem Jahre 1912; die moderne Grundlagenforschung wurde vor allem durch den Schweden Per Björntorp um 1990 bis 2000 gelegt und durch Humanstudien wie die von Elissa Epel (USA 2000) gestützt. Erkennen und Auflösen des Zunehm-Musters benötigen ein wenig Zeit, aber man muss dazu der Diätindustrie kein Geld in den Rachen werfen – und ganz sicher braucht man weder eine Schlankheitsspritze noch ein Magenband.
Abnehmen sei nicht nur leichter als Zunehmen, sondern geschehe sogar automatisch durch Annehmen – um Ihre Botschaft etwas verkürzt zusammenzufassen. Bitte erläutern Sie das gerne näher: Was muss eigentlich angenommen werden, um letztlich etwas loszuwerden?
Winter:
Annehmen muss man die Tatsache, dass man nicht übergewichtig ist, weil man krank, faul oder undiszipliniert ist, sondern weil man sich bei emotionaler Belastung mit Essen oder den Gedanken an Essen getröstet hat. Vergleichbar einem Baby, das bei Kummer die Brust, das Fläschchen oder den Schnuller bekommt und dadurch „gestillt“ wird, also aufhört, sich bedroht zu fühlen. Da diese „emotionale Rettung“ nicht jederzeit frei verfügbar ist, sondern begrenzt, versucht man, davon mehr zu bekommen bzw. sie festzuhalten. Diese Erkenntnis erzeugt bei einigen Menschen Schamgefühle. Aber wer sie verinnerlicht, der nimmt automatisch ab, weil das Essen einfach nicht mehr die Bedeutung der emotionalen Rettung hat, sondern nur noch Nahrung darstellt und losgelassen werden kann.
Sie behaupten an einer Stelle: Wer Selbstvertrauen entwickelt, wird ganz von allein schlanker und schöner. Wird damit nicht ebenfalls ein insbesondere in den sozialen Medien vorherrschendes und letztlich diskriminierendes Schönheits- bzw. Schlankheitsideal bestätigt?
Winter:
Absolut nicht, denn wer wirklich Selbstvertrauen und Selbstsicherheit hat, braucht dieses Schönheitsideal-Theater nicht. Wir empfinden Menschen, die darum kämpfen, als attraktiv zu gelten, als weniger vertrauenswürdig und damit auch weniger anziehend als Menschen, die eine natürliche Schönheit durch Zufriedenheit ausstrahlen. Zudem glaube ich, dass Menschen, die ein gutes Selbstvertrauen haben, sich nicht dort einreihen, wo mithilfe von Disziplin und Chirurgie perfekte Körper und Idealfiguren vorgegaukelt werden. Schönheit ist kein BMI, sondern ein Zustand des Nervensystems. Ein entspannter Mensch ist schöner, gesünder, lebendiger – unabhängig von Kleidergröße oder Instagram-Ästhetik. Ich bestätige also nicht das Diskriminierende, sondern das Befreiende: Der Mensch wird schöner, wenn er aufhört, sich an „Idealen“ zu messen.
Viele Menschen, die ihr Gewicht reduzieren wollen, scheitern oft an den Ansprüchen, die von außen – etwa von Ärzten oder Ernährungsberatern oder von Freunden und der Familie – an sie herangetragen werden. Was würden Sie Betroffenen raten, um richtig mit Rückfällen umzugehen?
Winter:
Ja, die „Anti-Coaches“, wie ich sie nenne, können leider tatsächlich den Erfolg sabotieren. Die meisten scheitern nicht an sich selbst, sondern an ihren Anti-Coaches – jenen gutmeinenden Menschen, die sagen: „Willst du das wirklich essen?“ oder „Mach doch einfach mehr Sport!“ Das kann sehr verunsichern. Vor allem, wenn man noch am Anfang seines ungewöhnlichen Abnehm-Weges steht. Doch je selbstsicherer man wird, desto weniger beeinflusst einen das Halbwissen eines anderen – selbst wenn der einen weißen Kittel und eine schlaue Brille trägt. Doch bis dahin kann es ein langer Weg sein. Die gute Nachricht: Das, was viele für Rückfälle halten, sind keine Rückschritte, sondern Etappen. Reifeprozesse können in Wellen verlaufen. Rückfälle sind wie Stolpern beim Laufenlernen: lästig, aber völlig ungefährlich. Und mit jedem Meter, den man geht, wird man sicherer und besser.
Abnehmen durch Annehmen
Autor: Andreas Winter
Mankau Verlag
Preis: 18,00 Euro
ISBN: 978-3-86374-794-7
Foto: Maik Wiesegart
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