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27.09.2022

 

 

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Italien: Der schwer einzuschätzende Jahrgang 2022

Die Natur überrascht alle und nach den Regenfällen im August wird ein erstaunlich guter Jahrgang erwartet



Die Natur hat uns gelehrt, mit Erntevorhersagen bis zum letzten Tag zu warten, und die Weinproduzenten wissen das sehr wohl … genauso wie sie wissen, dass die Rebe schon immer ein perfekter Spiegel von Klima und Terroir war.

Nie zuvor jedoch wurde dem Menschen wie in diesem Jahr 2022 eine Handlungsstrategie abverlangt, um die Rebe bei der Vollendung ihres Produktionszyklus zu unterstützen und einer feindlichen Dürre zu widerstehen.

Der erste gemeinsame Nenner des Jahres 2022 war ein normaler Winter mit guten Wasserreserven, die in den Herbstmonaten angesammelt werden konnten. Auf einen milden Frühling mit guten Aussichten folgte eine seit mindestens 20 Jahren nicht mehr verzeichnete Dürrephase und ein Monat August, der eine grundlegende Wetterwende für die Endphase der Traubenreifung bringen konnte. Die lang ersehnten Regenfälle und der Rückgang der Temperaturen haben die Situation tatsächlich entspannt und versprechen ein hervorragendes Jahr.

Ausgehend von diesem Gesamteindruck haben wir von Nord nach Süd die Fachleute und Winzer im Weinberg um eine Beurteilung gebeten, und für alle war es das Zusammenspiel von Mensch und Reben, das den richtigen Ausblick ergab. Viele Betriebe haben in den Vorjahren erforschte, agronomische Praktiken eingesetzt, um die Böden anzureichern oder die Laubwand besser gegen Evapotranspiration zu schützen.

Heute hat in verschiedenen Teilen Italiens bereits die Ernte der weißen Trauben begonnen, teilweise auch der ersten roten Trauben. Die Regenfälle ermöglichten es, die Erntezeit zu verschieben, wodurch die Trauben eine perfekte technische und phenologische Reife erreichen konnten.

TRENTINO

Im Gebiet von Trient erklärt Anselmo Guerrieri Gonzaga, Besitzer von San Leonardo, dass es keine Anzeichen von Trockenstress an den Reben gibt. „San Leonardo liegt eingebettet zwischen dem Monte Baldound den Monti Lessini und ist fast vier Stunden am Tag vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Das ist ein entscheidender Faktor für die Erhaltung der Eleganz und Frische unserer Weine. Die Regenfälle im August brachten eine hervorragende Wasserversorgung und kühlten das Klima stark ab. Die großen Temperaturschwankungen in der Nacht helfen den Reben, die Trauben optimal zu reifen – ein Vorzeichen für eine großartige Ernte. Die Ernte der roten Sorten ist um Mitte September geplant“.

LOMBARDEI


Im Oltrepò Pavese südlich von Mailand ändert sich die klimatische Situation nicht. Ottavia Giorgi di Vistarino, Inhaberin des Gutes Conte Vistarino, erzählt: „Trotz der geringen Niederschläge waren keine Probleme mit übermäßigem Trockenstress festzustellen, außer in Gebieten mit lockereren Böden. Die natürliche Beschaffenheit des Bodens, also wie ein Schwamm wirkende Tonschichten als Wasserspeicher und die niedrigen Nachttemperaturen trugen dazu bei, diesen Jahrgang zu retten. Entscheidend ist die Anbaupraxis in den Weinbergen: Bodenbearbeitung, Entfernung und Pflege der Laubwand zum Schutz der Frucht. Die Weinlese der Pinot Noir-Trauben für die Basis-Schaumweine begann am 10. August, um die Säure zu erhalten, während die Trauben für die roten Vinifikationen dank der Regenfälle im August noch warten müssen. Wir verzeichnen eine korrekte Reifung der Schalen, was uns auf eine bessere Ernte als erwartet hoffen lässt, und uns große Freude bereiten würde“, sagt die Winzerin abschließend.

