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Veganuary im Faktencheck

Nährstoffrealität und verarbeitete Ersatzprodukte im Blick behalten



Konsequent auf alle tierischen Produkte, also Fleisch, aber auch Honig und Milch, verzichten und sich vegan ernähren – das macht in Deutschland nur eine Minderheit der Bevölkerung. Doch im Januar probieren immer mehr Menschen eine vegane Lebensweise aus – und nehmen an der globalen Bewegung „Veganuary“ teil. 


Laut Statistischem Bundesamt hat der Konsum von Fleisch im Januar über die letzten Jahre spürbar abgenommen. Das zeigen Scannerdaten aus dem Lebensmitteleinzelhandel. Teilnehmende wollen nach der Völlerei in der Advents- und Weihnachtszeit ihrem Körper oft etwas Gutes tun und verzichten ganz bewusst auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch. Außerdem werden gute Vorsätze gerne mit dem Beginn des neuen Jahres verknüpft.

„Wer keine tierischen Produkte isst, nimmt jedoch möglicherweise einige wichtige Nährstoffe zu wenig auf. Bei der Essensplanung gilt Aufmerksamkeit – auch weil Ersatzprodukte viele Zusatzstoffe enthalten oder eine hohe glykämische Last aufweisen“, berichtet Dipl.-Ing. Silvia Bürkle, Ernährungswissenschaftlerin und Mitgründerin des Stoffwechselprogramms Metabolic Balance. Sie ordnet den „Veganuary“ ein:

„Bei einer veganen Ernährungsweise werden häufig Pseudogetreidearten wie Quinoa, Amaranth oder Hirse mit Nüssen oder pflanzlichen Milchalternativen wie Mandel-, Hafer- oder Reismilch kombiniert. Diese Kombinationen liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß sowie zahlreiche Mineralstoffe und Vitamine. Doch viele Pseudogetreidearten weisen eine hohe glykämische Last auf.  Diese Lebensmittel lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen, was Heißhunger begünstigen kann und langfristig mit Gewichtszunahme sowie einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht wird.

Ein weiterer kritischer Punkt in der veganen Ernährung ist die Versorgung mit Vitamin B12. Da dieses Vitamin hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln und in milchsauer vergorenem Gemüse vorkommt, können Veganer unzureichend versorgt sein. Pflanzliche Produkte wie Lupinen oder Sanddorn gelten nicht als verlässliche Vitamin-B12-Quellen, da sie lediglich sogenannte Analoga enthalten, die im Körper nicht die gleiche Wirkung entfalten. Aus diesem Grund wird meist zu einer gezielten Supplementierung von Vitamin B12 geraten. Es gibt auch eine zunehmende Anreicherung von Lebensmitteln oder Non-Food-Produkten wie Zahnpasta mit Vitamin B12, die jedoch kritisch betrachtet werden sollte, da diese Form des Vitamins teilweise nur eingeschränkt vom Körper aufgenommen werden kann.

Darüber hinaus ist bei vielen veganen Ersatzprodukten Vorsicht geboten. Um Geschmack, Konsistenz und Aussehen von Fleisch-, Milch- oder Käseprodukten möglichst originalgetreu nachzuahmen, enthalten sie häufig zahlreiche Zusatzstoffe wie Farb- und Aromastoffe, Geschmacksverstärker, Verdickungs- und Konservierungsmittel. Forschende vermuten, dass diese Stoffe Entzündungen fördern und die Zusammensetzung der Darmflora, also des Mikrobioms, ungünstig verändern können – was wiederum zu gesundheitlichen Problemen und Erkrankungen führen könnte.

Generell gilt: Eine pflanzenbasierte Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Getreide und wenigen tierischen Produkten ist gesund. Ovo-lacto-vegetarische beziehungsweise lacto-vegetarische Ernährungsformen können für eine optimale Nährstoffzufuhr sorgen. Eine ovo-lacto-vegetarische Ernährung bietet eine ausreichende Anzahl an eiweißhaltigen Nahrungsmitteln. Kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Calcium, Eisen, Zink oder Omega-3-Fettsäuren werden gut über fleischlose Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte oder Eier gedeckt. Bei einer rein veganen Ernährung sollte unbedingt eine kritische Auseinandersetzung in Bezug auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr und stark verarbeitete Ersatzprodukte erfolgen.“

Bild:
Metabolic Balance, Silvia Bürkle

 


Veröffentlicht am: 08.01.2026

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