PIEMONT

Im Piemont spricht man von einem speziellen, keinesfalls einfach zu bewältigenden Jahr. Agronomische Entscheidungen haben sich als der richtige Interpretationsschlüssel für den Klimawandel erwiesen. „Obwohl 2022 kein einfaches Jahr ist“, sagt Federica Boffa-Pio, 5. Generation von Pio Cesare, „sind wir kurz vor der Ernte angekommen mit Pflanzen in ausgezeichnetem Gesundheitszustand und die Trauben sind dabei, sich mit allen wichtigen Substanzen anzureichern. Die Lese der weißen Trauben, die am 22. August begann, haben wir bereits abgeschlossen, und es gibt keine nennenswerten Produktionsrückgänge. Stattdessen wird die Lese von Nebbiolo, Barolo und Barbaresco weit vor dem traditionellen Beginn bereits zwischen dem 20. und 25. September erwartet. Es wird eine kurze, aber intensive Ernte mit sehr eng getakteten Erntezeiten für verschiedene Rebsorten. Die Qualität wird gut sein“.

TOSKANA

Auch in der Toskana haben die anhaltend hohen Temperaturen und der Mangel an Wasser die Erzeuger in Schwierigkeiten gebracht und gezwungen, Notmaßnahmen zu ergreifen. „Aber das Lächeln kehrte im August mit den ergiebigen Regenfällen zurück, die sich über die Landschaft ergossen“, erzählt Francesco Ricasoli, an der Spitze des gleichnamigen Betriebs auf Brolio, Gaiole in Chianti. „Ein gesunder und segensreicher Regen, der den Reben wieder Kraft schenkte, aber vor allem die richtige Reifung der Früchte ermöglichte. Wir haben die Chardonnay-Ernte bereits abgeschlossen und fahren mit den frühen roten Rebsorten fort. Wir schätzen, dass der Sangiovese um den 15. September gelesen wird. Wir denken, dass die Menge bei einem mittleren Wert liegen wird. Was die Qualität anbetrifft, könnten wir bis dato locker sagen, dass wir einen schönen, wenn nicht sogar hervorragenden Jahrgang haben werden. Jetzt drücken wir erst mal die Daumen und arbeiten weiter“.

In Bertinga, wo die Weinberge im Gebiet von Gaiole in höheren Lagen zu finden sind, berichtet die technische Direktorin Elisa Ascani, dass "die lang erwarteten Regenfälle Ende August und die Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht mit Höchsttemperaturen von 28-30 Grad und den niedrigsten Werten bei 16-17 Grad die Bedingungen in unseren Weinbergen deutlich verbessert haben.  Die Pflanzen haben ihre Vitalität wiedererlangt und das Grün der Blätter ist wieder lebendiger geworden. Unsere Merlots liegen in der klassischen Reifezeit Mitte September, der Sangiovese etwa eine Woche vor der Erntevorhersage, die in der Regel zwischen Ende September und Anfang Oktober schwankt. Wir hoffen daher auf eine erneute Steigerung der Temperaturschwankungen in den kommenden Tagen, um zur perfekten Reifung der Trauben beizutragen“.

Gleiche Bedingungen in den höher gelegenen Hügeln um Greve, wo die Familie François, Besitzer von Castello di Querceto, zufrieden ist mit der Resonanz der Böden. „In den letzten Wochen hat sich das Klima tiefgreifend verändert, insbesondere seit Mitte August, mit dem Aufkommen einer Reihe starker Störungen mit ergiebigem Regen und einem Rückgang der Temperaturen. Die vorhandene Menge entspricht in etwa dem Vorjahr und ist gut, die Ertragserwartung niedrig und die Qualität sollte ausgezeichnet sein, insbesondere beim Sangiovese, der Hauptsorte unseres Weinguts. Die Ernte wird um ein paar Wochen vorgezogen und beginnt am 7. September mit der Rebsorte Merlot, gefolgt von den weißen Rebsorten, der Sangiovese-Traube und allen anderen bei uns zu findenden Sorten“.

In Castellina in Chianti in den Weinbergen von Castello di Fonterutoli, wo der Spitzenwein Siepi geboren wird, und auf Ipsus, einem Mini-Betrieb und Juwel des Unternehmens, ebenfalls im Besitz der Familie Mazzei, hat das Areal mit Stabilität auf die Bedingungen einer extremen Jahreszeit reagiert. „Wir sind sehr stolz darauf, wie uns die Natur immer wieder in Erstaunen versetzt“, bestätigt Giovanni Mazzei: „Nach der anhaltenden Dürre wirkten die Regenfälle Mitte August wie ein Allheilmittel und die Natur hat sich angepasst. Die Produktion scheint etwas niedriger zu sein, verspricht aber nach den bisher durchgeführten Analysen eine hervorragende Qualität. Ernte im regulären Zeitrahmen mit der Lese des Merlot von Siepi, die zwischen dem 10. und 15. September geplant ist, während der Sangiovese Ende September in den Weinkeller kommen wird. Wir sind sehr zuversichtlich“.

Die näher bei Florenz gelegenen Weinberge von Torre a Cona sind in guter Verfassung. Laut Niccolò Rossi di Montelera, Eigentümer des Weinguts, „wird die Ernte mit dem Merlot vom Weinberg Chiusurli beginnen, gefolgt von Trebbiano und Malvasia di Merlaia. Eine erste Analyse ergab, dass diese beiden Sorten einen etwas geringeren Ertrag haben werden, sie haben in der Tat kleinere Beeren als üblich. Auf die Sangiovese-Trauben müssen wir hingegen noch etwa zehn Tage warten: bis zum jetzigen Zeitpunkt erfreuen sie sich bester Gesundheit und guter Quantität“.

Weiter im Südosten der Toskana, auf Tenuta di Trinoro in Sarteano im wunderschönen Val d'Orcia, betont der Direktor Calogero Portannese ebenfalls: "Der Jahrgang '22 war geprägt von einem fast inexistenten Frühling und einem sehr früh beginnenden Sommer. Diese Situation mit ständiger Hitze und austrocknendem Wind hat die Reben in Stress versetzt und fast gelähmt. Unsere günstige Lage hat die Schäden begrenzt, indem sie den normalen Zyklus der Pflanzen verlangsamte, ohne sie zu blockieren. Mitte August kam der Wendepunkt dieser extremen Saison. Die Regenfälle im richtigen Moment ermöglichten es den Trauben, aus diesem halbgetrockneten Zustand herauszukommen, was die Erntezeit verlängerte. Während die Pflanzen jetzt das Wasser aufnehmen, wird dank der nächtlichen Temperaturschwankungen die perfekte Reifung der Trauben vollendet. Also Geduld und Warten auf die Frucht eines Jahres, das in Erinnerung bleiben wird“.

Auf Tenuta Luce im Gebiet des Brunello di Montalcino erklärt Lamberto Frescobaldi, dass „die Regenfälle im August den Pflanzen wieder Kraft verliehen haben, sie sind zur richtigen Zeit in der von einem lang anhaltenden Fehlen von Wasser geprüften Landschaft angekommen. So stehen wir nach Monaten der Dürre und der Ängste vor einem Ergebnis, das uns alle positiv überraschen könnte. Sollten wir noch ein paar Regentage haben, könnte sich die Ernte 2022 als qualitativ ausgezeichnet erweisen. Seit einigen Jahren bearbeiten wir unser Land unmittelbar nach der Ernte tief, wodurch die Reben im Winter Wasser speichern und die Auswirkungen einer klimatisch extremen Jahreszeit abmildern konnten. Was die Menge betrifft, können wir von einem möglichen leichten Rückgang ausgehen“.

Zufriedenheit auf Castello di Vicarello, im Herzen der toskanischen Maremma, mit der Bewirtschaftung der Rebanlagen, die "dank der Arbeit, die im Laufe der Jahre auf dem Land geleistet wurde, in schöner Balance sind und heute reich an organischer Substanz sind und Wasser speichern, um es an die Pflanzen wieder abzugeben“, erklärt Brando Braccheschi Berti. „Die Niederschläge im August haben die Situation wieder ins Gleichgewicht gebracht. Die Ernte der Sorte Malbec wurde in der Woche vom 26. August abgeschlossen, wobei schön knackige Trauben von ausgezeichneter Qualität gelesen wurden. Für Sangiovese, Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot ist der Verlauf wieder normal mit einer langsamen Reifung, die auf eine Lese Mitte September hindeutet“.

Ettore Rizzi, verantwortlich für Weinbau und Kellerwirtschaft auf Fattoria Le Pupille, definiert den Jahrgang als „extravagant“ mit einer jedoch weniger dramatischen Situation als erwartet, wahrscheinlich aufgrund der Nähe zum Meer und der spezifischen Eigenschaften der Maremma. Auch konnten die kritischen Probleme mit der Arbeit des Menschen bewältigt werden dank Bewässerung und agronomischer Praktiken. „Die Lese der weißen Trauben hat am 9. August begonnen und die aktuell gärenden Moste sind sehr vielversprechend. Für die roten Trauben waren die Regenfälle im August fundamental. Sie bewirkten eine Wende der klimatischen Bedingungen und eine Verlängerung der Erntezeit und begünstigten eine bessere polyphenolische und aromatische Reifung. Im Moment präsentieren sich die Trauben sehr schön und gesund. Ende August wurden auch die Trauben der Sorte Alicante für den Morellino gelesen und seit Anfang September ist der Merlot des Weinbergs Saffredi an der Reihe“.

Hitze und Trockenheit stellten auch auf Ornellaia eine große Herausforderung für den Jahrgang 2022 dar. Ein grundlegendes Element für die korrekte Interpretation des Jahrgangs waren die agronomischen Entscheidungen, die für die Bewirtschaftung des Bodens und des Blätterdachs getroffen wurden.

"Nach den ersten Tagen der Lese des Sauvignon Blanc, die nachts durchgeführt wurde, um die Frucht unversehrt und mit all ihrem Duft so gut wie möglich zu bewahren, setzten die lang erwarteten Gewitter Mitte August ein. Die ergiebigen Regenfälle verlangsamten die Reifung leicht und ermöglichten es, die Ernte von Sauvignon und Viognier in Ruhe abzuschließen. Es folgten Merlot und Vermentino. Eine Verfrühung, die die logische Konsequenz einer ungewöhnlichen Saison ist“ beobachtet Axel Heinz, Direktor des Weinguts. "Bis heute lassen die ersten Eindrücke eine Ernte erahnen, die nicht reichlich ausfällt, aber bei anhaltend gutem Wetter möglicherweise ein hochkarätiges Profil vorweisen kann. Vorhersagen zu treffen ist jedoch immer sehr heikel und komplex, wohl wissend, dass erst bei der Anlieferung der Trauben im Keller konkrete und realistische Beurteilungen abgegeben werden können“, erklärt Axel Heinz abschließend.

SIZILIEN

Zum Schluss auf Sizilien, wo die klimatischen Bedingungen immer extrem sind. Auch hier war die Saison herausfordernd. Trotzdem spricht man bei Tasca d’Almerita von: "einem Jahrgang von hohem Wert was die Qualität anbetrifft, sowohl für die bereits eingebrachten Rebsorten wie Grillo di Mozia oder Malvasia di Salina als auch für die roten Sorten auf Tenuta di Regaleali, die jedoch noch am Stock hängen“.

Ebenfalls am Ätna erzählt Vincenzo Lo Mauro, technischer Direktor von Passopisciaro, einem der Namen, die die Weingeschichte an Ätna geschrieben haben: „Die Reben, vor allem die jahrhundertealten haben gut reagiert. Die Chardonnay-Ernte wurde auf Ende August vorgezogen, eine anomale Zeit für die Trauben vom Ätna, die normalerweise im September gelesen werden. Fantastische Trauben mit richtiger Reife, extremer Gesundheit, exzellenten Aromen. Die Regenfälle Ende August senkten die Temperaturen und brachten die für die Gegend typischen, nächtlichen Temperaturschwankungen. Anfang September endet die Chardonnay-Ernte für die Trauben, die zu Passobianco und Contrada PC vinifiziert werden (deren Weinberg fast 1000 Meter über dem Meeresspiegel liegt). Die Erträge sind gut und wir vertrauen auf eine optimale Weiterentwicklung“.

Foto: Ornellaia Grapes

 


Veröffentlicht am: 08.09.2022

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